Panama-Kanal

Der Panamakanal ist eine künstliche Wasserstraße, welche die Landenge von Panama durchschneidet und den Atlantik mit dem Pazifik für die Schifffahrt verbindet. Am 14. August 1914 erfolgte die erste Durchfahrt.

thumb|450px|right|Karte Panamas thumb|300px|right|Karte Panama-Kanal thumb|Sicht vom Cerro Ancón (Panama City) auf den Panama Kanal

Inhaltsverzeichnis

Technik

Vor dem Bau des Kanals war die schnellste Seeverbindung von der Ostküste zur Westküste Amerikas die 26.000 km lange und gefährliche Umschiffung des Kap Hoorns. Durch den Kanal wurde die Seestrecke New York - San Francisco auf ca. 10.000 km verkürzt.

Der Kanal ist 81,6 km lang. Er verläuft zwischen den Städten Colon an der Atlantik- und Panama an der Pazifikküste und führt durch den aufgestauten Gatunsee. Mit drei Schleusenanlagen wird ein Höhenunterschied von 26 m relativ zum Meeresspiegel überwunden. Der Pazifik ist im Bereich des Kanals aber nur 24 cm höher als der Atlantik. Der Niveauunterschied von 26 m kommt durch die Höherlage des Festlandes zustande, die bei der Überquerung des Kontinents überwunden werden muss. Die Durchfahrtszeit beträgt mit Lotsen rund 8-10 Stunden. Eine zügige und sichere Durchfahrt durch die Schleusenanlagen wird durch beidseitig angebrachte Zahnradbahnen (Treidelloks) gewährleistet. Die Schiffe werden von jeweils drei Zahnradlokomotiven ("Mulis" genannt), rechts und links des Kanals, durch die Schleusen geschleppt bzw. gegen die Strömungen in der Schleusenkammer beim Wasserein- und -auslass stabilisiert. Die Konstruktion dieser Zahnradbahn erfolgte durch den schweizer Ingenieur Nikolaus Riggenbach, der Zahnstangen im System Riggenbach verwendete. Der Kanal ist nur für Schiffe mit einem maximalen Tiefgang von 12 m passierbar. Für rund 60 % aller Handelsschiffe ist er somit unpassierbar. Umgekehrt gibt es zahlreiche Containerschiffe, die extra so konstruiert wurden, dass sie hinsichtlich Länge, Breite und Tiefgang gerade noch durch den Kanal oder genauer seine Schleusen passen; diese Schiffsklasse wird Panamax genannt. Der Aus- oder Neubau der Schleusen wird seit einigen Jahren diskutiert. Die USA behielten die Hoheit über den Kanal und einen Landstreifen entlang des Kanals (Kanalzone). 1977 beschloss US Präsident Jimmy Carter, den Kanal bis zum Jahr 2000 an Panama zurückzugeben, was auch geschah. Eine geografische Besonderheit des Panamakanals ist, dass die Einfahrt von Westen des amerikanischen Kontinents her, also vom Pazifik kommend, weiter im Osten liegt als die Einfahrt von der Ostseite Amerikas her.

Vorgeschichte

1513 überquerte - auf der Flucht vor dem Galgen und auf der Suche nach dem sagenumwobenen Perlen- und Goldland im Westen Südamerikas - der spanische Vasco Núñez de Balboa mit einer Gruppe von Anhängern und Booten die Landenge. Die Idee einer Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik durch einen Kanal in Darien (Mittelamerika) wurde 1523 von Kaiser Karl V. angeregt. Das erste Projekt wurde 1529 von dem Spanier Alvarado de Saavedra Colon ausgearbeitet. In den folgenden Jahrhunderten beschäftigte sich eine Reihe von Politikern und Wissenschaftlern mit der Frage eines Kanalbaus. Anfang des 19. Jahrhunderts galt das insbesondere für Friedrich Heinrich Alexander von Humboldt, der von 1799 bis 1804 Lateinamerika erforschte. Nach Goldfunden in Kalifornien wurde 1848 eine Lizenz für eine Eisenbahnverbindung vergeben. 1849 - 1853 nutzten Goldgräber auch eine Fluss-Land-Route durch das Isthmusgebiet von Panama.

