P.D.Q. Bach

P. D. Q. Bach, 1807-1742 (!), ist der fiktive letzte Sohn von Johann Sebastian Bach und zugleich das Pseudonym, unter dem sein Erfinder, Professor Peter Schickele eine große Anzahl parodistischer Musikstücke komponiert hat, die auf mittlerweile fast 20 CDs erschienen sind.

Die Figur der P. D. Q. Bach ist jedoch mittlerweile weit mehr als ein bloßer wissenschaftlicher Witz, da seine Biographie und seine (bzw. Peter Schickeles) Musik vor allem bei Musikern eine enorme Popularität genießen und immer wieder zitiert und aufgeführt werden. Leider beruht ein Großteil des Humors rund um den fiktiven Musiker auf englischen Wortspielen, die in der deutschen Übersetzung oft nur rudimentär wiedergegeben werden können. Die Werkliste unten führt daher auch die englischsprachigen Originaltitel auf.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Anhand der endgültigen Biographie des P. D. Q. Bach, die Schickele 1976 in New York herausgegeben hat, lassen sich folgende biographischen Details zusammenfassen:

„P. D. Q. Bach wurde am 1. April 1742 als Sohn von Johann Sebastian und Anna Magdalena Bach in Leipzig geboren. Nach Schickele gab der Vater dem Knaben erst mit fünf Jahren, auf wiederholtes Drängen seines Bruders Wilhelm Friedemann, die Initialen „P. D. Q.“ als Vorname, ohne zu erläutern, wofür sie stünden. (Im umgangssprachlichen Englisch steht p.d.q. für „preddy damn quick“). Überhaupt schien sich Johann Sebastian kaum für seinen letztgeborenen Sohn zu interessieren, er gab ihm keinen Musikunterricht und hinterließ ihm lediglich ein Kazoo, als er 1750 starb.
1755 war P. D. Q. Lehrling beim Erfinder der singenden Säge, Ludwig Zahnstocher. 1756 traf er Leopold Mozart in Salzburg und empfahl ihm, seinen neugeborenen Sohn Wolfgang gut zu unterrichten und viel üben zu lassen, damit aus ihm der größte Billardspieler aller Zeiten werde. Später ging P. D. Q. nach Sankt Petersburg, um seinen entfernten Cousin Leonhard Sigismund Dietrich Bach zu besuchen, und um mit dessen Tochter Betty Sue ein uneheliches Kind zu zeugen.
Erst mit 35 Jahren begann P. D. Q., Musik zu schreiben, hauptsächlich, indem er Melodien von anderen Komponisten plagierte. Er starb am 5. Mai 1807, wenngleich auf seinem Grabstein „1807-1742“ stand. Zu diesem Datierungsproblem existieren einige Theorien, eine davon geht davon aus, daß P. D. Q. sich zeitlebens musikalisch zurückentwickelte, eine andere geht davon aus, dass seine bekannte Musikerfamilie auf diese Weise vertuschen wollte, dass er ein Abkömmling J. S. Bachs war.
Nach seinem Tode versuchte Betty Sue Bach, die inzwischen mit dem Liverpooler Musikverleger Jonathan „Boozey“ Hawkes verheiratet war, eine Ausgabe Ausgewählter Werke von P. D. Q. Bach zusammenzustellen, sie wurde dafür 1817 am Scheiterhaufen vebrannt.“

Zu P. D. Q. Bachs Bedeutung in der Musikgeschichte schreibt Schickele:

"P.D.Q. Bach war ein Mann, der den Gang der Musik nicht um ein Jota veränderte, ein Mann, der die Lehre von der Originalität durch Unfähigkeit endgültig definierte, ein Mann, der über das gewaltigste Hindernis triumphierte, vor dem je ein Komponist gestanden hat: das absolute und völlige Fehlen von Begabung. In den folgenden Jahren setzte sich P.D.Q. Bach unerschütterlich über Hindernisse hinweg, die andere Männer ins Lehramt oder in die Regierung getrieben hätten: die Folge ist ein Oeuvre, das ohne Parallele ist."

Musik

Schickele schreibt, P. D. Q. Bachs Musik habe „die Originalität von Johann Christian, die Arroganz von Carl Philipp Emanuel und die Tiefgründigkeit von Johann Christoph Friedrich.“ Ihre charakteristischste Eigenschaft sei manischer Plagiarismus. P. D. Q. erfand kaum eigene Melodien, das meiste thematische Material stahl er von anderen Komponisten zusammen und ordnete es, oft auf eine sehr seltsame Art, neu an.

Oft verwendet P. D. Q. Bach Instrumente, die im traditionellen Orchester eher selten eingesetzt werden, wie das Tromboon (dt. Fasaune, eine Posaune mit Fagott-S-Bogen und -Mundstück), Ziehpfeife (slide whistle), Doppelrohrblattzug-notenständer, Lasso d'amore und Kazoo und eine ganze Reihe Dinge, die an sich nicht als Musikinstrumente verwendet werden, wie Luftballons oder Fahrräder. Außerdem verlangt seine Musik unübliche Methoden, auf traditionellen Instrumenten zu spielen, wie den Gebrauch eines halb zerlegten Horns in der Kantate Iphigenia in Brooklyn. Seine Gesangsparts beinhalten, zusätzlich zum normalen Gesang, auch Effekte wie Husten, Seufzen, Schreien, Lachen und Schluchzen.

Ein ungeklärter Anachronismus ist die Tatsache, daß sich P. D. Q. Bach in seinen Werken nicht nur über den barocken und klassischen Musikstil lustig macht, sondern auch über die romantische und moderne Musik, fallweise sogar über Country-Musik (in Oedipus Tex) und Rap (Classical Rap). In Prelude to Einstein on the Fritz muss ein Mann schnarrende Laute erzeugen, während das Orchester Minimal Music spielt.

Werkauswahl

Peter Schickele hat die bisher „entdeckten“ Musikstücke im sogenannten Schickeleverzeichnis (abgekürzt mit „S.“) geordnet. Er teilt das Œuvre des Komponisten in drei Schaffensphasen:

Literatur

Weblinks

Bach, P.D.Q. Bach, P.D.Q. Bach, P.D.Q. Kategorie:Humor


See also: P.D.Q. Bach, 1. April, 1742, 1750, 1755, 1756, 1807, 1817, 1976, 5. Mai