Ostfälisch

385px|thumb|Das Ostfälische (7) innerhalb des niederdeutschen Sprachraumes

Ostfälisch ist ein Großdialekt der Niedersächsischen Sprache (Plattdeutsch), der in Niedersachsen ungefähr südöstlich einer Linie Uelzen - Celle - Hannover - Stadthagen - Bückeburg (einschließlich dieser Städte), also in der südlichen Lüneburger Heide und im Raum Hannover, Hildesheim, Braunschweig und Göttingen gesprochen wird (bzw. wurde), dazu in der Magdeburger Börde und im nordöstlichen bzw. nördlichen Harz / Harzvorland in Sachsen-Anhalt, somit in einem Großteil des historischen Ostfalen.

Im Gegensatz zum Nordniedersächsischen, das im Radio und Fernsehen noch häufiger vorkommt und das noch größere zusammenhängende Sprachinseln besitzt, wird Ostfälisch nur noch von wenigen, meist älteren Menschen gesprochen, hauptsächlich im häuslichen Bereich und in Mundartgruppen.

Der Ostfale sagt "mik" und "dik", der Nordniedersachse "mi" und "di" (jeweils für hochdeutsch mir und mich bzw. dir und dich). Im Braunschweiger Land und anderen Regionen werden außerdem st und sp nicht wie scht und schp gesprochen. Dort "s-tolpern de Lüe ower 'n s-piss'n S-tein", jenseits der Grenze zum Halberstädtischen und Richtung Magdeburg "schtolpern de Lüe ower 'n schpitzen Schtein". Es gibt im Ostfälischen so schöne Wörter wie "drieschakeln" (triezen, ärgern) oder "täuwen/täuw'n" (warten).

Die ostfälische Sprache ist für meisten Menschen aus anderen (Bundes-)Ländern schwer zu verstehen, da sie zum einen durch viele ungewöhnliche Wörter gekennzeichnet ist, diese für jede Region (s.u.) unterschiedlich sind und die Aussprache sich zum Teil von Dorf zu Dorf verändert. So gibt es für die Vokabel "aber" mindestens drei Varianten im Ostfälischen: "aver", "åver" und "obber". Aufgrund dieser Verschiedenheit lässt sich der Dialekt auch nicht einfach verschriftlichen.

Inhaltsverzeichnis

Regionale Varianten

Sprachliche Kennzeichen

Die erwähnten Personalpronomina mik und dik (gegenüber nordniedersächsisch mi und di) sind nur Beispiele, da dieser Unterschied auch für die Formen őn(ë), üsch und jük gilt (nordnieders. em, u[n]s, jo [ju], hochdt. ihm/ihn, uns, euch). Das Ostfälische stimmt zwar mit allen niederdeutschen Dialekten (mit Ausnahme des südlichen Westfälischen) darin überein, das in den genannten Formen der Dativ mit dem Akkusativ zusammengefallen ist (im Hochdeutschen nur im Plural, weitere Einzelheiten/Sprachen hier → Personalpronomina der germanischen Sprachen), seine Besonderheit zeigt sich aber darin, dass sich bei allen diesen Formen der Akkusativ gegenüber dem Dativ durchgesetzt hat (im Nordniedersächsischen ist es genau umgekehrt). Einzig im Ostfälischen hat sich mit der Form ysch ein Akkusativ der 1. Person Plural bei einer westgermanischen Sprache erhalten (vergl. althochdt. unsih, altengl. ūsic [neben ūs])

Ein weiteres Merkmal des Ostfälischen ist die resthafte Erhaltung der Vorsilbe ge- als ë- beim Partizip II (Partizip Perfekt) der Verben; da diese Vorsilbe auch im Heideostfälischen verloren gegangen ist, steht z.B. bei Celle dessen wä'n 'gewesen' südlichem ëwä(s)'n [əˈvɛː(z)n̩] gegenüber.

Ein auffälliger Unterschied zwischen dem Ostfälischen und allen anderen niederdeutschen Dialekten ist das Ausbleiben (bzw. Rückgängigmachen) der Tondehnung in offener Silbe vor ‹-el, -en, er› in der Folgesilbe, z.B. ostfälisch Löp'l [ˈlœpl̩], bet'n [ˈbɛtn̩], Pepà [ˈpɛpɐ] ('Löffel, bisschen, Pfeffer') gegenüber nordniedersächsisch Läpel [ˈlɛːpl̩], bäten [ˈbɛːtn̩], Päper [ˈpɛːpɐ].

Zu den oben erwähnten "ungewöhnliche Wörtern" des Ostfälischen gehören Űtschë ('Frosch', nordnieders. Pogg), Kempë ('Eber', nordnieders. Äver, Ever) und Hâilëbårt/Hallëbot ('Storch', nordnieders. Aadboor etc.). Es gibt aber auch auffällige Gleichungen (ererbte Gemeinsamkeiten) mit dem Englischen und/oder Norwegischen: Snåkë ('Ringelnatter') – norweg. snok, vergl. engl. snake, Dråkë ('Enterich') – engl. drake, Schårë ('Elster') – norweg. skjor (Bokmål: skjære), Mul [mʊl] ('Maulwurf') – engl. mole.

Auch beim Ausgleich der Altniederdeutschen Lautoppositionen, insbesondere bei der Reduzierung der in offener Silbe unterschiedenen Vokale, bezieht das Ostfälische eine eigene Position, indem es zwar stärker vereinfacht als das Westfälische (das in seinen südlichen Dialekten keine Reduktion kennt), aber nicht so weit geht wie der Kernbereich des Nordniedersächsischen (wo von ursprünglich 8 Vokalphonemen nur noch 3 geblieben sind). Trotz der Verschiedenheit der Laute im Einzelnen haben die meisten ostfälischen Dialekte also ein gemeinsames Lautsystem. (In diesem Falle bleibt neben dem Heideostfälischen auch das Göttingisch-Grubenhagensche – das sich hierin zum ostwestfälischen stellt – außenvor).

Weblinks

Literatur

See also: Ostfälisch, Bad Gandersheim, Bad Harzburg, Bokmål, Braunschweig, Braunschweiger Land, Braunschweiger Platt, Burgdorf (Hannover), Bördekreis, Bückeburg