Offshoring
Ähnlich wie beim Outsourcing lagern beim Offshoring große Firmen (meist multinationale Konzerne) ganze Abteilungen oder auch Betriebsstandorte von ihrem eigentlichen an günstigere Standorte, i.d.R. in Schwellenländer mit im Vergleich niedrigerem Lohnniveau (auch Niedriglohnländer genannt) aus.
Ein häufiges Beispiel hierfür ist die Auslagerung der IT-Anwendungsentwicklung nach Indien und Asien ganz allgemein, z.B. Volksrepublik China, also Länder in denen ein deutlich niedrigeres Lohnniveau als etwa in den USA oder in Deutschland vorherrscht. Dies geht unter anderem auf den niedrigen Entwicklungsstand der Länder zurück, was sich beispielsweise auch in kaum ausgeprägten Arbeitnehmervertretungen niederschlägt. Mittlerweile gehen Anbieter von IT-Dienstleistungen (z.B. Infosys, Wipro, TCS) aus diesen Offshoring-Zielländern dazu über, eigene Niederlassungen in den Ländern der typischen Auftraggeber zu unterhalten, um Aufträge zu akquirieren, die dann in den Heimatländern ausgeführt werden.
Im Vergleich mit den USA und Großbritannien ist das Offshoring in Deutschland bislang relativ schwach ausgeprägt, was nicht zuletzt auf die Sprach- und Kulturbarrieren zurückzuführen ist: da Englisch in Indien eine der Amtssprachen ist, bestehen hier Vorteile für die Akquise von Aufträgen aus angloamerikanischen Länder.
Eine als Nearshoring bezeichnete Sonderform des Outsourcing ist aus zentraleuropäischer Sicht das Offshoring in Osteuropäische Länder.
Kritik am Offshoring
Von Globalisierungsgegnern und auch Gewerkschaften wird Offshoring überwiegend kritisch betrachtet. So beschreibt etwa Naomi Klein in ihrem Buch "No Logo" engagiert über diese Form des Outsourcings, wobei jedoch die politische Intention zu Lasten objektiver Darstellung in der Vordergund tritt. Sie legt dar, wie große US-Kleidungshersteller wie The GAP, Nike, Levi's oder Esprit Produktionsstätten in Niedriglöhnländer verlegen, nicht ohne mahnend auf die für europäische Verhältnisse einfachen Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Aufgrund der häufig einseitig geführten Diskussion drohen jedoch wahre Probleme in Hintergrund zu treten.
Kritiker befürchten ferner, dass durch Offshoring viele Arbeitsplätze in Europa verloren gehen, und ein ruinöser Wettbewerb der Staaten untereinander entsteht. In plastischen Worstcase-Szenarien prognostizieren sie soziale Zustände, wie sie zur Zeit der ersten Phase der Industrialisierung in Mitteleuropa herrschten.
Seitens der Befürworter des Offshoring wird dagegen angeführt, dass die Auslagerung von Tätigkeiten an günstigere Anbieter die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen stärkt und zugleich inländische Arbeitsplätze sichert. Durch Mischkalkulation soll es möglich sein, Produkte und Dienstleistungen zu international konkurrenzfähigen Preisen anzubieten. Mit dem steigenden Wohlstand der Offshoring-Länder erwartet man, dass diese mehr Waren aus den Industrieländern importieren. Dafür, dass Deutschland nur unterdurchschnittlich vom Offshoring profitiert, wird regelmäßig der stark regulierte Arbeitsmarkt in Deutschland verantwortlich gemacht: Die Abwanderung von manchen Arbeitsplätzen lässt sich nicht verhindern, zum Teil werden ganze Branchen verschwinden. Jedoch muss auf der anderen Seite gewährleistet sein, dass neue Arbeitsplätze in neuen Branchen entstehen können.
siehe auch Komparativer Kostenvorteil
Weblinks
- IT-Offshoring - Was geht? Was geht nicht?
- Dossier auf silicon
- China dreht auf: Von der "Werkbank der Welt" zur neuen Wirtschaftssupermacht
- Kalifornisches Gesetz gegen Outsourcing ins Ausland
- Indien vs. China, der Ganges lockt
- Aufbau Ost, Abbau West
Beispiele:
- 21. März 2004 HP Deutschland-Chef: Softwareproduktion in Schwellenländer verlagern
- 13. März 2004 Siemens will zum Stellenabbau in Deutschland Stellung nehmen
- 12. März 2004 Microsoft und HP richten in China Entwicklungszentren ein
- 12. März 2004 IBM will Aktivitäten in Indien ausweiten - IBM will die Anzahl der Stellen in Kalkutta bis Ende des Jahres auf 4000 aufstocken
- 30. Juli 2003 Siemens Mobile streicht 2300 Stellen
- 8. August 2003 Siemens-ICM-Mitarbeiter wehren sich gegen Stellenabbau