Nach dem finanziellen Erfolg des Sueskanals (1869 eröffnet) in Ägypten glaubte man in Frankreich, dass ein Kanal, der Atlantik und Pazifik miteinander verbindet, ebenso einfach zu bauen wäre. Diese Gedanken nahmen Gestalt an, als 1876 in Paris die Société Civile Internationale du Canal Interocéanique geschaffen wurde, der 1879 durch französisches Gesetz die Panama-Kanal-Gesellschaft folgte, zu deren Präsidenten Graf Ferdinand de Lesseps, der Erbauer des Sueskanals, ernannt wurde. Die Panamakanal-Gesellschaft übernahm eine 1878 von der Société Civile Internationale du Canal Interocéanique erworbene Konzession der kolumbianischen Regierung, die sogenannte Wyse-Konzession, und begann 1881 mit den Arbeiten, die bis 1889 andauerten.

Gebaut werden sollte ein schleusenloser Kanal über den Isthmus von Panama mit einer Länge von 73 Kilometern. Der Aushub sollte 120 Millionen Kubikmeter nicht übersteigen. Eine Aktiengesellschaft, die Compagnie Universelle du Canal Interocéanique wurde zur Finanzierung gegründet und versprach genauso hohe Rentabilität wie die Sueskanal-Aktien. Allerdings hatte Graf Ferdinand de Lesseps 1838 die Pläne des Sueskanals von A. Negrelli käuflich erworben. In der Bauzeit von 1881 bis 1889 starben bei dem Bau 22.000 Arbeiter (7,5 Menschenleben pro Tag) in der Sumpflandschaft an Gelbfieber und Malaria. Auf Anraten französischer Ärzte wurde 1883 beim Bau des Kanals angeordnet, zum Schutz vor Malaria die Pfosten der Betten der Arbeiter in Wassereimer zu stellen.

Die Eimer wurden allerdings zu Brutstätten der Malaria-Mücken, die Krankheit breitete sich rasend schnell aus, der Bau musste nicht zuletzt auch deshalb abgebrochen werden. Rund um die Baustelle standen Kreuze; Leichen wurden in Essigfässern nach Europa verkauft, um nicht noch mehr Kreuze aufstellen zu müssen. 287 Millionen US-Dollar wurden investiert. 1887 revidierte Ferdinand de Lesseps unter dem Druck der schlechten Finanzlage die Pläne und schloss mit dem Ingenieur Gustave Eiffel einen Vertrag ab, um einen Schleusenkanal bis 1890 herzustellen. Die Kosten für den Schleusenkanal wurden auf 1,6 Milliarden Goldfranken geschätzt. Wegen Planungsmängeln, falschen geologischen Untersuchungen, schlechter Organisation, Bestechung, unzähligen technischen Schwierigkeiten und Pannen gaben die Franzosen schließlich aus finanziellen und politischen Überlegungen auf und stellten die Arbeiten 1889 ein. Das ehrgeizige Projekt endete in einem Desaster. Es war etwas völlig anderes, einen Kanal durch eine trockene, flache Wüste zu bauen als quer durch den Dschungel.

thumb|280px|Historische Karte des Panama-Kanals und des Nicaragua-Kanals

Die Arbeiten mußten auch eingestellt werden, weil es nicht gelang eine neue Trägergesellschaft zu konstituieren, und da die alte Panamakanal-Gesellschaft mit Sitz in Paris im Februar 1888 bankrott gegangen war und zum größten Finanzskandal des 19. Jahrhunderts in Frankreich beitrug. (Siehe auch: Panamaskandal)

1894 unternahm eine Liquidationsorganisation die Fortführung der theoretischen Arbeiten und verkaufte 1902 den Gesamtkomplex für 40 Millionen US-Dollar an die USA, die etwa 40 Prozent der bis dahin geleisteten praktischen Arbeiten verwenden konnten. Die USA hatten sich bereits vorher mit verschiedenen Projekten einer Kanaltraversierung Mittelamerikas beschäftigt, waren jedoch bis dahin zu keinem praktikablen Ergebnis gelangt. Die Planungen des Panama-Kanals konkurrierten mit Planungen zum Nicaragua-Kanal. Dieser wurde jedoch nicht realisiert, da dessen Investoren den Panamakanal favorisierten. Nach dem Ankauf der Wyse-Konzession traten die USA in Verhandlungen mit der kolumbianischen Regierung ein, die im Januar 1903 zur Unterzeichnung eines Vertrages führten, welcher jedoch in der Folge von Kolumbien nicht ratifiziert wurde, da dieses die Forderungen der USA nicht genehmigen wollte.

