Otto Reutter
Otto Reutter, eigentlich Otto Pfützenreuter, (* 24. April 1870 in Gardelegen; † 3. März 1931 in Düsseldorf) war ein deutscher Komiker.
Sohn eines Ulanen, stammte er aus einer armen katholischen Familie. Reutter besuchte die katholische Volksschule in Gardelegen und absolvierte eine Lehre als kaufmännischer Gehilfe. Nach Abschluss der Lehre riss er nach Berlin aus und verdiente sich als Charge an Schmierentheatern, versuchte sich als Schauspieler und als Komiker in kleinen Berliner Theatern. Danach verschlug es ihn nach Karlsruhe, wo er sich alsbald einer Truppe von Wirtshaussängern und -komikern anschloss. thumb|Otto Reutter in den späten 1920er Jahren
1895 wagte er wahrscheinlich im schweizerischen Bern einen ersten Auftritt als "Salonhumorist". Im Jahr darauf hatte er dann in Berlin seinen endgültigen Durchbruch. Hierbei wirkte insbesondere sein Talent, komisch-pointierte Verse in eingängigen Melodien im Sprechgesang vorzutragen und dabei selbst durch seine Erscheinung ironisch-komisch zu wirken. Nach diesem schicksalhaften Auftritt im "Wintergarten-Variete" des Berliner Central-Hotels gehörte Reutter zu den umjubelten Stars und konnte sich in den folgenden Jahrzehnten durch großes Talent und großen Fleiß an der künstlerischen und finanziellen Spitze der deutschen Kleinkunstbühnen-Artisten halten.
In den zwanziger Jahren trat Otto Reutter mit jenen Couplets auf, die heute noch bekannt sind, und u.a. von Peter Frankenfeld, Robert Kreis und anderen Interpreten vorgetragen und umgesetzt worden. Insgesamt hat er über 1000 Couplets, die in diversen Schallplatten-Aufnahmen überliefert sind, verfasst.
Überanstrengt und durch persönliche Schicksalsschläge gezeichnet, wollte sich Reutter 1919 nach dreißig harten Berufsjahren mit einem Millionenkonto in den Ruhestand begeben. Sein Vermögen hatte Reutter in seinem Haus in Gardelegen (der sogenannten Waldschnippe) und in Kriegsanleihen vermeintlich sicher angelegt. Bedingt durch das Kriegsende und die Inflationszeit verlor er aber große Teile dieses Vermögens und war weiterhin angewiesen auf das Tingeln mit seinen Couplets durch die Varietes. So entstand ab 1919 sein "Alterswerk" - seine von Humor und Melancholie, Lebensweisheit und altersmilder Naseweisheit gekennzeichneten Couplets, die noch heute zum Bestandteil des deutschen Humors für gehobene Ansprüche gehören. In seinen Couplets sah er nicht nur gesellschaftliche Ereignisse voraus, sie spendeten auch Trost in Zeiten der Entbehrung. Allerdings folgten seine Couplets immer dem jeweiligen Zeitgeschmack und den Tagesereignissen, man lachte mit der Menge des Volkes über den Erbfeind, über den Reichstag,das Wunderpferd Hans, über die Gewerkschaft, die Frau und Reutter forderte in einem Couplet der 1920er Jahre sogar den neuen starken Führer damit es vorwärts gehen sollte, wenngleich er sicher nicht einen Adolf Hitler sich dabei vorstellen konnte. Seine Couplets zeigen somit den damaligen Zeitgeist recht eindrucksvoll.
Erkrankt und erschöpft starb Otto Reutter während einer Gastspielreise Anfang 1931 in Düsseldorf und wurde in Gardelegen beigesetzt.
Werke (Auswahl)
- Ach wie fein (wird's in 100 Jahren sein) (um 1900)
- Alles wegn de Leut (1926)
- Der gewissenhafte Maurer (1920)
- Der Überzieher (1925)
- In fünfzig Jahren ist alles vorbei (1920)
- Wir fang'n noch mal von vorne an (1925)
- Das ist so einfach, und man denkt nicht dran (1925)
- Nehm se 'n Alten (1926)
- Mir hab'ne se als jeheilt entlassen (1928)
- Und dadurch gleicht sich alles wieder aus (1928)
- Es geht vorwärts! (1920; 1930)
- Ein Sachse ist immer dabei! (1930)
- Und so kommen wir aus der Freude gar nicht raus (1930)
Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Reutter, Otto |
| ALTERNATIVNAMEN | Pfützenreuter, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Komiker |
| GEBURTSDATUM | 24. April 1870 |
| GEBURTSORT | Gardelegen (Altmark) |
| STERBEDATUM | 3. März 1931 |
| STERBEORT | Düsseldorf |
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