Objektive Realität
Objektive Realität ist ein fester Begriff des Dialektischen Materialismus. Die objektive Realität (auch "Operationswirklichkeit") bezeichnet darin die Gesamtheit dessen, was unabhängig und außerhalb von jeglichem Bewusstsein existiert, ganz gleich, ob als Erscheinung, Eigenschaft oder Relation.
Während mit Realität, Wirklichkeit, alles bezeichnet wird, was überhaupt existiert, unabhängig davon, wie es existiert, ist die obige Definition die Restriktion, unter die der Begriff objektive Realität fällt. Insofern kann der Begriff auch synonym als "materielle Welt" oder "objektive Wirklichkeit" verwendet werden.
Erkenntnistheoretisch umfasst der Begriff objektive Realität den gleichen Inhalt wie der Materiebegriff. So wie dem Materiebegriff der Bewusstseinsbegriff erkenntnistheoretisch als Gegensatz gegenüber steht, steht dem Begriff objektive Realität der Begriff subjektive oder geistige Realität oder Perzeptionswirklichkeit gegenüber, mit dem die Welt der sinnlichen und rationalen sowie der emotionalen Widerspiegelung der objektiven Realität im Bewusstsein der Menschen gedanklich erfaßt wird.
Die Gegenposition zum Begriffsinhalt der objektiven Realität besteht in der Behauptung und Anschauung, es würde nur eine subjektive Realität existieren, die sich ideell in den Gedanken der Menschen herausbildet. Dies ist die grundlegende Position aller Formen des subjektiven Idealismus. Im Materialismus wird hingegen nur eine materielle Realität akzeptiert, die demnach auch objektiv existiert.
Der Empirismus befasst sich weniger mit der Suche nach der objektiven Realität, als mit Experimenten, um Teile der Logik bzw. des Funktionierens der messbaren Realität zu ergründen, ohne zu entscheiden, ob die Ergebnisse subjektiv, objektiv, materiell oder immateriell sind. Allerdings versucht man dabei, allgemeingültige Zusammenhänge zu finden und Fehler, z. B. durch Untersuchungsmethoden, die das Ergebnis beeinflussen, zu vermeiden, um so eine gewisse Objektivität zu erreichen. Dabei gehen Empiristen normalerweise davon aus, dass sie sich einer tatsächlich vorhandenen objektiven Realität schrittweise nähern.
In der Religion hat es auch immer wieder Bemühungen gegeben, die Realität von Gott, Seele, Himmel, übersinnlichem oder anderem, woran ihre Vertreter glauben, zu beweisen, um so die objektive Realität dieser Bereiche zu belegen.
Mit dem berühmten Satz "Ich denke, also bin ich" (Cogito ergo sum) hat Descartes bewiesen, dass zumindest die Existenz des subjektiven eigenen Verstandes einer objektiven Realität entspricht. Strömungen in der Philosophie, die logische Argumente ablehnen, zweifeln allerdings auch an dieser Aussage.
