Objektiver Zusammenhang
Der objektive Zusammenhang bezeichnet
eine Beziehung, Relation zwischen Objekten, Eigenschaften oder Prozessen der objektiven Realität, die so beschaffen ist, dass eine Veränderung der einen Gegenstände, Eigenschaften usw. von einer entsprechenden Veränderung der anderen begleitet wird.
Jeder Zusammenhang ist zwar so eine Relation, doch stellt nicht jede Relation bereits einen Zusammenhang zwischen den Objekten dar. Der objektive Zusammenhang zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass es keinen Bereich der objektiven Realität gibt, der nicht durch materielle Prozesse (Prozesse der materiellen Welt) mit anderen Bereichen verbunden ist. Davon zu unterscheiden sind ideelle Prozesse im menschlichen Bewusstsein oder Prozesse, die zum Bewusstsein beitragen, wie beispielsweise die Apperzeption.
| Inhaltsverzeichnis |
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1.1 Die logischen Zusammenhänge |
Zur spezifischen Methodik der Untersuchung des objektiven Zusammenhangs
Die logischen Zusammenhänge
Gedankliche, logische Zusammenhänge zwischen Begriffen, Aussagen, Theorien und anderem sind Widerspiegelungen objektiver Zusammenhänge im menschlichen Bewusstsein. Die Existenz von Zusammenhängen zwischen den Objekten und Sachverhalten der materiellen Welt bildet die objektive Grundlage für die Möglichkeit, die diese Objekte beziehungsweise Sachverhalte widerspiegelnden Begriffe und Aussagen voneinander abzuleiten.
So betrachtet stehen zwei Objekte dann miteinander im Zusammenhang, wenn aus dem Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Eigenschaften bei dem einen Objekt auf das Vorhandensein oder Fehlen entsprechender Eigenschaften bei dem anderen Objekt geschlossen werden kann.
Die Kenntnis objektiver Zusammenhänge eröffnet die Möglichkeit, Objekte, die der Erkenntnis nicht unmittelbar zugänglich sind, mittels des Studiums anderer Objekte, die mit ihnen im Zusammenhang stehen, zu untersuchen. So ist - was von den Vertretern des Agnostizismus verneint wird - die sinnlich nicht wahrnehmbare Wesenheit von Dingen, Prozessen und anderem kein erkennbares Ding an sich, sondern ist über das Studium ihrer äußeren Erscheinung erkennbar, da zwischen Wesen und Erscheinung ein dialektischer Zusammenhang besteht.
Ansatz schon in der Antike
In der frühen griechischen Philosophie erschien die Welt als ein zusammenhängendes Ganzes. Jedoch wurde der Gesamtzusammenhang der ihnen zugänglichen Naturerscheinungen nicht einzeln nachgezeichnet. Diese Zusammenhänge resultierten vielmehr aus der unmittelbaren Anschauung.
Bei Heraklit wird diese ursprüngliche, noch naive Anschauung so ausgedrückt:
Alles ist und ist auch nicht, denn alles fließt. Ist in stetiger Veränderung. Alles ist in stetigem Werden und Vergehen.
Zur Entwicklung des Verständnisses des Zusammenhangs im Mittelalter
Damit die Einzelheiten des Zusammenhangs erkannt werden konnten, mussten diese aus ihren natürlichen und historischen Bindungen herausgelöst und jede für sich, nach ihrer Beschaffenheit, ihren besonderen Ursachen und Wirkungen usw. untersucht werden.
Dieser im Wesentlichen analytischen Tätigkeit unterzogen sich die Naturwissenschaften besonders seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nachdem sie sich - vorangetrieben durch die Bedürfnisse der sich herausbildenden und entwickelnden Manufakturen und Handwerksbetriebe - von den Fesseln des scholastischen Denkens schrittweise befreit hatten, welches die Glaubensdogmen höher bewertete als das auf Erfahrung und Analyse der Naturerscheinungen begründete Wissen.
Erst die großen Erfolge der Naturwissennschaft des 18. Jahrhunderts und 19. Jahrhunderts, insbesondere die Entdeckung der Zusammenhänge der verschiedenen Bewegungsformen der Materie sowie der Entwicklung der Erkenntnisse aus der Abstammungslehre, schufen die Voraussetzungen dafür, die metaphysische Denkweise ihrerseits überwinden zu können.
Der Ansatz bei Hegel
Georg Wilhelm Friedrich Hegel hatte in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts den Versuch unternommen, die ganze natürliche, geschichtliche und geistige Welt als einen Prozess darzustellen und den inneren Zusammenhang in dieser Bewegung und Entwicklung nachzuweisen, was sich bei ihm im postulierten "Weltgeist" ausdrückte. Bei Hegel blieb dieser Versuch jedoch in einer unterschiedlich bewerteten Weise der natürlichen und gesellschaftlichen Bewegungen stehen. Auch bezog sich seine Methode auf die Bewegungsformen des reinen Denkens in der Abbildung der materiellen Welt.
Der Ansatz in der materialistischen Dialektik
Die These des Prinzips der materiellen Einheit der Welt
Diese These geht bei Karl Marx und Friedrich Engels vom Prinzip der materiellen Einheit der Welt aus. Sie postuliert, dass die Kategorien "Bewegung", "Bedingtheit" und "Wechselwirkung" miteinander verknüpft sind und verschiedene Aspekte des universellen Zusammenhangs der objektiven Realität widerspiegeln.
