Deixis
Zur Deixis (Pl. Deixeis) gehören in der Sprachwissenschaft diejenigen Ausdrucksmittel, mit denen ein Sprecher den Hörer in einem Verweisraum (Situation, Vorstellung, Text, Diskurs) orientiert. Basis ist die Hier-Jetzt-Ich-Origo (lat. hic-nunc-ego-Origo), wie sie Karl Bühler beschrieben hat. Das ist der Nullpunkt des Koordinatensystems, von dem aus gezeigt wird.
Arten von Deixis
- Personaldeixis (ich, du): Um zu wissen, auf wen/was diese Deixis zeigt, muss man wissen, wer der Sprecher bzw. Hörer ist, also die Gesprächssituation kennen.
- Objektdeixis (dieser, jener): Ein Demonstrativpronomen verweist auf Näheres (Proximal) oder Ferneres (Distal) mit Bezug auf den Sprecher oder Hörer (Medial).
- Lokale Deixis (hier, dort): Lokaladverbien können auch mit Bezug auf den Sprecher bzw. Hörer auf Näheres und Ferneres verweisen.
- Temporale Deixis (jetzt, dann): Ein Bezug zum Äußerungszeitpunkt wird hergestellt. Hierher gehören auch die Tempusformen.
- Textdeixis bzw. Diskursdeixis bezieht sich auf vorangehende/folgende Elemente eines Textes: In vielen Sprachen können hierfür auch Demonstrativpronomina verwendet werden (Was ich sagen will, ist dies/Folgendes:...).
Manche Autoren sprechen von einer sozialen Deixis, die sich auf den sozialen Status der Kommunikatoren beziehen lasse (Sie, Du).
Stufen lokaler Deixis
In Anlehnung an die Person des Sprechers (1. Person) und des Hörers (2. Person) können die folgenden Stufen lokaler Deixis unterschieden werden:
- Nahdeixis, Proximal, Deixis der ersten Person: Es wird auf den Sprecher (ich), auf den Raum in der Nähe des Sprechers (hier) oder einen Gegenstand bzw. eine Person aus diesem Raum verwiesen (dies),
- Medial, Deixis der zweiten Person: Es wird auf den Hörer (du), den Raum in der Nähe des Hörers (spanisch: ahí) oder einen Gegenstand bzw. eine Person aus diesem Raum verwiesen (spanisch: eso, Italienisch: codesto); im Deutschen gibt es keine besonderen Ausdrucksmittel für die mediale lokale Deixis,
- Ferndeixis, Distal, Deixis der dritten Person: Es wird auf eine Person (die so genannte 3. Person), die weder Sprecher noch Hörer ist, auf einen Raum, der von Sprecher und Hörer entfernt ist (dort), oder auf einen Gegenstand bzw. eine Person aus diesem Raum (jener).
- Für manche Indianersprachen wird noch eine weitere (seltene) Stufe angenommen für einen Raum der sehr weit von Sprecher und Hörer entfernt ist (Obvial).
In den meisten Sprachen besteht mindestens eine Unterscheidung von Nah- und Ferndeixis. Verfügt eine Sprache bei der lokalen Deixis über mediale Ausdrucksmittel, verfügt sie auch über eine Unterscheidung von Distal und Proximal.
Literatur
- K. Ehlich (1979) Verwendungen der Deixis beim sprachlichen Handeln. Linguistisch-philologische Untersuchungen zum hebräischen deiktischen System. Frankfurt: Peter Lang
- S. C. Levinson (2000) Pragmatik. Tübingen: Max Niemeyer Verlag
- G. Zifonun/L. Hoffmann/B. Strecker et al. (1997), Grammatik der deutschen Sprache, Berlin/New York: de Gruyter
