Orangerie

Der Begriff Orangerie wird heute überwiegend zur Bezeichnung eines Gebäudes verwendet, das der Überwinterung von Zitrusbäumchen dient oder gedient hat.

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Die "eigentliche" Orangerie

280px|thumb|Orangerie von Schloss Versailles, die ihrer Grunddisposition nach als Karré aufgestellt ist, was der auf dem Bild nicht ganz erkennbaren architektonischen Rahmung entspricht. Ab dem 16. Jhdt. kamen an den europäischen Fürstenhöfen Sammlungen von Orangen- und anderen Zitrusbäumen in Mode. Ein solcher Baumbestand wurde sinnfällig Orangerie genannt, der Begriff galt also allein den Bäumen. Anfangs waren die Orangerien noch ortsgebunden, weil die Bäume im Boden wurzelten, mit der Einführung des Pflanzkübels jedoch wurden sie ortsveränderlich. Orangerien dienten sowohl Zier- und Repräsentationszwecken als auch der Befriedigung des steigenden Bedürfnisses der Fürstenhöfe nach exotischen und insbesondere Zitrusfrüchten. Der Zitrusbaum eigente sich hervoragend als Repräsentationsobjekt, weil sich mit ihm zum Einen mannigfache mythologische Verknüpfungen machen ließen und weil er zum Anderen weitgereist und daher sehr teuer war. Es entwickelten sich drei klassische Arten der Aufstellung der Orangerie: das Karree, bei dem die Zitrusbäumchen in Rechtecksform gestellt wurden, die Kreis- und die Teatroform. Bei der letzteren, der elaboriertesten wurden die Bäumchen im Halbkreis positioniert.

Das Orangeriegebäude

300px|thumb|Orangeriegebäude in Gera, Straßenseite mit als Triumphbogen formuliertem Durchgang, errichtet 1729-1732 und 1748/1749, Theatroform, jetzt städtische Kunstgallerie; die Orangierie wurde 1802 aufgegeben, die ursprüngliche formal-französische Anlage des "Küchengartens" ist nur noch ansatzweise erhalten und soll bis 2007 teilweise rekonstruiert werden. Vor allem die festverwurzelten Orangerien bedurften eines unmittelbar neben der Anpflanzung gelegenen Gebäudes, in dem die mit dem gesamten Wurzelstock ausgegrabenen Bäumchen überwintern konnten.Solche Orangeriegebäude wurden bald auch selbst als Orangerie bezeichnet und im heutigen Sprachgebrauch ist diese historisch falsche Wortverwendung fast die einzige. Obschon die späteren Kübelpflanzen ein unmittelbar neben dem Aufstellungsort gelegenes Überwinterungsgebäude nicht mehr brauchten und dieses sich deshalb zumeist auch in einiger Entfernung befand, wurden weiterhin Orangeriegebäude gebaut. Diese dienten nun vielfach nicht mehr gärtnerischen als viel mehr rein repräsentativen Zwecken und dem Vergnügen der fürstlichen Herrschaften. Solche Orangriegebäude konnten daher auch reine Prospektarchitektur sein, die den kunstvoll aufgestellten Zitrusbäumchen eine würdige Umrahmung gaben und in denen man Gemäldeausstellungen, Bankette und ähnliche Lustbarkeiten veranstaltete. Diesem Zwecke entsprechend sind die Orangeriegebäude oftmals als Rund (resp. zwei Halbrunde) oder Halbrund gebaut, sodass im von ihnen bezeichneten Hof die Orangerie aufgestellt werden konnte. Ein typisches Merkmal des Architekturtypus Orangeriegebäude ist, bedingt durch die Repäsentationsfunktion, die Verwendung fürstlicher Würdeformen wie etwa das Motiv des Triumphbogens (Ein anschauliches Beispiel dafür ist die Staßenseite des Mittelpavillons des Orangeriegebäudes in Gera.). Die Orangerie und damit das Orangeriegebäude konnten sowohl im Zusammenhang mit dem Ziergarten der gesamten Schlossanlage errichtet (so bei den meisten Schlossanlagen), als aber auch autonom aufgestellt werden (so etwa in Gera). Noch auf die ursprüngliche nutzgärtnerische Funktion der Orangerie hinweisend ist der architektonische Bezug zum Gemüsegarten des Schlosses, wie in Schloss Versailles.

Das Ende der Orangerien

Zunehmend wurden nicht nur Zitrusbäumchen, sondern auch andere exotische Pflanzen zum Zwecke der Repräsentation und der Zier gehalten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts (in Deutschland wohl etwas später) kam die Orangenzucht aus der Mode, und die Funktion der noch gärtnerisch genutzten Orangeriegebäude ging an die Palmenhäuser des 19. Jahrhundert über. Viele prospektive Orangeriegebäude verloren ihren Zweck vollends. Der Großteil der heute wiedererrichteten Orangerien ist kein aus dem 18. Jahrhundert fortgeführter Bestand, sondern denkmalschützerische Neuschöpfung, da der moderne Denkmalschutz der Orangerie als eigenem gartengestalterischem Typ zunehmend Aufmerksamkeit schenkt.

Orangerien im deutschsprachigen Raum

[[Bild:Potsdam_Orangerie.jpg|thumb|right|Orangerieschloss in Potsdam, dass in sofern eine Besonderheit darstellt, als es erst lange nach der eigentlichen Blütezeit der klassischen Orangerien errichtet wurde. Als Bauwerk des 19. Jahrhunderts stellt es somit einen Anachronismus dar.]]

See also: Orangerie, 16. Jahrhundert, 18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, Bad Homburg, Berlin, Blieskastel, Darmstadt, Denkmalschutz, Düsseldorf-Benrath