Österreichische Literatur
Von einer österreichischen Literatur lässt sich ab dem Zeitpunkt sprechen, als der Habsburger Kaiser Franz II. 1803 die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation beschloss und als Franz I. von Österreich erster Kaiser der späteren Donaumonarchie wurde. Trotz einiger Vorgänger (z.B. dem Librettisten von Mozarts "Zauberflöte", Schikaneder) sind die ersten großen Vertreter einer spezifisch österreichischen Literatur innerhalb des deutschen Sprachraumes AutorInnen des 19. Jahrhunderts, v.a. Franz Grillparzer, Johann Nestroy, Adalbert Stifter, Marie von Ebner-Eschenbach, Ludwig Anzengruber und Ferdinand von Saar.
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Erste Blüte
Eine erste Blüte erlebte die österreichische Literatur im Fin de siècle und in den Jahrzehnten vor und nach dem ersten Weltkrieg:
- Hugo von Hofmannsthal (1874-1929),
- Arthur Schnitzler (1862-1931),
- Joseph Roth (1894-1939),
- Karl Kraus (1874-1936),
- Gustav Meyrink (1868-1932),
- Georg Trakl (1887-1914),
- Rainer Maria Rilke (1875-1926),
- Robert Musil (1880-1942),
- Hermann Broch (1886-1951),
- Stefan Zweig (1881-1942),
- Ödön von Horváth (1901-1938) und - mit Vorbehalt -
- auch Franz Kafka (1883-1924) sind hier zu nennen.
Nach dem zweiten Weltkrieg bemühten sich insbesondere die Wiener Gruppe um Gerhard Rühm (* 1930) und H.C. Artmann (1921-2000) sowie Autoren wie Albert Paris Gütersloh (1887-1973) und Heimito von Doderer (1896-1966) um Anknüpfpunkte an die durch den Austrofaschismus und die Nazi-Zeit verschüttete moderne Tradition. Der Lyriker Paul Celan (1920-1970) lebte Ende der 1940er Jahre ein Jahr lang in Wien, ging dann aber nach Paris.
Zweite Blüte
Eine zweite Blüte erlebte die österreichische Literatur in den 1960er und 1970er Jahren, als mit Autoren wie Andreas Okopenko (* 1930), Peter Handke (* 1942), Ingeborg Bachmann (1926-1973) und Thomas Bernhard (1931-1989) die Literaturlandschaft und das sprachliche Selbstverständnis nachhaltig verändert wurde. In dieser Tradition arbeiten auch bedeutende zeitgenössische AutorInnen wie z.B.
- Norbert Gstrein (* 1961),
- Elfriede Jelinek (* 1946),
- Peter Turrini (* 1944),
- O. P. Zier (* 1954),
- Sabine Gruber (* 1963),
- Josef Haslinger (* 1955) und
- Ruth Aspöck (* 1947).
Natürlich haben Autoren wie Ernst Jandl (1925-2000) und Friederike Mayröcker (* 1924) das literarische Verständnis nachhaltig geprägt. Ernst Jandl war auch Mitbegründer der Grazer Autorenversammlung, einem der größten österreichischen Literaturverbände. Diesem gilt die deutsche Sprache übrigens nicht als konstituierendes Merkmal der österreichischen Literatur, womit unter anderem einer Einbindung von so genannten sprachlichen Minderheiten der Weg in die Literatur erleichtert werden sollte.
Zeitgenössische Literatur
Auch die Tradition der Wiener Gruppe wird weiterhin fortgeschrieben, der oft diskutierte, vielfach auch abgelehnte Begriff Experimentelle Literatur hat hierbei große Bedeutung. Unter experimenteller Literatur werden Werke verstanden, die den Materialcharakter der Sprache betonen, das Verhältnis von Form und Inhalt reflektieren oder auch sich einer freiwilligen Beschränkung im Sinne von Oulipo unterziehen. Eine weitere Entwicklung bilden jene AutorInnen, die sich mit den Begriffen Dekonstruktivismus, Dekonstruktion, Postmoderne fassen lassen. Die zeitgenössische österreichische Literatur repräsentieren:
- Franz-Josef Czernin (Arbeit an Sonetten),
- Brigitta Falkner (s. Anagramm, s. Palindrom),
- Franzobel (* 1967),
- Marianne Fritz,
- Thomas Glavinic (* 1972),
- Wolf Haas (* 1960),
- Daniel Kehlmann (* 1975),
- Ferdinand Schmatz (* 1953),
- Werner Schwab (1958-1994)
- Gerhard Anna Concic-Kaucic (*1959), (s. Dekonstruktion)
- Josef Schweikhardt (*1949), (s. Dekonstruktion)
Weiteres
Auszeichnungen österreichischer Autoren
- Im Jahr 2004 erhielt Elfriede Jelinek den Nobelpreis für Literatur für den musikalischen Fluß von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen.
Weitere österreichische Autoren
- Rudolf Hans Bartsch (1873-1952)
- Dimitré Dinev (gebürtiger Bulgare)
- Milo Dor
- Gertrud Fussenegger (* 1912)
- Karl-Markus Gauß (* 1954)
- Michael Guttenbrunner (1919-2004)
- Lorenz Leopold Haschka (1749-1827)
- Marlen Haushofer (1920-1970)
- Robert Menasse (* 1954)
- Doron Rabinovici
- Christoph Ransmayr (* 1954)
- Robert Schneider (* 1961)
- Franz Schuh
- Julian Schutting (* 1937)
- Karl Heinrich Waggerl (1897-1973)
- Franz Werfel (1890-1945)
- Stefan Zweig (1881-1942)
Dachverband für die österreichischen Literaturverbände ist die Interessensgemeinschaft österreichische Autorinnen Autoren.
Siehe auch: Portal deutsche Literatur, Austrian Literature Online
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