Schwäbische Dialekte
385px|thumb|Das Schwäbische innerhalb der oberdeutschen Sprachengruppe Schwäbisch ist eine im südlichen Bereich von Baden-Württemberg, aber auch in Teilen Bayerns gesprochene Gruppe von Dialekten und gehört zu den alemannischen oberdeutschen Großdialekten.
Die schwäbischen Dialekte unterscheiden sich z.T. erheblich. Besonders charakteristisch ist die Unterscheidung nach den Formen des Partizips Perfekt von "sein" in gwä (gewesen) und gsi (gewesen). Die Gsi-Gruppe ist sprachgeschichtlich näher mit dem Schweizerdeutsch und dem Alemannischen verwandt.
Weitere Charakteristika sind unter anderem:
- Die so genannte „halbe Diphthongierung“ (das heißt Doppelvokale werden hörbar nacheinander gesprochen)
- Eine generelle Tendenz zur Nasalierung
- Auch der Anlaut „k“ wird nasal ausgesprochen (zum Beispiel „Kinder“, gesprochen wie „Khinder“)
- Die Endung „-et“ bei Verben in der 3. Person Plural (die beiden letzten Punkte sind auch dem Niederalemannischen eigentümlich)
- Die Aussprache des „s“ vor Konsonanten als „sch“ (zum Beispiel „Fest“, gesprochen „Fescht“)
- Die Verkleinerungsform „-le“ (sehr kurz gesprochen, z.B. Haus – Häusle) bzw. im Plural „-lâ“ (z.B. Spätzla)
- Die Vereinfachung der Konjugation (alle Personen Plural enden auf -"et")
- Der Verzicht auf "weich" gesprochene -s(-) und sch(-)
Darüber hinaus ist bemerkenswert, dass im Schwäbischen eine Reihe hochdeutscher Wörter abweichende Bedeutungen haben (die folgenden Beispiele sind rein inhaltlich zu verstehen und nicht auf die Aussprache bezogen):
- bei Körperteilen: mit „Fuß“ wird das Bein bis zum Oberschenkel bezeichnet, dafür umfasst der „Rücken“ auch das Gesäß
- bei Tieren: eine Fliege ist im Schwäbischen eine „Mücke“, eine (Stech-)Mücke eine „Schnake“; für die Mückenfamilie der (nichtstechenden) Tipulidae, die üblicherweise als Schnaken bezeichnet werden, gibt es keinen eigenen Begriff (in Stuttgart oft "Großvater" genannt). Der Bedeutungswandel des Worts „Schnake“ ist mittlerweile umgangssprachlich über das Schwäbische hinaus verbreitet.
- bei Bewegungsverben:
- gehen heißt im Schwäbischen „laufen“, laufen heißt „springen“, springen heißt „hüpfen“, hüpfen heißt "hopsen", schnelles laufen heißt "sauen"(gesprochen saueh).
- halten heißt im Schwäbischen „heben“, heben heißt „lupfen“, ein Nagel in der Wand „hebt“ das Bild, während der Stuhl auf den Tisch „gelupft“ wird. Unter dieser Voraussetzung wird der Spruch „Haben kommt von halten“, der im Hochdeutschen lediglich eine inhaltliche Bedeutung hat, zum sinnvollen Wortspiel: „Haben kommt von heben“.
- wir heißt im Schwäbischen „mir“ (wie in „Mir kennet elles, blos' koi Hochdeutsch“)
Dialektgruppen sind
- Gwä-Gruppe
- Unterschwäbisch im mittleren Neckartal und den angrenzenden Gebieten
- Oberschwäbisch in Württemberg südlich der Donau und im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben (Übergang zur Gsi-Gruppe(allerdings hier meist Gsei als Sonderform))
- Gsi-Gruppe
- Allgäuerisch im Ost-Allgäu
- Rieser Schwäbisch - eine Dialektform, die deutliche Anklänge an das Unterschwäbisch zeigt, jedoch deutlich davon verschieden ist: so sagt der Rieser nicht "Do hanna", sondern "do dranna", wenn er "da dort" meint.
Schwäbischexperten können die Herkunft einer Person von der schwäbischen Alb dank ihres Dialekts überraschend zuverlässig genau einem Ort (schwäbisch "Fleckâ") zuordnen. Dabei spielt u.a. die Aussprache von "nicht" als "nedd", "nedda", "edd", "edda", "nitt", "idd", "idda", "itt" oder "itta" eine Rolle. Leider verschwinden diese Feinheiten der Sprachkultur in den jüngeren Generationen immer mehr. Die Unterschiede zeigen sich auch darin, dass selbst eingeborene Stuttgarter kaum einen Satz verstehen, wenn ein sogenannter Älbler richtig loslegt.
