Passionszeit

Als Passionszeit bezeichnet man im Christentum die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern.

Die Zeit vor der Fastenzeit wird Vorfastenzeit genannt. Sie beginnt mit dem dritten Sonntag vor Aschermittwoch.

Inhaltsverzeichnis

Sonntage in der Passionszeit

Die sechs Sonntage in der Passionszeit haben ihre Namen von den Anfängen der lateinischen Introituspsalmen:

   * Invocavit - Er ruft mich, darum will ich ihn erhören. (Ps 91,15)
    * Reminiscere - Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit! (Ps 25,6)
    * Oculi - Meine Augen sehen stets auf den Herrn. (Ps 25,15)
    * Laetare - Freuet euch mit Jerusalem! (Jes 66,10)
    * Judica - Gott, schaffe mir Recht! (Ps 43,1)
    * Palmarum - Palmsonntag
 

Der Merkspruch lautet: In rechter Ordnung lerne Jesu Passion. (Invocavit - Reminiscere - Oculi - Laetare - Judica - Palmarum)

Dauer der Passionszeit

Im christlichen Festkalender geht die österliche Fastenzeit (Quadragesima) dem Osterfest voran. Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und dauert bis Karsamstag, umfasst also 40 Fastentage, wobei die Sonntage und der Gründonnerstag nicht als Fastentage gezählt werden. Die in 40 Einheiten zu teilende Zeitspanne kommt in der Bibel mehrfach vor: 40 Jahre wandern die Israeliten durch die Wüste (Ex 16,35), 40 Tage begegnet Moses Gott auf dem Sinai (Ex 24,18), 40 Tage wandert Elias zum Berg Horeb (1 Kön 19,8), 40 Tage fastet Jesus in der Wüste (Mt 4,2; Lk 4,2) und 40 Tage nach der Auferstehung (= Ostern) feiert die Kirche Christi Himmelfahrt (Apg 1,3).

Christliche Pflichten in der Passionszeit

Die Fastenzeit gilt als gebundene Zeit, denn in dieser Zeit waren die Christen an Verpflichtungen gebunden: Die Pflicht zum Fasten, d.h. zum Verzicht auf Alkohol, Fleisch, Milchprodukte (= Laktizinien) und Eier, Mitfeier der Karwoche und der österlichen Gottesdienste, Teilnahme an der Osterbeichte.

Geschichte der Passionszeit

Schon im 2. Jahrhundert bereitete man sich durch zweitägiges Fasten auf Ostersonntag vor, im 3. Jahrhundert wurde die Fastenzeit auf die Karwoche ausgedehnt. Das Konzil von Nicäa legte das Osterfest auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond fest. Ostern ist damit ein beweglicher Festtermin, der auf die Zeit zwischen den 22. März und den 25. April (Ostergrenzen) fallen kann. Der Termin der Fastenzeit ist "beweglich" und definiert sich im Verhältnis zu Ostern durch die Länge der Fastenzeit.

Im Mittelalter waren die Fastenregeln sehr streng: man durfte nichts essen außer 3 Bissen Brot und 3 Schluck Bier oder Wasser. Erst 1486 erlaubte Papst Innozenz VIII. auch Milchprodukte in der Fastenzeit. Heute sind nur noch der Aschermittwoch und Karfreitag - nach der katholischen Lehre - strenge Fastentage, an denen nur eine, fleischlose Mahlzeit erlaubt ist.

Die Zeit vor Ostern war in der Alten Kirche aber nicht nur eine Fastenzeit, sondern auch eine wichtige Zeit für die Taufbewerber, die damals nur einmal im Jahr, nämlich in der Osternacht getauft wurden. Sie erhielten während der "vierzig Tagen" (Quadragesima) sogar einen neuen Titel und wurden "Photizomenoi" genannt, das heißt auf Griechisch "die erleuchtet werden". In dieser Zeit intensivierter Taufvorbereitung wurden sie eingeführt in das Mysterium von Tod und Auferstehung.

Protestantismus und Passionszeit

Martin Luther sprach sich gegen eine Fastenzeit aus, da er auch im Fasten die Gefahr sah, mit seinem Handeln Gott zu gefallen: "Kein Christ ist zu den Werken, die Gott nicht geboten hat, verpflichtet. Er darf also zu jeder Zeit jegliche Speise essen." Der Protestantismus stellte vielmehr die Erinnerung an die Leiden Christi ins Zentrum der Passionszeit. In dieser Tradition stehen die vielerorts stattfindenden Passionsandachten oder Passionsspiele.

Seit rund 25 Jahren verbinden Protestanten diese geistliche Praxis auch wieder mit einer körperlichen: dem Verzicht auf liebgewonnene Gewohnheiten wie gut essen, rauchen, Alkohol trinken oder Fernsehen schauen. Kennzeichen für diese Entwicklung ist die Fastenaktion "7 Wochen Ohne" der Evangelischen Kirche, die im Frühjahr 2003 ihr 20-jähriges Jubiläum feierte. Inzwischen nehmen jedes Jahr viele Millionen Menschen an dieser Aktion teil, die sich aus einer Stammtischidee des Hamburger Pressepastor Hinrich Westphal entwickelte.Viele evangelische und katholische Christen beteiligen sich heute an der Aktion "Sieben Wochen ohne".

Weblinks

See also: Passionszeit, 1486, Aschermittwoch, Auferstehung, Bibel, Christentum, EKHN, Elias, Fastenzeit, Gott