Ostfriesenwitz
Ein Ostfriesenwitz ist ein erzählter Witz, in dem angebliche Eigenschaften der Ostfriesen aufs Korn genommen werden. Die meisten Ostfriesenwitze waren (zumindest wenn man Ostfriesen fragt) im 18. Jahrhundert Bayernwitze. Heute findet man sie jedoch oft teilweise auch in Österreicherwitzen wieder. Die Grundstruktur dieser Witze ist meist ein einfaches Frage-Antwort - Schema.
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Typisch ostfriesische Beispiele
(Bayern und Österreich haben kein Meer)
- Warum gibt es Ebbe und Flut?
Als das Meer die Ostfriesen sah, bekam es einen Schreck und flüchtete. Jetzt schaut es zwei mal täglich nach, ob sie noch da sind.
- Was macht ein Ostfriese mit einem Messer in der Hand auf den Deich?
Er will in See stechen!
- Warum haben die Ostfriesen keine U-Boote-Flotte mehr?
Die ist am Tag der offenen Tür untergegangen.
- Warum holen die Ostfriesen immer so viel Schlick aus dem Meer?
Sie wollen daraus elektrischen Strom machen, sobald sie ein Kilo Watt beisammen haben.
Typisch bayerische Beispiele
- Was passiert, wenn ein Österreicher nach Ostfriesland geht?
Die Österreicher haben einen Deppen weniger, die Ostfriesen einen Ingenieur mehr.
- Tourist aus England, der sich in Bayern verirrt hat und endlich einen Menschen trifft: "Excuse me, mister"
Bayer: "I' bin ned da Mister, i' bin da Melker!"
Universelle Beispiele
- Warum wurde die [...] Nationalbibliothek geschlossen?
Das Buch ist geklaut worden!
- Warum können [...] keine Eiswürfel machen?
Die Frau, die das Rezept hatte, ist letztes Jahr gestorben.
- Warum bauen die [...] runde Häuser?
Damit niemand sagen kann, dass in der Ecke ein 1000 DM/Euro-Schein liegt.
- Wieviele [...] braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?
[Zahl]. Einer hält die Glühbirne und [Zahl-1] drehen den Raum.
Sie sind Ausdruck einer nationalstaatlichen Xenophobie gegen die Kultur der Ostfriesen/Bayern/Österreicher, die als dumme Hinterwäldler charakterisiert werden. Die Popularität dieser Witze hat aber dazu geführt, dass viele Einheimische sie mit Humor nehmen und im Fremdenverkehr nutzen.
Parallel dazu wurden manche dieser universellen Beispiele auch etwa auf Ostdeutsche (Ossi-Witze) angewendet. Witze dieser Art, in denen Nachbarn oder bestimmte Gruppen aufs Korn gekommen werden, gibt es aber auch in anderen Regionen und Ländern. Mitunter entstehen regelrechte Wellen. So wurden zahlreiche allgemeinere Ostfriesenwitze in den 1980er Jahren auf Bundeskanzler Helmut Kohl gezielt, dem Anfang der 1990er Jahre Mantafahrer und Blondinen folgten. Auch innerhalb bestimmter Berufsgruppen sind Witze dieser Art verbreitet wie z.B. die Bratschenwitze unter Orchestermusikern.
Herkunft
Der Ostfriesenwitz wurde erstmals schriftlich 1968 von Borwin Bandelow in der Schülerzeitung 'Der Trompeter' des Gymnasiums Westerstede im benachbarten Ammerland erwähnt, das auch von ostfriesischen Schülern besucht wurde (und noch wird). Wiard Raveling, selbst Ostfriese und Lehrer am Gymnasium, hat eine 'Geschichte des Ostfriesenwitzes' veröffentlicht. Danach entstand aus Neckereien zwischen ostfriesischen und ammerländischen Schülern eine Spalte über den 'Homo ostfrisensis' in der Schülerzeitung. In kurzer Zeit verwandelte sich der Schülerspott in den neuen Witz alter Machart, verbreitete sich in ganz Deutschland und lebt bis heute.
