Osttimor

República Democrática de Timor-Leste
Republika Demokratika Timor Lorosa'e
150px|Flagge von Timor-Leste 150x|Wappen Timor-Lestes
(Details) (Details)

Wahlspruch: "Honra, Pátria e Povo"
portugiesisch, "Ehre, Heimat und Volk"

Lage von Timor-Leste
Amtssprache Tetum und Portugiesisch
Hauptstadt Dili
Staatsform Republik
Präsident Xanana Gusmão
Premierminister Mari Alkatiri
Fläche 15.007 km²
Bevölkerung 1.019.252 (Stand Juli 2004 nach CIA World Factbook)
Bevölkerungsdichte 63 Einwohner pro km²
Unabhängigkeitserklärung 28. November 1975
Anerkennung 20. Mai 2002
Währung US-Dollar
Zeitzone UTC+9
Nationalhymne Pátria
Kfz-Kennzeichen TL
Internet-TLD .tl
Vorwahl +670
none|Landkarte von Timor-Leste

Osttimor, offiziell Demokratische Republik Timor-Leste, ist ein Inselstaat in Südostasien und besteht aus der Osthälfte Timors, den Inseln Atauro und Jaco sowie der Exklave Oecussi-Ambeno. Der offizielle Name ist Timor-Leste, portugiesisch für Osttimor. In der amtlichen Tetum-Sprache heißt Osttimor auch Timor Lorosae.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Seit dem 14. Jahrhundert gehörte Timor zu dem hinduistisch geprägten altindonesischen Majapahit-Königreich. 1586 werden große Teile Timors zu einer portugiesischen Kolonie (Portugiesisch-Timor). Der westliche Teil der Insel Timor wurde ab dem 17. Jahrhundert der niederländischen Kolonie Niederländisch Ostindien zugesprochen und gehört seit der Unabhängigkeit 1946 zu Indonesien.

Die katholische Kirche verfügte durch ein Konkordat von 1940 über ein Erziehungsmonopol. Im Zweiten Weltkrieg wird Timor von den Japanern besetzt. Im Kampf gegen die dort stationierten australischen und niederländischen Soldaten verlieren bis zu 60.000 Menschen ihr Leben. 1951 wird Osttimor der Status eines portugiesischen Überseegebietes zugesprochen. 1972 wird es zur autonomen Region der Republik Portugal, somit erhalten die Einwohner eine gewissermaßen eingeschränkte portugiesische Staatsbürgerschaft.

Die Nelkenrevolution im April 1974 beendete die Militärdiktatur in Portugal und ermöglichte die Dekolonialisierung von Osttimor. Nach zweiwöchigen gewalttätigen Auseinandersetzungen im August 1974 zwischen der Fretilin, welche die Unabhängigkeit Osttimors forderte und der UDT, die weiterhin eine Bindung zu Portugal anstrebte, konnte sich die besser ausgerüstete Fretilin durchsetzen. Am 28. November 1975 wurde die Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Osttimor ausgerufen.

Diese war jedoch nur von kurzer Dauer. Wenige Tage später begann die indonesische Regierung mit Billigung der USA mit der Invasion der Osttimors. Dabei kam es zu Massenmorden und Vergewaltigungen, wodurch bis Ende Februar 1976 60.000 Timoresen ums Leben kamen. Die indonesische Regierung gab am 13. August 1976 in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens die sofortige Annexion der portugiesischen Überseeprovinz Osttimor bekannt. Dieses widerrechtliche Unterfangen wurde von der UN nie anerkannt. Die UN-Resolution 384 forderte ausdrücklich den Abzug der indonesischen Truppen aus diesem Gebiet der Insel. Mitte Dezember 1976 wurde eine provisorische Marionettenregierung eingesetzt.

Der Kampf um die Unabhängigkeit

Verschiedene timoresische Gruppierungen kämpften gegen die indonesischen Besatzer und für ein freies Osttimor. Bei den Auseinandersetzungen kam es zu massiven Menschenrechtsverletzungen und Gräueltaten durch das indonesische Militär. Die UN-Generalversammlung verabschiedete immer wieder Resolutionen, die die unrechmässige Besetzung verurteilte. Doch der Osttimor-Konflikt bekam weniger Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft.

