Orientalischer Tanz

Orientalischer Tanz, im Volksmund auch bekannt als Bauchtanz, ist ein meist von Frauen in speziellen Kostümen zu orientalischer Musik ausgeführter Tanz.

In der arabischen Welt wird der Tanz "Raqs Sharqi" (رقص شرقي) genannt. Aufgrund der wörtlichen Übersetzung "Tanz des Ostens", ist die deutsche Bezeichnung "Orientalischer Tanz" korrekt. Der Begriff "Bauchtanz" geht auf Émile Zola zurück, der im Jahre 1880 nach einer Orientreise den Tanz als "Danse du ventre" (franz. "Tanz des Bauches") zum ersten Mal in Europa beschrieb.

Die typischen Bewegungen, das Kostüm und die Tatsache, dass manche Tänzerinnen den Bauchtanz auf anzügliche Weise vorführen, tragen dazu bei, dass Bauchtanz häufig als dem Striptease verwandte Form des erotischen Tanzes wahrgenommen wird. Die beiden Tanzformen sind jedoch prinzipiell nicht miteinander verwandt.

Inhaltsverzeichnis

Wesentliche Bestandteile

Der Bauch spielt beim Bauchtanz eher eine untergeordnete Rolle. Die Bewegungen kommen hauptsächlich aus der Hüfte und der Brust (nicht mit den Schultern zu verwechseln!!). Auch die Arme sind sehr wichtig. Dazu kommen typische Hand- und Kopfbewegungen. Es gibt weiche, schlangenhafte Bewegungen, die zur Melodie getanzt werden und härtere, rhytmische Bewegungen. Neben dem typischen Bauchtanzkostüm werden feine Schleier, Schwerter, Kerzen und ähnliches nicht selten als weitere Elemente eingesetzt. Tänze mit solchen Elementen werden zum Teil als "Fantasy" bezeichnet, da viele aus Amerika stammen und nur entfernt mit den ursprünglichen Tänzen des Orients verwandt sind. Bauchtanz wird meist als typisch weiblicher Tanz wahrgenommen, der die Gefühlswelt und Kraft von Frauen zum Ausdruck bringt. Vor allem in Ägypten sind auch Frauen über 40 sehr populäre Bauchtänzerinnen, etwa Zuhair Zaki, Fifi Abdou, Lucy und Dina.

Shimmy

Als Shimmy wird rhytmisches, isoliertes Zittern der Hüften oder anderer Körperteile bezeichnet. Beim Shimmy werden die oft auf dem Bauchtanzkostüm an den Hüften angebrachten Verzierungen aus Metall zum klimpern gebracht.

Das Bauchtanzkostüm

thumb|paillettenbesticktes Hüfttuch über hellgrüner Pluderhose Das typische Kostüm besteht aus einem paillettenbesetzten, BH-artigen Oberteil, einem ebenfalls pailettenbesetzten Gürtel (zusammen mit dem Oberteil als Bedleh bezeichnet)und einem langen weiten Rock. Diese Kostüme haben sich mit der Zeit modisch bedingt stark verändert. Heute gibt es neben dem wie oben beschriebenen Kostüm auch Kleider und Kostüme mit engen Röcken oder sogar mit Hosen.

Geschichte

Die Wurzeln des Bauchtanzes liegen vermutlich in den traditionellen Tänzen des Orients. Das typische Bauchtanzkostüm entstand in den 1920er Jahren in den Kabaretts in Algier, Beirut und Kairo. Hauptsächlich in den Kabaretts von Kairo wurde der arabische Bauchtanz in seiner heutigen Form entwickelt und als Unterhaltungstanz aufgeführt. Heute hat er in Ägypten und generell in der arabischen Welt den Status einer Kunstform. Vor allem in der Türkei haben Bauchtänzerinnen keinen hohen Status und werden oft für Prostituierte gehalten.

Darstellungen und Beschreibungen bauchtanzender Frauen aus der ganzen Welt sind seit vielen Jahrhunderten bekannt. Es ist anzunehmen, dass der Bauchtanz auf alte Fruchtbarkeits- und Gebärtänze von z.B. Initiationsriten zurückgeht. Möglicherweise diente er auch der Geburtsvorbereitung, da er u.a. die Bauch-, Hüft- und Beinmuskulatur trainiert.

Bauchtanz außerhalb der arabischen Welt

Der Bauchtanz, wie er heute in der westlichen Welt bekannt ist, stellt eine Sonderform des orientalischen Tanzes dar. Bauchtanz gibt es aber nicht nur in der arabischen Welt. Dieser Tanz ist auch in der Türkei, in Griechenland und generell im Balkanraum verbreitet. In der Türkei wird er aufgeführt und auch als Gesellschaftstanz getanzt. In Griechenland und auf dem Balkan wird er in erster Linie als Gesellschaftstanz getanzt und eher selten vorgeführt. Der türkische Bauchtanz heißt Göbek Dans oder Chifteteli, der griechische Tsifteteli. Diese beiden Formen kennen weniger Bewegungen als der arabische Bauchtanz, und auch die Musik dazu ist rhythmisch meistens gleichförmig, im Gegensatz zur arabischen Bauchtanzmusik, die in einem einzigen Stück eine große Vielfalt von Rhythmen aufweist.

Organisation

Seit 1994 gibt es den Bundesverband für orientalischen Tanz, der sich die Pflege und Förderung des Orientalischen Tanzes in Deutschland zum Ziel gesetzt hat.

Siehe auch

Portal Tanz

Weblinks

See also: Orientalischer Tanz, 1880, 1920er, 1994, Algier, Arabische Welt, BH, Balkan, Beirut, Erotik