Ökologische Landwirtschaft

Unter ökologischer Landwirtschaft (auch: biologische Landwirtschaft) versteht man die Produktion und den Absatz von Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf der Grundlage von natürlichen Produktionsfaktoren.

Inhaltsverzeichnis

Gesetzliche Regelungen

Die IFOAM als weltweite Dachorganisation hat Basisrichtlinien entwickelt, die vielfach als Grundlage für nationale Gesetzgebungen dienen.

In der Europäischen Union sind die Bezeichnungen Ökologischer Anbau, Biologischer Anbau und ähnlich klingende Begriffe im Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Produkten und deren Herstellung und Verarbeitung geschützt. Grundlage ist die VO (EWG) 2092/91, nach der diese und abgeleitete Bezeichnungen nur für entsprechend angebaute und kontrollierte Bio-Lebensmittel verwendet werden. Auf dem Etikett kann also z.B. Biologischer oder Ökologischer Anbau, kontrolliert biologisch/ökologisch" oder Abkürzungen wie Bio oder Öko stehen.

Die Kennzeichnung Ökologische Agrarwirtschaft-EWG-Kontrollsystem und die Angabe der Nummer:z.B. DE-034-Öko-Kontrollstelle und/oder des Namens:... der EU-Öko-Kontrollstelle geben an, dass dieses Lebensmittel laut Bio-EU-Regelung hergestellt und von anerkannten EU-Öko-Kontrollstellen kontrolliert wurde. Auf dem Etikett kann der Bio-Anbauverband angegeben sein, bei dem der Hersteller Mitglied ist.

Für Lebensmittel, die aus mehreren Zutaten zusammengesetzt sind, gilt folgende Kennzeichnungsregelung:

Produktion und Absatz

Bei der Pflanzenproduktion wird auf Monokulturen, Einsatz von chemischen Syntheseprodukten (Fungiziden, Herbiziden, Pestiziden, Kunstdüngern, Wachstumsregulatoren und Antibiotika) sowie genetisch veränderter Mittel und Produkte verzichtet. Mittels speziellen Anbaumethoden, wie z.B. Ecofarming wird versucht, sich den Prinzipien der Natur zu nähern. Bei der Viehwirtschaft wird eine [Extensive Landwirtschaft|extensive Produktionsform]] angewandt. Der Absatz der Erzeugnisse findet allgemein unter den Gesichtspunkten eines regionalen Kreislaufs statt.

Die Preise für Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft sind im Vergleich mit den Erzeugnissen der konventionellen Landwirtschaft aus mehreren Gründen deutlich höher. Zum einen liegt der Ertrag durchschnittlich bei weniger als 50% und ist wesentlich größeren Schwankungen (Risiko) bis hin zum Totalausfall unterworfen. Gleichzeitig muss der Landwirt auf Skalenerträge verzichten, da durch den Verzicht auf Monokulturen bzw. eine intensive Viehwirtschaft ein Ersatz von Human- durch Maschinenkapital nur begrenzt möglich ist.

Zum anderen führt der vornehmlich regionale Vertrieb, der dem Kreislaufprinzip folgt bzw. folgen soll, zu höheren Kosten.

Viele Produzenten sind in Anbauverbänden zusammengeschlossen wie z.B. Bioland, Biopark, Naturland oder Demeter.

Entwicklung

Der Absatz von Erzeugnissen der ökologischen Landwirtschaft hat in der nahen Vergangenheit in Europa stetig zugenommen, wobei tendenziell eine positive Korrelation zwischen dem Wohlstand der Gesellschaft und dem Absatzvolumen erkennbar ist. Gleichwohl reagiert ein großer Teil der Verbraucher preisreagibel.

Nach einer Reihe von negativen Nachrichten über landwirtschaftliche Produkte aus der konventionellen Produktion könnte der Wunsch der Verbraucher nach einer gesunden Ernährung diese Tendenz beeinflusst haben und weiter beeinflussen. Hinzu kommt die verstärkte Bedeutung dieser Problematik in der Politik. Während in Österreich die ökologische Landwirtschaft als Graswurzelbewegung begann und meist auf kleineren Höfen betrieben wird, sind beispielsweise in Dänemark durch ein gezieltes staatliches Programm auch größere Betriebe auf die ökologische Landwirtschaft umgestiegen.