Nach dem Santa-Cruz-Massaker am 12. November 1991 in der Hauptstadt Dili änderte sich dies. Bei einer Beerdigung gab es zahlreiche Tote durch indonesiche Militärs. Journalisten konnten das Geschehen aufzeichnen und an die internationale Öffentlichkeit bringen, die es mit großer Empörung zur Kenntniss nahm.

1996 erhielten die Friedens- und Unabhängigkeitsaktivisten Bischof Carlos Felipe Ximenes Belo und José Ramos-Horta den Friedensnobelpreis, was der Bevölkerung Mut gab weiter für ihre Freiheit einzustehen. Mit dem Beginn der Asienkrise ein Jahr später und den damit verbundenen Problemen für die Stabilität Indonesiens änderten sich langsam die Umstände. Die Amerikaner versagten der Regierung in Jakarta die Unterstützung und Australien drängte zu mehr Zugeständnissen.

Im Mai 1998 trat der langjährige Machthaber Suharto ab und sein Nachfolger Bacharuddin Jusuf Habibie erklärte sich Ende des Jahres nach internationalen Druck dazu bereit ein Referendum über die Unabhängigkeit durchführen zu lassen. Die Volksabstimmung vom 30. August 1999 brachte eine klare Mehrheit (78.5%), bei einer Beteiligung über 98%, gegen die Autonomie und für die Unabhängigkeit Osttimors.

Direkt danach eskalierte die Gewalt unter Beobachtung Angehörgier der UN-Wahlkommission UNAMET gegen die Osttimoresen durch die proindonesischen Milizen und die Indonesische Armee selbst. Am 9. September wurden Kredite des IWF und der Weltbank auf Eis gelegt. Drei Tage später stimmte Habibie einer internatinalen Eingreiftruppe zu. Am 15. September wurde mit der UN-Resolution 1264 die 7500 Mann starke Friedenstruppe INTERFET legitimiert, die Ordnung wieder herzustellen.

Am 20. September 1999 landeten die ersten australischen Einheiten auf dem Flughafen Dili und kontrollierten nach kleineren Zusammenstössen mit den pro-indonesichen Milizen die Region. Viele Bevölkerungsangehörige, aber auch viele Mitglieder der Miliz flohen in die Berge oder den Westteil der Insel. Die Exklave Oecussi wurde im Oktober befreit. Über tausend Zivilisten verloren durch abrückende Milizen ihr Leben, viele Häuser wurden abgefackelt und die Infrastruktur größtenteils zerstört.

Ende Oktober erklärte Indonesien die Besetzung für ungültig und mit dem UN-Beschluss 1272 wurde die UN-Übergangsverwaltung UNTAET bemächtigt ab Feburar 2000 den Wiederaufbau des Landes zu organisieren und INTERFET abzulösen. Auf einer Konferenz 17. Dezember 1999 im japanischen Tokio wurden Finanzhilfen in Höhe von über 500 Millionen Dollar zugesagt.

Am 30. August 2001 wurden Wahlen für eine verfassungsgebende Versammlung abgehalten, die ihre Aufgabe im Februar 2002 beendete. Mit der Resolution 1410 vom 17. Mai 2002 wurde drei Tage vor der formalen Unabhängigkeit ein dreijähriges Mandat für die Nachfolge der UNTAET-Mission beschlossen. Seit dem Jahre 2002 überwacht die UNMISET-Friedensmission den Demokratieprozess.

Offiziell wurde Osttimor am 20. Mai 2002 unabhängig und der frühere Rebellenführer Xanana Gusmão zum Präsident gewählt. Am 27. September 2002 wurde Osttimor Mitglied der UN.

Politik

Der Präsident von Timor-Leste wird alle fünf Jahre gewählt und hat eher symbolische Befugnisse, er besitzt aber ein Vetorecht bei der Gesetzgebung. Nach den Parlamentswahlen bestimmt der Präsident einen Premierminister, der die Mehrheit einer Partei oder Koalition hat. Als Kopf der Regierung sitzt er dem Kabinett vor.

Das Parlament (Parlamento Nacional) umfasst mehrere Kammern. Seine Mitglieder werden alle fünf Jahre in freien Wahlen bestimmt. Die Anzahl der Sitze kann zwischen 52 und 64 variieren. Während der laufenden (2005) Wahlperiode wurden ausnahmsweise 88 Sitze vergeben, weil es die erste Regierungszeit überhaupt ist. Die Verfassung wurde nach portugiesischem Vorbild entwickelt.