In diesem Zusammenhang interessant ist auch die unterschiedliche Färbung des Schwäbischen je nach Religionszugehörigkeit des Sprechenden. In den altwürttembergisch = evangelischen (Lutherischen) Orten ist die Aussprache einiger Wörter anders als in den katholischen Orten. Th. Troll führt das auf den Predigtstil der Pfarrer zurück. Beispiele :
- kath.: Lehrer, Seele, Ehre - evang.: Lährer, Sähle, Ähre
- kath.: Vaddr (für Vater) - evang.: Vahder
In vielen Gemeinden gibt es Spitznamen für die Einwohner wie z.B. Spandale, Spältleskucker oder Loable, die mit der eigentlichen Ortsbezeichnung nichts gemein haben. Diese Namen finden auch oft in den Namen von Narrenzünften verwendung.
Im Schwäbischen gibt es insbesondere eine reiche Anzahl an derben Redewendungen mit denen sich hervorragend schimpfen lässt. ("Dir schlage d´Leif ab, daß de uff de Schdomba hoimquaddla muasch.", "Des isch vrschdônga ônd vrloga!", "Dem henge s Greiz aus!", "Mir gôht glei dr Gaul durch.", "Wenn du so lang wärsch wia bleed, nô könnsch dr Mond am Arsch lägga.", u.v.m.) Zugezogene werden als "Reigschmeckte" bezeichnet, was natürlich als Makel gilt, der frühestens - wenn überhaupt - nach mehreren Jahren der Integration behoben werden kann. Auffallend ist in diesem Zusammenhang auch die vielfalt scheinbarer Schimpfworte, so hat das Wort "Siach", was auf Hochdeutsch soviel wie Strolch heißen würde, mehrere Bedeutungen von denen auch einige positiv sind. Da dies stark von der Betonung abhängt, ist es vor allem für "Reigschmeckte" eher schwierig, sich einzuleben.
Drei bekannte schwäbische Zungenbrecher:
- "Schellet se idd an sellrer Schell, sella Schell schellt idd. Schellet se an sellrer Schell, sell Schell schellt." (Schell heißt Klingel, schellen klingeln und sell heißt diese.)
- "Wenn d' Henne henne send, kemma gau gau und de Apprat ra tra und d' Foto foto." (Wenn die Hühner drin sind, können wir bald gehen und den Apparat runtertragen und den Fotoapparat wegbringen.)
- "Dr Bpabscht hats Spätzles Bsteck zschbät bschdelld." (Der Papst hat das Spätzle-Besteck zuspät bestellt.)
Schwaben gelten als wortkarg mit trockenem Humor. So lässt sich die allgemeine Relativitätstheorie in einen Satz fassen: "Wenn du Dei Nôs in mein Arsch stecksch, nô hann i a Nôs em Arsch ond du a Nôs em Arsch, aber i bin reladief besser drâ."
Auch ist eine interessante Eigenheit der schwäbischen Sprache, die etwas exotische Definition des Begriffs Preuße - auf schwäbisch "Preuiß". Besonders im West-Allgäu sind Preußen alle Bewohner Deutschlands nördlich der Donau. Dass der Schwabe eine Abneigung gegen die "Preuißeh" hat, thematisiert ein bekannter schwäbischer Witz: Frieher wo im Allgai d'Wiehse noh grie wahret ond ma s'wasser us di'bächle noh saufe hot känne, hot amol en mah ebe aus so em bächle saufe welle. jetzt hot halt grad en bauer weiter oba am bach sei pschitfass laufe lasse. do schreit er nab: "kruzie, it saufe, isch giftig". da antwortet d'mah: "Was haben sie gesagt, guter Mann?". "Mit boide händ saufe".
Schwäbische Mundartdichter
- Sebastian Sailer (1714-1777)
- August Lämmle
- Sebastian Blau
- Sissi Kicherer
Weblinks
- Alemannische Wikipedia (inklusive Schwäbisch)
- alt.aeffle.und.pferdle - eine schwäbische Newsgruppe
- Schwobifying Proxy der Universität Heidelberg, übersetzt Webseiten ins Schwäbische; gesperrt
[1] Webseite eines Schwaben mit Hintergrundinfos und Wörterbuch Kategorie:Dialekt
