Triebtheorie

Der Ausdruck Triebtheorie ist die Kurzbezeichnung für ein vom Psychoanalytiker Sigmund Freud entwickeltes Persönlichkeitsmodell. Der hohe Bekanntheitsgrad dieses Modells steht im Gegensatz zur heutigen wissenschaftlichen Relevanz und ist nur der Popularität Freuds zu verdanken.

Nach Freud sind Triebe Reize aus dem Körperinneren, die zu Aktivitäten anregen. Sie entstehen durch Stimulation erogener Zonen, wobei auch andere Reize denkbar sind. Die Triebproduktion, welche vom ES ausgeht, erfolgt stetig, ist nicht durch den Willen kontrollierbar und ist damit unausweichlich. Die Triebenergie nennt sich Libido.

Inhaltsverzeichnis

Triebarten

Triebe werden zum einen nach ihrer Entstehung (Primär -und Sekundärtriebe) und zum anderen nach ihren Funktionen (Lebens -und Todestrieb) unterschieden.

Phasen der psychosexuellen Entwicklung

Freud stellte die Behauptung auf, dass die menschliche Sexualität sich ab frühester Kindheit entwickle, und er teilte sie in entwicklungspsychologische Phasen ein:

In den 1930er Jahren wurden Freuds Gedankengänge von Konrad Lorenz, Nobelpreisträger von 1973, in modifizierter Form auf das Verhalten von Tieren übertragen.

Schlussfolgerungen

Nach Freud kann das Kind in der retentiven Phase in Konflikte geraten, je nachdem, wie von den Erziehern mit der Sauberkeitserziehung umgegangen wird. Ungelöste Probleme ließen daraus im späteren Erwachsenenleben einen so genannten "analen Charakter" werden, der durch Geiz, Pedanterie und übertriebenen Ordnungssinn gekennzeichnet sein soll.

Kritik am Freudschen Persönlichkeitsmodell aus moderner Sicht

Die Freudsche Triebtheorie wurde unter anderem von einer Gruppe von Psychoanalytikern kritisiert und revidiert, die später als Neo-Psychoanalytiker (Neopsychoanalyse) bezeichnet wurden. Zu ihnen gehörten Harald Schultz-Hencke, Karen Horney, Erich Fromm, Harry Stack Sullivan, Frieda Fromm-Reichmann, Clara Thompson u.a. Die Hauptrichtung der Kritik ging dahin, die Triebtheorie als mechanistisch-biologistisches Überbleibsel aus dem 19. Jahrhundert zu verdächtigen. Auch wurde das Menschenbild Freuds mit dessen Annahme des Todes- und Destruktionstriebes als kulturpessimistisch kritisiert. Die Neopsychoanalytiker wollten die Psychoanalyse als eine Theorie der menschlichen Beziehungen neu begründen. Strittig ist, ob sie damit wesentliche kritische Gehalte der Freudschen Psychoanalyse preisgegeben haben. In dem sog. Kulturismus-Streit wird dieser Frage von den Kontrahenten Erich Fromm und Herbert Marcuse nachgegangen.

Siehe auch

Sexualtrieb, Trieb, Instinkttheorie

See also: Triebtheorie, Erich Fromm, Es (Psychoanalyse), Geiz, Herbert Marcuse, Instinkttheorie, Karen Horney, Konrad Lorenz, Kulturpessimismus, Libido