Im November 1903 spaltete sich Panama im Wege einer von den USA geförderten unblutigen Revolution unter dem französischen Ingenieur Philippe Bunau Varilla von Kolumbien ab und erklärte sich als selbständig. Die US-Regierung glaubte, so schneller den Bau des aus strategischen Gründen für absolut notwendig erachteten Kanals zu erreichen, und die nur deshalb Erfolg hatte, weil US-Kriegsschiffe Kolumbien daran hinderten, den Aufstand zu unterdrücken. Im Dezember 1903 vereinbarte Kolumbien mit den USA einen Staatsvertrag über die Nutzung einer Kanalzone in der Breite von 10 Meilen (16 Kilometern), jeweils 5 Meilen beiderseits der Kanaltrasse, ihre Besetzung und ihre unbeschränkte Kontrolle zu. Der sogenannte Hay-Bunau Varilla Treaty, ratifiziert am 16. Februar 1904 und auf unbestimmte Zeit gültig. Die USA kontrollierten damit eine Kanalzone in einer Größe von 84.000 Hektar. Die USA mußten aber die territorial Souveränität Panamas zusichern. Der Vertrag sah zudem die sofortige Zahlung von 10 Millionen US-Dollar vor, sowie eine ab 1913 beginnende jährliche Zahlung von 250.000 US-Dollar in Gold.

1906 begannen die USA unter der Leitung des Ingenieurs Generalmajor George W. Goethals die Bauarbeiten an dem Kanal, das besonders von US-Präsident Theodore Roosevelt unterstützt wurde. Die Kosten des nun mit Schleusen und Stauseen erbauten Panama-Kanals beliefen sich auf 386 Millionen US-Dollar und während der Bauarbeiten von 1906 bis 1914 starben 25.000 Arbeiter an Unfällen und Krankheiten.

Am 14. August 1914 erfolgte die erste Durchfahrt durch den heutigen Panamakanal. Die offizielle Eröffnung fand erst 1920 statt.

1935 und 1936 erfolgten die ersten Revisionen, die u.a. eine Erhöhung der jährlichen Zahlungen der USA an Panama auf 430.000 US-Dollar, die Gewährung eines Land-Korridors durch die Kanalzone an Panama vorsahen und den USA das Interventionsrecht absprachen.

1955 erfolgte eine weitere Revision, in der die Jahrespacht auf 1.930.000 US-Dollar erhöht wurde. Zudem gab es eine Erhöhung der Löhne der panamesischen Arbeiter der Panamakanalverwaltung. Panama erhielt auch das Recht, die in der Kanalzone tätigen Arbeiter, mit Ausnahme der US-Bürger, zu besteuern.

1960 gab US-Präsident Dwight D. Eisenhower auf Grund von Beschwerden der Regierung von Panama ein 9-Punkte-Programm bekannt, das insbesondere verbesserte Arbeits- und Wohnbedingungen in der Kanalzone und den Bau einer Wasserleitung zur Versorgung der Hauptstadt Panama City vorsah.

Am 17. September 1960 gab US-Präsident Eisenhower bekannt, dass ab sofort die Flagge Panamas gemeinsam mit der der USA in der Kanalzone als Ausdruck der nominellen Souveränität Panamas über dieses Gebiet gehißt werden solle. Die erste Hissung der panamesischen Flagge fand am 21. September 1960 auf dem Shaler Triangle statt.

Der Bau

thumb|350px|Panoramafoto vom Bau des Panamakanals

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Panama Canal, Pedro Miguel Locks

Der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt war der Ansicht, dass die USA in der Lage wären, den Bau zu vollenden. Die USA kaufte 1901 den zu 1/6 fertig gestellten Kanal für 40 Millionen US-Dollar. Der erste Erfolg bestand darin, dass sie Panama von Kolumbien abspalten konnten. Die USA zettelte eine Revolution an und ließ Panama die Unabhängigkeit ausrufen. Weiter bekämpfte eineinhalb Jahre lang der Armeearzt Colonel William C. Gorgas mit Hilfe seines Teams und 120 Tonnen Insektiziden die Heerscharen von Moskitos. Am 15. August 1914 wurde der Panamakanal eröffnet. Er war das bis dahin größte und teuerste Bauwerk überhaupt.