Ökologische Pflanzenproduktion

Der ökologische Anbau beruht auf den folgenden Prinzipien und Vorgehensweisen, die den Schutz der Umwelt, die Gesundheit des Verbrauchers und die Qualität des Produktes sichern sollen:

Anbauflächen

Grüngürtel

An den Grenzen der Anbauflächen wird die Anlage und Pflege von Grüngürteln wegen ihrer günstigen Eigenschaften für die Kulturpflanzen empfohlen: Sie ziehen Insekten an, die die Pflanzen bestäuben sowie sonstige, nutzbringende Insekten, die dazu beitragen, dass Schädlinge auf natürliche Weise bekämpft werden, verschönern die Landschaft und fördern die Erhaltung biologischer Vielfalt.

Zu diesem Zweck wird empfohlen, als Bewuchs sowohl lebende Pflanzen anzusiedeln (gezüchteter Pflanzenbewuchs), als auch tote organische Materie (Überreste anderer Pflanzen, Forstschnitt, etc.) aufzubringen, die der Bodenerosion vorbeugen, Nährstoffe recyceln, die Aktivität von Mikroben fördern, die Anzahl unerwünschter Kräuter verringern und die Wurzeln schützen.

Düngung und Ertragssteigerung

Die für die ökologische Landwirtschaft gültigen Bestimmungen sehen vor, dass die Düngung und Förderung der biologischen Ertragssteigerung nach folgenden Gesichtspunkten erfolgen müssen:

Integrierung von Agrar- und Viehwirtschaft

Die Verbindung von Agrarwirtschaft mit Viehwirtschaft ist eine höchst empfehlenswerte Methode, die zur Selbstversorgung beiträgt:

Vorbeugung und Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten

Der Einsatz von synthetischen Schädlingsbekämpfungsmitteln ist durch die Bestimmungen zur ökologischen Bewirtschaftung ausdrücklich verboten worden, was dazu führt, dass Alternativen zur Schädlingsbekämpfung nach folgenden Kriterien gefunden werden müssen:

Selbsternte

Ein Konzept, ökologisch und zugleich für den Verbraucher kostengünstig zu wirtschaften, ist die Selbsternte: Ein Landwirt bestellt ein Feld mit Gemüse und Feldfrüchten in langen Reihen; das bestellte Feld wird in Querparzellen unterteilt und die Parzellen werden dann einzeln für eine Ernteperiode an Verbraucher vermietet.

Das Konzept der Selbsternte wurde in Österreich entwickelt; derzeit beteiligt sich die Universität Kassel mit einem Projekt auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen an der Erforschung und Weiterentwicklung dieser Idee.

Bisherige praktische Erfahrungen aus der Land- und Forstwirtschaft weisen eine negative Korrelation zwischen der Bereitschaft zur Selbsternte und dem Wohlstand einer Gesellschaft auf.

Ökologische Viehzucht

Es ist nur logisch, dass die ökologischen Erwägungen bei der Agrarwirtschaft begonnen haben und nicht bei der Viehzucht, denn die Ernährung der Tiere hängt direkt von der Agrarwirtschaft ab. Nach und nach ist man in der Viehzucht aber den Vorgaben aus der Agrarwirtschaft gefolgt und hat diese auch in die ökologische Produktion miteinbezogen.

Erst etwa 8 Jahre nach der Einführung der Bestimmungen zur landwirtschaftlichen Produktion wurde die Verordnung CE 1804/1999 genehmigt, worin die Prinzipien und spezifischen Kontrollmaßnahmen zur ökologischen Erzeugung von Fleisch und weiterverarbeiteten Tierprodukten festgehalten werden. Der Prozess zur Einbeziehung der Viehzucht wurde durch den Druck der Verbraucher begünstigt, die ihrerseits durch die vielen alarmierenden Meldungen über Krankheiten und sonstige gesundheitsschädliche Vorgänge in der Nahrungsmittelindustrie aufgeschreckt wurden.

Die ökologische Viehwirtschaft basiert auf der Bevorzugung ökologischer Vielfalt, der Bevorzugung von Rassen, die sich ihrem Umfeld am besten angepasst haben und der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten; zudem ist den einheimischen Rassen – bei gleichen Voraussetzungen - Vorrang einzuräumen.

Gentechnisch manipulierte Tiere und von ihnen erzeugte Produkte vertragen sich nicht mit den Prinzipien ökologischer Viehwirtschaft.

Tierschutz

Die Bestimmungen schreiben Unterkünfte in genügender Größe, ausreichende Belüftung und Helligkeit vor. Die ökologische Viehzucht lehnt Massenzuchtmethoden zur Ertragssteigerung, wie die Aufzucht von Tieren auf kleinstem Raum, ständige, künstliche Beleuchtung, etc. ausdrücklich ab.

Die Bewegungsfreiheit der Tiere muss in jedem Falle gewährleistet sein und die natürlichen Aktiv- und Ruhephasen müssen respektiert werden.