Diese These vom universellen Zusammenhang ist nicht so zu verstehen, dass jedes Ding, jeder Prozess u. a. mit jedem anderen im Zusammenhang steht. Wäre dies der Fall, so gäbe es überhaupt keine stabilen Dinge, Zustände, keine relative Ruhe in der ewigen Strukturbewegung der Materie, da jede Veränderung eines beliebigen Objekts sich dann auf den Zustand des gesamten Weltraums auswirken würde (unter unbestimmten zeitlichen Schritten).
Eine zielgerichtete, auf die Zweckmäßigkeit gerichtete Veränderung in der Umwelt des Menschen wäre unter diesen Bedingungen ebenso unmöglich, ebenso als wenn die Welt ein absolut zusammenhangsloses Chaos bilden würde.
Die These vom universllen Zusammenhang besagt vielmehr, dass jedes Ding, jeder Prozess u. a. in einem Zusammenhang steht, der durch die materielle Einheit der Welt und die Bewegung als Daseinsweise des Materiellen vermittelt wird.
Die Arten der Existenz des universellen Zusammenhangs
Der universelle Zusammenhang der Dinge, Eigenschaften, Prozesse u. a. der objektiven Realität existiert in zweifacher Hinsicht: er ist sowohl systematischer als auch historischer Art.
A) Als systematischer ist er Strukturzusammenhang des Nebeneinander, der Koexistenz der Dinge
B) Als historischer ist er Bewegungs- und Entwicklungszusammenhang - Zusammenhang in der Zeit, des Nacheinander der Dinge, Prozesse u. a.
Die Formen des konkreten Zusammenhangs
Jeder objektive Zusammenhang trägt einen konkreten Charakter. In Abhängigkeit von den konkreten Bedingungen, die den jeweiligen Typ eines Zusammenhangs bestimmen (determinieren) beziehungsweise in Abhängigkeit von dem konkreten Aspekt, unter dem der jeweilige Zusammenhang betrachtet wird, spricht man von
- den gesetzmäßigen (siehe auch Gesetz
- den kausalen (siehe auch Kausalität)
- den konditionalen (siehe auch Bedingung (Philosophie)
- den funktionellen, strukturellen oder genetischen
- den notwendigen (siehe auch Notwendigkeit (Philosophie)
- den zufälligen (siehe auch Zufall (Philosophie)
- den wesentlichen oder unwesentlichen
- den inneren oder äußeren
- den stationären oder instationären
- den direkten oder indirekten
und anderen Zusammenhängen.
Zu den beiden konkreten Ergebnissen des Ansatzes des universellen Zusammenhangs
Zu den spezifischen Zusammenhängen in konkreten Systemen
Beim objektiven Zusammenhang handelt es sich nicht um gleichwertige Beziehungen und universell gleichzeitig zusammenhängende Objekte. Es existieren relativ isolierte stabile Systeme mit spezifischen Beziehungen zwischen ihren Elementen (Bedingung der Struktur.
Dadurch ist es möglich, innere und äußere Beziehungen zu unterscheiden und die Wechselwirkungen von inneren und äußeren Faktoren eines Systems zu untersuchen.
Ohne diese Einsicht in den objektiven Zusammenhang würde man zu gedanklichen Konstruktionen von Beziehungen ohne Systeme kommen, zu einer in sich verflochtenen Gesamtheit von Wechselwirkungen, von denen sich keine von der anderen unterscheiden würde.
Die Erkenntnis eines Elementarteilchens wäre dann zum Beispiel die Erforschung aller seiner vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Wechselwirkungen, und somit wegen des nicht begrenzbaren Umfangs der Beziehungen, Objekte und Prozesse nicht möglich.
Eine solche gedankliche Konstruktion der Zusammanhänge entspräche den philosophischen Konsequenzen des mechanischen Determinismus, der den objektiven Zufall negiert und alles auf die Notwendigkeit im Sinne der Geamtheit der Bedingungen reduzierte.
Zu den Abhängigkeiten des Zusammenhangs unter den konkreten Systembedingungen
In den objektiv existierenden Systemen gibt es wesentliche und unwesentliche Beziehungen, das heißt es existieren Systemgesetzmäßigkeiten, die zwischen unwesentlichen, besonderen oder zufälligen Zusammenhängen wirken.
Die Untersuchung der Wechselwirkung zwischen inneren und äußeren Faktoren ist bedeutend für diese Systemgesetzmäßigkeiten. Man kann somit von einer Hierarchie der Beziehungen im objektiven Zusammenhang ausgehen.
Dies zeigt sich in der philosophischen Deutung der Ergebnisse der Quantentheorie, der Relativitätstheorie, die vor allem die Raum-Zeit-Vorstellungen in einen besonderen Zusammenhang stellte und der Untersuchungen der chemischen und biochemischen Strukturbeziehungen.
Albert Einsteins Kritik des Gleichzeitigkeitsbegriffs und die Trennung der Gebiete möglicher Wirkung von denen unmöglicher Einwirkung in der Relativitätstheorie verlangte eine Präzisierung der Auffassung vom objektiven Zusammenhang, welche die Ausbreitung von Wirkungen in materiellen Medien und durch materielle Signale berücksichtigt und keine spekulative unendliche Ausbreitungsgeschwindigkeit materieller Wirkungen annimmt.
Somit ist der objektive Zusammenhang nicht durch gleichzeitiges universelles Einwirken der Objekte und Prozesse bestimmt, sondern nur dadurch, dass es keinen Bereich der objektiven Realität gibt, der nicht durch materielle Prozesse mit anderen Bereichen verbunden ist, was beispielsweise zu den Wirkungen physikalischer Felder führt.