Pläne zur Ersetzung des Panama-Kanals durch einen anderen Mittelamerika-Kanal

Im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um den Panama-Kanal, siehe unter Flaggenstreit zwischen den USA und Panama 1964, wurden erneut Pläne diskutiert, Mittelamerika an anderer Stelle zu durchstechen. da einem Ausbau des Panama-Kanals Grenzen gesetzt waren, seine Verkehrskapazität Ende der 1960er Jahre erschöpft war. Erwogen wurden Durchstiche in Mexiko, Nicaragua/Costa Rica, Panama und Kolumbien. In allen Fällen sollte der neu zu bauende Kanal ohne Schleusen angelegt werden, da der Niveau-Unterschied zwischen Pazifik und Atlantik minimal ist, dass ein solcher Kanal technisch möglich war.

Alle unten kurz aufgeführten Projekte würden eine Bauzeit von 5 bis 10 Jahren betragen und mehrere Milliarden US-Dollar an Baukosten verschlingen.

Mexiko

Die Mexiko-Planung sah einen Durchstich von der Mündung des Flusses Coatzacoalcos am Atlantik entlang des Flusses zum Golf von Tehuantepec vor. Bei konventionellen Arbeitsmethoden sollte der Kanal 165 Meilen (266 Kilometer) lang sein. Zum Vergleich der Panama-Kanal hat eine Länge von 51 Meilen (82 Kilometer). Die USA erwägten zudem auch die Sprengung mit Hilfe von Nuklearladungen, die dann eine Länge von 150 Meilen (241 Kilometer) ergeben hätte.

Nicaragua / Costa Rica

Der Durchstich durch Nicaragua war parallel zur Grenze mit Costa Rica projektiert und sollte den südlichen Teil des Sees von Nicaragua durchschneiden, die konventionelle Trasse hätte 168 Meilen (270 Kilometer) und eine Trasse mit Hilfe von Nuklearsprengungen hätte 140 Meilen (225 Kilometer) betragen. Der Kanal hätte aber die Grenze mit Costa Rica geschnitten und würde den Pazifik auch auf dem Gebiet von Costa Rica erreichen. Weitere ausführliche Informationen hierzu unter: Nicaragua-Kanal.

Panama

Für Panama gab es zwei mögliche neue Kanalrouten, die ausgemesssen wurden.

  1. Ein Kanal vom Golf von San Blas am Atlantik mit einer Länge von 40 Meilen (64 Kilometer),
  2. Eine Kanalroute vom Atlantik zur Bucht von San Miguel auf der sogenannten Sasardi-Morti-Trasse mit einer Länge von 60 Meilen (97 Kilometer).

Kolumbien

Das Kanal-Projekt in Kolumbien sah einen Durchstich unter Nutzung des Flussbettes des Atrato und des Truando vor und sollte eine Länge von 95 Meilen (153 Kilometer) haben.

Menschliches "Wasserfahrzeug"

Der erste Mensch, der den Panama-Kanal durchschwamm, war im Jahre 1928 der US-Amerikaner Richard Halliburton. Der Abenteurer war im April 1928 von New Orleans aus in Richtung Mexiko aufgebrochen. Dort wandelte er zunächst auf den Spuren des früheren spanischen Eroberers Hernando Cortez und kletterte sodann den Popocatepetl hinauf. Krönender Abschluss seiner Tour durch Mittelamerika sollte die Benutzung der Wasserstraße als Schwimmer werden.

Die US-Kanalbehörde war einverstanden unter der Bedingung, dass sie nur einem "Wasserfahrzeug" die "Durchfahrt" gestatten könne. Halliburton wurde daher nach Tonnage eingestuft und durfte gegen eine Gebühr von 36 Cent, das niedrigste jemals entrichtete Entgelt, seinen Plan umsetzen. In acht Tagesetappen bewältigte er die gesamte Strecke.

Siehe auch

Panama, Sueskanal, Flaggenstreit zwischen den USA und Panama 1964, Nicaragua-Kanal

Literatur

Weblinks

Koordinate: 9° 04' 48" N; 79° 40' 48" W


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See also: Panama-Kanal, 15. August, 1513, 1523, 1529, 1876, 1881, 1888