Die richtige Ernährung der Tiere basiert auf aus ökologischem Anbau stammenden Produkten. Tierproteine dürfe weder direkt, noch als Beimischung im Futter gefüttert werden. Bei Säugetieren ist die Einhaltung einer bestimmten Stillzeit vorgeschrieben.

Um die Tiere gesund zu erhalten, muss Infektionen und Krankheiten auf bestmögliche Weise vorgebeugt werden: Es werden widerstandsfähige Rassen ausgesucht und für eine ausgewogene Ernährung mit ausgewähltem Futter ebenso gesorgt, wie für die richtige Menge an Viehbestand, etc.

Sollten sich trotz vorbeugender Maßnahmen Gesundheitsprobleme ergeben, werden umgehend Behandlungsmaßnahmen eingeleitet, die die Anforderungen für Ökobetriebe erfüllen. Hierbei werden vorzugsweise pflanzliche oder homöopathische Mittel bzw. Spurenelemente als Medikamente eingesetzt und der Gebrauch von synthetischen Chemieprodukten oder Antibiotika weitestgehend eingeschränkt. Letztgenannte Mittel dürfen in keinem Fall zu Vorbeugungszwecken eingesetzt werden. Ausdrücklich verboten ist jede Form von wachstumsfördernden oder ertragssteigernden Mitteln. Außerdem werden Techniken abgelehnt, die der Synchronisierung der Fruchtbarkeitszyklen auf unnatürlichem Wege dienen, sowie die Übertragung von Embryos und genetische Manipulationen.

Zudem gibt es Vorschriften über den richtigen Transport der Tiere: der Stress für die Tiere muss auf ein Minimum reduziert werden; Beruhigungsmittel für die Transportdauer sind verboten.

Monitoring

Seit 2003 werden Bio-Obst und Bio-Gemüse systematisch auf Pestizidbelastungen untersucht. Ziel des Monitoring-Systems für Obst und Gemüse im Naturkostfachhandel ist es, mögliche Anbaufehler und Lücken in der Qualitätssicherung aufzudecken und abzustellen.

Im Rahmen des Monitoring werden alle vier Wochen im Naturkost-Großhandel Proben gezogen, welche bundesweit so koordiniert sind, dass ein großer Teil der Obst- und Gemüsesorten die aktuell im Handel sind, erfasst wird. Die Proben werden im Labor Dr. Specht & Partner in Hamburg und im SGS Institut Fresenius in Berlin nach der Multimethode DFG S19, die mindestens 250 Pestizide erfasst, untersucht. Je nach Gefährdungslage kommen weitere Analyseverfahren zum Einsatz.

Ergebnisse

Bei 95% aller Proben im Monitoring gab es bisher keinerlei Grund zur Beanstandung, bei 86% waren nicht einmal Spuren von Pestiziden nachweisbar. Lediglich 0,7% der Proben überschritten die gesetzliche Höchstmenge an Pestiziden. Zum Vergleich: Bei konventionellem Obst und Gemüse in der EU sind bei mehr als 5% der Proben Höchstmengenüberschreitungen zu beanstanden, insgesamt enthalten nach amtlichen Angaben 40% aller untersuchten pflanzlichen Lebensmittel Pestizidrückstände.

Probleme und Konfliktfelder

Da Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft in der Regel höhere Marktpreise erzielen, können kriminelle Produzenten oder Händler versucht sein, konventiell erzeugte Produkte als solche aus ökologischem Anbau auszugeben. Manche Untersuchungen ergaben auch bei als ökologisch deklarierter Ware erhöhte Belastungen mit Pflanzenschutz- und Konservierungsmitteln oder Fungiziden. Im Allgemeinen ist die Sicherheit für den Verbraucher bei ökologischen Produkten jedoch wegen des relativ engmaschigen Netzes von Kontrollen wesentlich größer als bei konventioneller Ware.

Eigentlich selbstverständlich sollte es sein, auch ökologische Früchte vor dem Verzehr gründlich zu waschen, da unabhängig vom Verhalten des Produzenten beispielsweise durch Regen oder Staub und andere Umweltfaktoren belastende Substanzen auf die Produkte gelangen können. Im Zweifelsfall, z.B. in Ermangelung sauberen Wassers sollten die Früchte - wie konventionelle auch - geschält verzehrt werden.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

! Kategorie:Umwelt- und Naturschutz Kategorie:Nachhaltigkeit

See also: Ökologische Landwirtschaft, 2003, Absatz, Algen, Anbauverband, Antibiotikum, Bioland, Biologisch-dynamische Landwirtschaft, Demeter (Marke), EG-Öko-Verordnung