Provinzen

Administrativer Distrikt HASC Einwohner Fläche in km² Hauptstadt
Aileu TP.AL 32.500 729 Aileu
Ainaro TP.AN 44.100 797 Ainaro
Baucau TP.BC 97.600 1.494 Baucau
Bobonaro TP.BB 90.700 1.368 Maliana
Cova Lima TP.CL 63.900 1.226 Suai
Dili TP.DL 179.600 372 Dili
Ermera TP.ER 89.500 746 Ermera
Lautem TP.BT 52.100 1.702 Los Palos
Liquiça TP.LQ 54.800 543 Liquiça
Manatuto TP.MT 34.900 1.706 Manatuto
Manufahi TP.MF 37.200 1.325 Same
Oecussi-Ambeno TP.AM 50.500 815 Pante Makassar
Viqueque TP.VQ 59.600 1.781 Vikeke

Geographie

Die Insel gehört zum östlichen Teil des indonesischen Archipels und zu den Kleinen Sunda-Inseln. Im Nordwesten der bergigen Insel befindet die Sawusee, nördlich die Bandasee und südlich dehnt sich die Timorsee 500 Kilometer bis nach Australien aus. Die höchste Erhebung Osttimors ist der Mount Tatamailau mit 2,963 Metern.

Das lokale Klima ist tropisch, im Allgemeinen heiß und schwül und wird von einer ausgeprägten Regen- bzw. Trockenzeit charakterisiert.

Die größte Stadt ist die Hauptstadt Dili, die zweitgrößte das östlich davon gelegene Baucau.

Wirtschaft

Vor und während der Kolonialzeit war Timor für sein Sandelholz bekannt.

Bis Ende 1999 wurden ungefähr 70% der ökonomischen Infrastruktur durch proindonesiche Milizen und Militärs verwüstet und über 260.000 Menschen waren gezwungen, nach Westen zu fliehen. Während der folgenden 3 Jahre wurde das Gebiet mit einem massiven internationalen Hilfsprogramm unter Führung der UN wieder aufgebaut. Das Programm umfasste Zivile Beobachter, eine 5000 Mann starke Friedenstruppe und 1300 Polizisten. Bis Mitte 2002 sind fast alle der 50.000 Flüchtlinge wieder zurückgekehrt. Das Land steht noch immer vor der großen Herausforderung des Aufbaus der Infrastruktur und der Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung.

Ein vielversprechendes Projekt könnte die Nutzung von Erdgas und Erdöl sein. In der indonesischen Besatzungszeit wurde ein Ölfeld in der Timorsee zwischen Timor und Australien entdeckt und am 11. Dezember 1989 ein Vertrag zwischen den Regierungen Indonesiens und Australiens geschlossen. Aber erst im Mai 2004 hat die australische Regierung die Gültigkeit des Vertrages in einer Form bestätigt, die die Seegrenze und damit auch die Rohstoffe zu Gunsten Australiens verschoben hat. [[1]]

Eine Fährgesellschaft hat inzwischen mit deutscher finanzieller Unterstützung eine ständige Verbindung zu der Enklave Oecussi hergestellt und ein Mobilfunkunternehmen hat ein GSM Netz aufgebaut.

Bevölkerung

Fast alle Einwohner Osttimors sind katholischen Glaubens (97 Prozent). Es gibt Minderheiten von Protestanten, Muslimen und Buddhisten.

Kultur

siehe: Francisco Borja da Costa, Freiheitskämpfer und Dichter der Nationalhymne

Etymologie

Das Wort Timor kommt aus dem Malaiischen und bedeutet "Osten". Leste ist portugiesisch und heißt ebenfalls "Osten". In der amtlichen Tetum Sprache ist Timor-Leste auch als Timor Lorosae, im Deutschen allgemein als Osttimor bekannt. Der offizielle Name des Staates ist Timor-Leste. In Indonesien wird die Insel auch Timor Timur genannt, der Name wird gewöhnlich mit Tim-Tim abgekürzt.

Weblinks


Siehe auch: Portal Osttimor

Literatur

See also: Osttimor, 11. Dezember, 12. November, 13. August, 14. Jahrhundert, 15. September, 1586, 17. Dezember