Nyon

Wappen
98px|Wappen von Nyon
Basisdaten
Kanton: Waadt
Bezirk: Nyon
BFS-Nr.: 5724
PLZ: 1260
Koordinaten: 46° 23' n. Br.
6° 14' ö. L.
Höhe: 403 m ü. M.
Fläche: 6.82 km²
Einwohner: 16234 (2003)
Website: www.nyon.ch
Karte
299px|Karte von Nyon

Nyon ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Distrikts des Kantons Waadt in der Schweiz. Die deutsche Bezeichnung Neuss stammt aus der Zeit, als für Westschweizer Städte und Gemeinden deutsche Namen konstruiert wurden. Er wird heute nicht mehr verwendet. Unter den Kelten hiess der Ort Noviodunos (latinisiert Noviodunum), während der Römerzeit Colonia Iulia Equestris.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Nyon liegt auf 403 m ü. M., 34 km westsüdwestlich der Kantonshauptstadt Lausanne und 22 km nordnordöstlich der Stadt Genf (Luftlinie). Die Gemeinde erstreckt sich auf einer Geländeterrasse am Nordwestufer des Genfersees rund 30 m über dem Seespiegel, zwischen den Mündungen des Boiron und der Asse.

Die Fläche des 6.8 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Nordwestufer des Genfersees. Der Gemeindeboden erstreckt sich vom Seeufer nach Nordwesten über den flachen Uferrandstreifen auf die leicht erhöhte anschliessende Ebene am Jurasüdfuss. In diese Ebene sind auf dem Gemeindegebiet von Nyon die Täler der beiden Flüsschen Boiron (im Südwesten) und Asse (im Nordosten) eingetieft. Südlich des Boiron reicht das Gebiet bis in das Waldgebiet Bois Neuf. Die höchste Erhebung von Nyon wird mit 480 m ü. M. unterhalb von Trélex erreicht. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 51 % auf Siedlungen, 8 % auf Wald und Gehölze und 41 % auf Landwirtschaft.

Zu Nyon gehören die Gewerbe- und Industriesiedlung L'Asse (470 m ü. M.), rechts des gleichnamigen Flüsschens, ein Teil des Weilers Changins (436 m ü. M.) südlich des Hügels von Duillier sowie einige Hofsiedlungen. Nachbargemeinden von Nyon sind Crans-près-Céligny, Eysins, Signy-Avenex, Grens, Trélex, Duillier und Prangins.

Bevölkerung

Entwicklung der Einwohnerzahl von Nyon
Jahr Einwohner
1900 4882
1950 6100
1960 7643
1970 11424
1980 12842
1990 14747
2000 16182

Mit 16234 Einwohnern (Ende 2003) gehört Nyon zu den grössten Gemeinden des Kantons Waadt. Von den Bewohnern sind 75.9 % französischsprachig, 5.7 % deutschsprachig und 4.0 % englischsprachig (Stand 2000). Nach 1950 setzte eine rasante Bevölkerungszunahme ein, seither hat sich die Einwohnerzahl von Nyon fast verdreifacht. Das Siedlungsgebiet von Nyon ist inzwischen mit demjenigen von Prangins lückenlos zusammengewachsen.

Wirtschaft

Nyon war lange Zeit ein hauptsächlich agrarisch geprägtes Städtchen. Heute spielt die Landwirtschaft als Erwerbsquelle nur noch eine marginale Rolle. Sie konzentriert sich dank der fruchtbaren Böden auf den Acker- und Gemüsebau, an den optimal nach Süden geneigten Hangpartien ausserhalb des Stadtgebietes wird Weinbau betrieben.

thumb|left|UEFA Die Stadt ist ein wichtiges regionales Industriezentrum, das dank der hervorragenden Verkehrserschliessung an der Achse Genf – Lausanne in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen ist. Bedeutende Industriezweige sind die Medikamentenherstellung, die Nahrungsmittel-, chemische, metallurgische und Zündholzindustrie, die Werkzeug-, Uhren- und Töpferwarenherstellung und graphische Betriebe.

Da Nyon auch als Verwaltungs- und Bankzentrum gilt, sind die meisten Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor vorhanden. Seit 1995 ist Nyon Sitz der UEFA. 1988 wurde das Centre d'enseignement secondaire supérieur (CESSOUEST) eröffnet. Seit 1886 befindet sich in Changins die Station fédérale de recherches agronomiques de Changins (RAC), die Eidgenössische landwirtschaftliche Forschungsanstalt.

