Ostmitteleuropa

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Ostmitteleuropa ist eine europäische Großregion, die nach allgemeinem Verständnis eine Reihe von Staaten östlich von Deutschland und westlich der ehemaligen Sowjetunion umfasst. Klare naturräumliche, geographische und politische Grenzen Ostmitteleuropas lassen sich nicht ziehen. Der Begriff ist ein geschichtswissenschaftliches Konstrukt, das erstmals von dem polnischen Historiker Oskar Halecki verwendet wurde.

Halecki definierte eine Reihe von gemeinsamen Strukturmerkmalen, die die Zugehörigkeit zu Ostmitteleuropa konstituieren. Die Region ist geprägt von Multiethnizität. Sie zeichnete sich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit durch ständische Libertät aus. Gleichzeitig war ihre soziale Entwicklung durch die Entstehung der zweiten Leibeigenschaft gekennzeichnet. Ostmitteleuropa wurde durch die Herrschaft der beiden großen Dynastien der Jagiellonen und Habsburger wesentlich geprägt. Im 19. Jahrhundert wurde Ostmitteleuropa von außen durch drei Imperien beherrscht: das preußische-deutsche Kaiserreich, das zaristische Russland und Österreich-Ungarn. In Opposition zur Herrschaft dieser Staaten entwickelte sich unter den Völkern Ostmitteleuropas ein ausgeprägter ethnischer und sprachlicher Nationalismus. Nicht wenige dieser Nationalbewegungen konnten nach dem Ersten Weltkrieg ihren eigenen Nationalstaat gründen. In der Zwischenkriegszeit war Ostmitteleuropa daher durch die Existenz zahlreicher relativ machtloser Staaten gekennzeichnet, die dann ab 1939 zunächst der deutschen nationalsozialistischen Expansion zum Opfer fielen, um nach 1945 mit veränderten Grenzen unter die sowjetische Dominanz zu fallen. Nach 1990 machten die neuen Demokratien Ostmitteleuropas den größten Teil der Länder aus, die 2004 in die EU aufgenommen worden sind.

Zur aktuellen Charakterisierung des Raumes östlich von Deutschland und Österreich ist der Begriff Ostmitteleuropa ungeeignet, weil sich Polen, Tschechien, die Slowakei, Slowenien usw. sich strukturell, politisch und kulturell nicht mehr als Gruppe von den anderen EU-Mitgliedern abheben lassen. (Hat z.B. Deutschland mehr Gemeinsamkeiten mit Portugal oder mit der viel näheren Slowakei? Und welche sind dies? Das lässt sich nicht seriös definieren.) Im übrigen empfinden nicht wenige Völker die Zuordnung zu OST-Mitteleuropa herabwürdigend. Sie wollen einfach als Europäer angesehen werden. Für die historische Forschung bleibt der Ostmitteleuropa-Begriff jedoch weiterhin von großer Bedeutung.


Zu Ostmitteleuropa gehören aufgrund ihrer Strukturmerkmale folgende Länder und Regionen: (Allerdings haben sich die Grenzen in den verschiedenen Epochen verschoben. Und an den Rändern gibt es Überschneidungen mit anderen historisch konstruierten Regionen.)

Aufgrund ihrer Strukturmerkmale werden auch die deutschen Regionen Mecklenburg, Pommern, Brandenburg sowie die Lausitzen gelegentlich als ostmitteleuropäisch angesehen. Dasselbe gilt für die östlichen Bundesländer Österreichs: Ober- und Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Burgenland.

Weiterführende Artikel zu Ostmitteleuropa

Weblinks

East-West Information Service

Siehe auch

See also: Ostmitteleuropa, Baltikum, Brandenburg, Böhmische Krone, Europa, Kroatien, Lausitzen, MOEL, Mecklenburg, Mitteleuropa