Borelsche σ-Algebra

Die Borelsche σ-Algebra, benannt nach Emile Borel, bildet in der Mathematik ein Scharnier zwischen Topologie und Maßtheorie.

Für einen gegebenen topologischen Raum Ω ist die Borelsche σ-Algebra definiert als die kleinste σ-Algebra, die die Topologie von Ω enthält.

Vokabelerklärung:

Eine Borelsche σ-Algebra ermöglicht es somit, einen topologischen Raum in kanonischer Weise mit der zusätzlichen Struktur eines Messraums auszustatten. Im Hinblick auf diese Struktur heißt der Raum dann auch Borel-Raum.

Ein besonders wichtiges Beispiel ist die Borelsche σ-Algebra auf der Menge R der reellen Zahlen. Die kanonische Topologie des R wird von den offenen Intervallen (a,b) aufgespannt. Die Borelsche σ-Algebra des R enthält (aufgrund der Abgeschlossenheit einer σ-Algebra bezüglich der Komplementbildung) außer den offenen auch die geschlossenen Intervalle.

Die Borelsche σ-Algebra des R enthält nicht alle Teilmengen des R. Das zeigt man, indem man den R mittels des Auswahlaxioms in bestimmte überabzählbar viele Teilmengen (Vitali-Mengen) zerlegt; diese lassen sich nicht durch abzählbare Vereinigung, Schnittmengenbildung und Komplementbildung aus den offenen Intervallen des R erzeugen. Siehe dazu Vitali-Menge, Hausdorff-Paradoxon, Banach-Tarski-Paradoxon.

Genau genommen lässt sich sogar zeigen, dass die Borelsche σ-Algebra gleichmächtig zur Menge der reellen Zahlen ist und somit echt kleiner als die Potenzmenge von R.

Die Borelsche σ-Algebra des R liegt dem Borel-Maß zugrunde.

See also: Borelsche σ-Algebra, Auswahlaxiom, Banach-Tarski-Paradoxon, Borel-Maß, Borel-Raum, Emile Borel, Intervall (Mathematik), Mathematik, Maßtheorie, Mächtigkeit