Orthosprache
Orthosprache ist eine von Grund auf methodisch aufgebaute Wissenschaftssprache.
Das Projekt, eine solche Sprache aufzubauen, in der die Verwendung der Worte normiert wird, stammt von Paul Lorenzen im Rahmen der Konstruktiven Wissenschaftstheorie der Erlanger Schule. Es ist der Versuch ein "zirkel- und schwindelfreies" Begriffssystem zu erstellen, um dem Sprachwirrwarr entgegenzuwirken.
Ein Schwerpunkt (nach der Logischen Propädeutik) der Durchführung dieses Programms liegt in der modallogischen Präzisierung des Wortes "kann". Man unterscheidet
- Möglichkeit gemäß physikalischer Verlaufshypothesen ("Naturgesetze")
- Erreichbarkeit als menschliches Vermögen
- potentielle (biologisch-medizinische) Veränderungen (etwa Wachstum)
- "darf" (ethisch-politisches unverboten)
- usw.
Dazu lassen sich auch die entsprechenden "muss"-Modalitäten bilden. Interessant sind hierbei Verknüpfungen. Beispiel: ultra posse nemo obligatur (lat.: Über das Können (kann 2) hinaus wird niemand verpflichtet (muss 4).
Wir bilden Zwecke unseres Handelns. Technische und politische Probleme treten auf, wenn Zwecke oder Mittel unverträglich sind. Auch solche Unverträglichkeit läßt sich modallogisch präzisieren. Lorenzen bestimmt das politische Ziel des Friedens als Arbeiten an zu einander verträglichen Lebensformen (oberste Zwecke).
Literatur
- Lorenzen, P; Schwemmer, O: Konstruktive Logik, Ethik und Wissenschaftstheorie, Mannheim/Zürich/Wien 1973 1975²
- Lorenzen, P: Mephistophelische Logik, 2 Seiten Artikel in: Der Reiz der Wörter. Reclam Anthologie, Stuttgart 1978
- Lorenzen, P: Grundbegriffe technischer und politischer Kultur, Frankfurt 1985
- Lorenzen, P: Lehrbuch der konstruktiven Wissenschaftstheorie, Zürich 1987, Stuttgart 2000 ISBN 3-476-01784-2