Kultur

thumb|250px|Nyon In Nyon werden alljährlich bedeutende kulturelle Veranstaltungen abgehalten. Darunter ist vor allem das Paléo Festival Nyon zu nennen, das grösste Freiluftfestival der Schweiz. Daneben gibt es weitere Tanz- und Filmfestivals, ein Dokumentarfilmfestival und Konzerte. Der Sommerkurort am Genfersee hat auch touristische Bedeutung und besitzt mehrere Museen, wie beispielsweise das Musée Romain (seit 1979), das Musée du Léman (seit 1954) und das Musée historique et des porcelaines (seit 1860).

Verkehr

Die Stadt ist verkehrstechnisch hervorragend erschlossen. Sie liegt an der alten Hauptstrasse von Genf entlang dem Seeufer nach Lausanne. Hier zweigt die Strasse über den Col de la Givrine nach Morez in Frankreich ab. Der Autobahnanschluss Nyon an der 1964 eröffneten A1 (Genf-Lausanne) ist rund 3 km vom Stadtkern entfernt.

Am 14. April 1858 wurde der Abschnitt Morges – Coppet der SBB-Linie Lausanne-Genf mit einem Bahnhof in Nyon in Betrieb genommen. Die Schmalspurlinie von Nyon nach Saint-Cergue, die auch Nyons Aussenquartiere erschliesst, wurde am 12. Juli 1916 eingeweiht. Von 1905 bis1962 war ferner die Bahnlinie von Nyon nach Divonne-les-Bains in Betrieb. Heute wird jedoch nur noch der Abschnitt bis Eysins für den Gütertransport genutzt.

Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgt das Stadtbusnetz von Nyon. Daneben gibt es Postautokurse in die umliegenden Gemeinden, nach Coppet, Gingins und Gimel. Ferner ist Nyon an das Schiffsverkehrsnetz auf dem Genfersee angebunden.

Geschichte

Nyon kann auf eine sehr lange Siedlungstradition zurückblicken. Die frühesten Funde datieren auf das Neolithikum, als sich am Seeufer eine kleine Siedlung befand.

Keltische und Römische Zeit

thumb|250px|Römische Ruinen Im 1. Jahrhundert vor Christus befand sich an der Stelle des heutigen Nyon die Befestigung Noviodunos, die von den Helvetiern bewohnt war. Vermutlich brannten diese bei ihrem Auszug nach Frankreich um 58 vor Christus die Stadt nieder. Von Cäsar zur Rückkehr gezwungen, liessen sich Stämme der Helvetier wieder am Ufer des Genfersees nieder und gründeten um 45 vor Christus unter Aufsicht der Römer die Stadt Colonia Iulia Equestris, die zur wichtigsten Stadt am Genfersee während der Römerzeit aufstieg. Das Zentrum befand sich auf der Geländeterrasse im Bereich des Schlosses an der Stelle der heutigen Altstadt. Sie bestand aus einem Forum mit Haupttempel, ausgestattet mit reichen Fussbodenmosaiken sowie einer Basilika. Die ersten Ausgrabungen wurden im 19. Jahrhundert vorgenommen, weitere Grabungen folgten 1974. Über die Wohngebiete ist hingegen nur wenig bekannt. Colonia Iulia Equestris wurde über einen Aquädukt mit Wasser von der Versoix versorgt. Einige Reste dieses teilweise unterirdisch verlaufenden Aquädukts sind erhalten.

Im Lauf der Römerzeit löste Aventicum (Avenches) Colonia Iulia Equestris als wichtigste Stadt ab, in der spätrömischen Zeit gewann auch Genava (Genf) immer mehr an Bedeutung. Ein erstes Mal wurde die Stadt nach der Mitte des 3. Jahrhunderts zerstört, später aber wieder unter dem Namen Civitas Equestri aufgebaut. Die endgültige Verwüstung und Zerstörung der Stadt erfolgte dann im 5. Jahrhundert.

