Nosferatu – Phantom der Nacht
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Werner Herzogs Horrorfilm Nosferatu - Phantom der Nacht ist eine Verfilmung des Dracula - Stoffes und eine Hommage an Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu, eine Symphonie des Grauens.
| Inhaltsverzeichnis |
Handlung
Jonathan Harker, der mit seiner Frau Lucy im Wismar des 19. Jahrhunderts lebt, wird beauftragt, nach Transsilvanien zu reisen, um mit Graf Dracula über den Verkauf eines Hauses zu verhandeln. In der Nähe des Schlosses lebende Zigeuner warnen ihn vor dem Schloß und dem Grafen und weigern sich, Harker bei seiner Weiterreise zu helfen, so daß er allein zum Schloß geht. Dort wird er von Graf Dracula empfangen und bewirtet; der Graf schließt den Vertrag sofort ab, als er ein Bildnis von Harkers Frau Lucy sieht. In der kommenden Nacht wird Harker von Dracula heimgesucht und gebissen; der Vampir reist nun per Schiff in einem Sarg nach Wismar. Der schwer erkrankte und bleicher werdende Harker folgt ihm.
Als das Schiff in Wismar ankommt, ist die gesamte Besatzung tot; nur Ratten scheinen auf dem Schiff zu leben. In der Stadt breitet sich nun die Pest aus. Harker erreicht die Stadt, erkennt seine Frau aber bereits nicht mehr. Lucy liest sein Tagebuch und sein mitgeführtes Buch über den Untoten Nosferatu; sie versucht Doktor van Helsing zu überzeugen, daß der nachts umherschleichende Dracula die Ursache der Seuche ist. Als dieser den vermeintlichen Aberglauben ablehnt, faßt sie den Entschluß, Dracula selbst zu töten, indem sie ihn bis zum Morgengrauen bei sich hält. Tatsächlich verpaßt der Vampir den Morgen und sinkt, von Sonnenstrahlen getroffen, in sich zusammen. Doktor van Helsing, der die gebissene tote Lucy sieht, erkennt seinen Irrtum und tötet Dracula endgültig mit einem Holzpfahl. Der inzwischen zu neuen Kräften gekommene, bleiche Jonathan Harker läßt ihn daraufhin verhaften und reitet davon.
Hintergrund
Herzog kannte Murnaus Original, welches von 1925 bis 1988 als vernichtet/verschollen/verboten galt. Auch wenn er die Namen des Stoker-Romans verwendet, zitiert er die Charaktere Murnaus fast eins zu eins. Ausstattung und Kameraeinstellung sind in vielen Szenen mit der Murnaus identisch. Das Motiv der sich ausbreitenden Pest wird hervorgehoben. Auch das Aufzeigen der gegenwärtigen Wissenschaft übernimmt er. Während Murnau mikroskopische Aufnahmen zeigt, präsentiert Herzog Zeitlupenaufnahmen eines Fledermausfluges.
Herzog löst sich erst am Ende des Filmes von Murnau und Stoker, indem er seinem Film ein eigenes, pessimistisches Ende gibt. Lucy Harker besiegt den Vampir ebenso, wie es bei Murnau der Fall war, aber der "Virus" Vampirismus überlebt im gebissenen Jonathan Harker, der zum neuen Nosferatu wird.
Bei keinem anderen ist der Vampir so übermächtig wie bei Herzog. Sein Biss allein reicht zur Infektion und damit zur Verbreitung der Seuche, der Pest, die Herzog mit einer Unzahl von Ratten noch eindrucksvoller darstellt als dies Murnau möglich war.
Der Film ist die zweite Zusammenarbeit Herzogs mit Klaus Kinski, welcher den Vampir hier ähnlich überzeugend und furchterregend darstellt wie Max Schreck im Original.
Kritiken
Neben den Leistungen der Hauptdarsteller, allen voran Kinski, wird vor allem die surreal-gespenstische Atmosphäre des Films gelobt. Dazu zählen neben den Szenen im Schloß die Einstellungen zur Pest - die allgegenwärtigen Ratten und Särge in der verlassenen Stadt - und die beiden Szenen, in denen Lucy und Dracula direkt aufeinandertreffen. Diese beiden Szenen sind genaue Murnau-Zitate; es wird gerätselt, ob sogar ein Fehler (der Vampir ist einmal kurz im Spiegel zu sehen) beabsichtigt war, weil er im Original auch auftritt.
Auszeichnungen
- Deutscher Filmpreis: Filmband in Gold für Klaus Kinski (1979)
Weblinks
- Nosferatu: Phantom der Nacht in der Internet Movie Database
- Kritik und Bilder
- Kritiken, Bilder, Literaturverzeichnis
