Osternacht

Die Osternacht, die Nacht zwischen Karsamstag und Ostersonntag, ist im liturgischen Jahr der katholischen und orthodoxen Kirchen die "Nacht der Nächte": die Nacht der Auferstehung Jesu Christi von den Toten und damit die Nacht des Durchgangs aus dem Tod ins Leben. Heute wird sie zunehmend auch in evangelischen Gemeinden gefeiert.

In der katholischen Kirche wird die Osternacht mit einer feierlichen Liturgie begangen, die diesen Durchgang symbolisch nachvollzieht. Die Osternacht ist der Höhepunkt der Dreitagefeier von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn, dem Österlichen Triduum. Diese einzige Feier beginnt am Gründonnerstag mit der Messe vom Letzten Abendmahl, setzt sich fort in der Karfreitagsliturgie und findet ihren Höhepunkt in der Auferstehungsfeier der Osternacht. Diese Vigil-Feier von Ostern umfasst nach heutiger Ordnung vier Teile:

Die eröffnende Lichtfeier beginnt außerhalb der Kirche beim Osterfeuer, an dem die Osterkerze angezündet wird. Hinter der brennenden Osterkerze ziehen die Gläubigen in feierlicher Prozession mit dreimaligem Ruf "Lumen Christi" ("Christus, das Licht") in die noch dunkle Kirche ein. Dort zünden sie ihre eigenen Kerzen an der Osterkerze an. Der Gesang des Exsultet, einem lobpreisenden Gebet über die Osterkerze, ist der Höhepunkt der Lichtfeier.

Im Wortgottesdienst hören die Teilnehmer zunächst bis zu sieben Lesungen aus dem Alten Testament. Deren wichtigste ist der Bericht vom Exodus, dem Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer aus der Sklaverei Ägyptens in die Freiheit. Nach der letzten alttestamentlichen Lesung wird unter Glockengeläut das Gloria feierlich angestimmt; es ist das erste Mal seit dem Gloria am Gründonnerstag, dass die Glocken läuten. Es folgt die Epistel, eine Lesung aus dem Römerbrief; dann ertönt zum ersten Mal wieder seit demAschermittwoch das Halleluja. Nun folgt, mit Weihrauch verehrt, die Verkündigung des Evangelium von der Auferstehung des Herrn und die Auslegung in der Homilie.

Daran schließ sich unmittelbar die Tauffeier an, die mit der Allerheiligenlitanei eröffnet wird. Danach wird das Taufwasser bzw. Osterwasser gesegnet. Soweit Bewerber vorhanden sind, die sich in den Wochen der Fastenzeit bzw. Österlichen Bußzeit vorbereitet haben, bekennen diese (bei Kleinkindern Eltern und Paten) ihren Glauben und werden durch Untertauchen oder Übergießen getauft. Wenn die Neugetauften keine Kleinkinder sind, folgt sofort die Firmung. In die Taufliturgie werden alle Gläubigen einbezogen; sie erneuern mit brennenden Kerzen (vgl. Taufkerze) in ihren Händen das Taufbekenntnis und werden mit dem gesegneten Wasser besprengt. Nach der Feier ist es üblich, die Weihwasserbecken an den Kircheneingängen mit dem Taufwasser zu füllen. Auch die Gläubigen können etwas von dem Taufwasser/Osterwasser für den Gebrauch zu Hause und auf dem Friedhof mitnehmen.

Den Höhepunkt der Osternachtsliturgie bildet die Eucharistiefeier, die mit der Gabenbereitung eingeleitet wird.

Die Segnung der Osterspeisen und der ganzen Gemeinde beschließt diesen feierlichen und frohen Gottesdienst. Vielerorts schließt sich an die Liturgie ein gemeinsames Ostermahl oder ein Frühstück an, in dem die alte Tradition der Agape weiterlebt.

Die Osternachtfeier in den evangelischen Kirchen ist – bei vielen Varianten im Detail – meist ähnlich strukturiert. Die orthodoxen Kirchen orientieren sich stärker an der Feier der Tagzeitenliturgie (Stundengebet); dadurch dehnt sich die Osternachtfeier auf fünf bis sechs Stunden aus.

Siehe auch: Ostern

Weblinks

See also: Osternacht, Agape, Altes Testament, Aschermittwoch, Epistel, Eucharistie, Evangelisch, Evangelium (Liturgie), Exodus, Exsultet