Mittelalter und Neuzeit

thumb|left|250px|Osterbrauch Die Neugründung von Nyon ist auf die Zeit um das 11. und 12. Jahrhundert anzusiedeln. Zunächst trug die Stadt die latinisierten Namen Neodunum, Nevidunum, Nividunum, Novidunum, Niviodunum, Noiodunum und Neomagus. Nyon gehörte zur Herrschaft Prangins und kam 1293 an das Haus Savoyen. Nachdem Nyon im 13. Jahrhundert Stadtrechte erhalten hatte, erlebte es unter den Savoyern einen wirtschaftlichen Aufschwung und wurde Münzprägestätte (bis zum 15. Jahrhundert).

Mit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 wurde Nyon zum Sitz der gleichnamigen Vogtei erhoben. 1711 wurde die Vogtei Bonmont von Nyon abgetrennt. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte die Stadt von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. Seit 1798 ist Nyon Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Von 1781 bis 1813 erlangte die Stadt Weltbekanntheit als Sitz einer Porzellanmanufaktur.

Sehenswürdigkeiten

thumb|250px|Altstadt von Nyon Reste der römischen Basilika und des Forums können heute im Römischen Museum besichtigt werden. Von der Römerzeit zeugen überdies die drei Säulen des ehemaligen Forums, die heute am Stadteingang stehen. Erst 1996 wurde das ehemalige Amphitheater entdeckt.

Die Stadtanlage wurde auf den römischen Fundamenten aufgebaut und hat den ursprünglichen Grundriss bewahrt. Sie zeigt heute noch ein mittelalterliches Stadtbild mit charakteristischen Patrizierhäusern meist im spätgotischen Stil. Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert unter den Herren von Prangins befestigt; aus dieser Zeit ist noch die Tour de César (auch Tour de Rive genannt) erhalten. Auch Teile der Ringmauer sind im Südosten der Altstadt sichtbar.

Die reformierte Stadtpfarrkirche Notre-Dame ging aus einer ehemaligen Prioratskirche hervor. Diese wurde im 12. Jahrhundert an der Stelle eines vermutlich vor 700 erbauten Gotteshauses errichtet. Der heutige Bau der Kirche stammt zum grössten Teil aus dem 14. Jahrhundert, Gewölbe und Seitenkapellen wurden 1471-81 erbaut. Aus der romanischen Zeit sind Teile des Chors und die Wandmalereien erhalten. Grössere Umbauten wurden im 18. und 19. Jahrhundert vorgenommen, der Glockenturm wurde 1934 neu gebaut.

thumb|Osterbrauch thumb|Osterbrauch Das Schloss am Ostende der Altstadt wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Es diente zunächst den Grafen und Herzögen von Savoyen, in der Berner Zeit den Landvögten als Residenz. Der ursprüngliche Bau wurde in der Zeit von 1574 bis 1583 stark erweitert und umgestaltet. Das Schloss zeigt einen viereckigen Grundriss mit vier Seitentürmen. Es beherbergt heute das Musée historique et des porcelaines (mit einer reichen Sammlung an Porzellan und Fayencen).

Zu den bedeutenden Bauwerken in der Altstadt zählen die Porte Sainte-Marie (aus dem 18. Jahrhundert), das Maison Bonnard mit einem Turm aus dem 15. Jahrhundert, das Hôtel de Ville (auch Maison Lancaster genannt) aus dem 16. Jahrhundert mit Sonnenuhren an der Fassade. Das ehemalige Kollegium ist ein klassizistischer Bau von 1784-92.

Das Quartier am Seeufer unterhalb der Altstadt aus dem 18. bis 19. Jahrhundert konzentrierte sich früher vor allem auf den Handel und das Gewerbe.

Auch Gebäude der modernen Architektur sind in Nyon zahlreich vertreten.

Veranstaltungen

Jedes Jahr findet Ende Juli das Paléo Festival Nyon statt, das grösste Freiluftkonzert der Schweiz.

Weblinks


Nicht zu verwechseln mit der Gemeinde Nyons im französischen Département Drôme.

Modèle:Vorlage:Navigationsleiste Bezirk Nyon Kategorie:Ort in der Schweiz Kategorie:Ort im Kanton Waadt Kategorie:Schweizer Gemeinde

See also: Nyon, 11. Jahrhundert, 12. Jahrhundert, 12. Juli, 1293, 13. Jahrhundert, 14. April, 14. Jahrhundert, 1471