Nordschleswig
Nordschleswig (dänisch Nordslesvig) ist eine Region im Süden Dänemarks zwischen deutsch-dänischer Grenze und der Stadt Kolding. Im Dänischen wird die Region Schleswig als Südjütland (dänisch Sønderjylland) bezeichnet.
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Geschichte
Nordschleswig ist ein Teil Schleswigs. Schleswig war bis 1864 ein mit Dänemark in Personalunion verbundenes, staatsrechlich jedoch eigenständiges Gebilde (Sekundogenitur) und wurde später zusammen mit Holstein von Preussen anektiert.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde in den Artikeln 109 bis 114 des Versailler Vertrages festgelegt, dass die Bevölkerung in Schleswig im Rahmen einer Volksabstimmung die Grenzziehung zwischen Deutschland und Dänemark selbst entscheiden könne. Das Plebiszit wurde in zwei Abstimmungszonen abgehalten.
Die 1. Abstimmungszone umfasste das gesamte Nordschleswig bis zur “Clausen-Linie“ südlich von Tondern und nördlich von Flensburg, die den heutigen deutsch-dänischen Grenzverlauf markiert. Stimmberechtigt waren sämtliche vor dem 1. Januar 1900 geborene Personen, die entweder aus dem Plebiszitgebiet stammten oder dort zumindest seit 1900 ihren Wohnsitz unterhielten oder, vor 1900 dort wohnhaft, von deutschen Behörden ausgewiesen worden waren. Dies setzte entsprechende Aktivitäten beider Volksgruppen zur Mobilisierung von Landsleuten außerhalb der Abstimmungszonen in Gang. Die 2. Abstimmungszone erstreckte sich auf ein Territorium südlich der Clausen-Linie.
Die Modalitäten der Abstimmung führten jedoch zu Kontroversen. Dänemark setzte durch, dass in der 1. Abstimmungszone en bloc abgestimmt wurde, das heißt die Stimmen gemeinsam ausgezählt wurden. Dieses Verfahren lief den Städten, die sämtlich eine deutsche Mehrheit aufwiesen, wie Tondern, Apenrade und Sonderburg, aber auch einigen Landgemeinden, im südlichen Nordschleswig zuwider. In der 2. Abstimmungszone wurde jedoch Stadt für Stadt und Gemeinde für Gemeinde abgestimmt.
Bei der Abstimmung in der 1. Zone am 10. Februar 1920 votierten 74,9 Prozent der Stimmberechtigten für eine Vereinigung mit Dänemark. An einigen Orten (z. B. in Lügumkloster) waren die Mehrheitsverhältnisse äußerst knapp. In den ländlichen Gebieten des Nordens waren 90 Prozent dänische Stimmen keine Seltenheit. In einzelnen Gemeinden wie Tondern und Hoyer gab es deutsche Dreiviertelmehrheiten. Am 14. März 1920 stimmten 80,2 Prozent der Stimmberechtigten in der 2. Abstimmungszone für einen Verbleib bei Deutschland. Dänische Mehrheiten gab es nur in drei kleinen Gemeinden auf Föhr, doch stimmte im schnell gewachsenen Flensburg immerhin ein Viertel für Dänemark.
Geografie
Nordschleswig erstreckt sich von der deutsch-dänischen Grenze bis an die Königsau und die Koldinger Förde. Verwaltungssitz der Region ist Apenrade, doch wird Nordschleswig als administrative Einheit 2007 in einer süddänischen Großregion aufgehen. Die Insel Röm ist geografisch einTeil der nordfriesischen Inseln (Nordfriesland).
Nordschleswig liegt am kleinen Belt. Daher kommt auch die entsprechende Passage im Deutschlandlied.
Sprachen
In Nordschleswig wird neben Dänisch noch Deutsch gesprochen. Denn im Landesteil lebt eine etwa 20.000 Menschen umfassende deutsche Minderheit. Neben den beiden Hochsprachen hat sich mit dem Sønderjysk vor allem auf dem Land eine charakteristische Sprache erhalten, die neben vielen Eigentümlichkeiten auch zahlreiche niederdeutsche Lehnwörter enthält. Sønderjysk wird innerhalb der dänischen Mehrheit wie auch innerhalb der deutschen Minderheit gesprochen.
Die meisten Ortsnamen haben eine dänische wie deutsche Version. Siehe auch unter: Schleswigsche Ortsnamen
Politik
In Nordschleswig besteht neben den dänischen Parteien die Schleswigsche Partei (SP). Die SP tritt als Regionalpartei und Interessensvertretung der deutschen Minderheit in Nordschleswig an. Die SP ist in mehreren Kommunen und mit einem Abgeordneten im sütjütischen Amtsrat vertreten.
Wirtschaft
Die Region ist vor allem von Landwirtschaft und Tourismus geprägt. An der Westküste spielt der Tourismus eine wichtige Rolle, teilweise aber auch an der Ostküste. Neben mittelständischen Betrieben haben auch einige große Firmen ihren Sitz in der Region, namentlich Danfoss in Norburg, Ecco in Bredebro oder Gram in Woyens.
Medien
In Nordschleswig erscheinen mit Jydske Vestkysten und Der Nordschleswiger je eine Tageszeitung in dänischer und deutscher Sprache. Erstere hat ihre Zentralredaktion in Esbjerg und erscheint mit einigen Lokalausgaben im Landesteil. Neben den Tageszeitungen produziert Danmarks Radio mit Radio Syd ein regionales Programm für die Region. Seit einigen Jahren existiert mit Radio Mojn auch ein privates Radioprogramm.
Grenzegion
Um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu förden, wurde vor einigen Jahren der Regionalrat Südjütland/Schleswig gegründet. Im Regionalrat arbeiten auf deutscher Seite die Kreise Nordfriesland, Schleswig-Flensburg, die Stadt Flensburg und auf dänischer Seite das Amt Sønderjylland zusammen.
Statt von Nordschleswig wird auf dänischer Seite inzwischen hauptsächlich von Sønderjylland gesprochen, weil man ersteres fälschlicherweise als deutsche Bezeichnung auffasst. Obwohl Sønderjylland eigentlich ein Synonym für das gesamte Schleswig ist, wird der Landesteil südlich der Grenze im Gegensatz zu Sønderjylland als Sydslesvig bezeichnet. Auch auf deutscher Seite ist man meist nicht konsequent und stellt Nordschleswig als südliches Pendant einen Landesteil Schleswig gegenüber.
Weblinks
- Einrichtungen der deutschen Minderheit
- Sønderjyllands Amt
- Region Sønderjylland/Schleswig
- Institut für Lokalgeschichte
- Der Nordschleswiger - deutsche Tageszeitung in Dänemerk
- Geschichte Schleswig-Holsteins - Abstimmungsgebiet
- Deutsches Historisches Museum - Kollektives Gedächtnis
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