Paul Hindemith
thumb|150px|Paul Hindemith 1923 Paul Hindemith (* 16. November 1895 in Hanau, † 28. Dezember 1963 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Komponist und Musiker.
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Leben
Herkunft
Paul Hindemith kommt als Sohn einer Arbeiterfamilie in Hanau zur Welt. Er verbringt in Rodenbach bei Hanau seine Kindheit, bevor er 1905 mit seiner Familie nach Frankfurt zieht. Vom 3. bis 6. Lebensjahr lebt Paul Hindemith bei seinen Großeltern Hindemith in Naumburg am Queis. Die Schulzeit verbringt er in Frankfurt und beendet sie mit der Volksschule im Alter von 14 Jahren.
Die familiären Wurzeln liegen in Schlesien. Er entstammt einer alteingesessenen schlesischen Familie von Kaufleuten und Handwerkern aus den Kreisen Jauer und Lauban. Sein Vater Rudolf wurde 1870 in Naumburg am Queis in Schlesien geboren. Er verließ als junger Mann seine Heimat und siedelte sich um 1890 in Hanau an, wo er als Anstreicher arbeitete. Der Vater ließ seine drei Kinder, den 1895 geborenen Paul, die 1898 geborene Schwester Antonie (Toni) und den 1900 geborenen Bruder Rudolf seit frühester Kindheit musikalisch unterrichten. Er gab ihnen die Ausbildung, die ihm selbst trotz musikalischer Veranlagung verwehrt geblieben war. Rudolf Hindemith ergriff später ebenfalls den Beruf des Dirigenten und Komponisten, stand aber im Schatten seines berühmten Bruders Paul.
Kindheit und Konkurrenz zweier Brüder
In der Kindheit waren die beiden hochmusikalischen Brüder Paul und Rudolf (1900-1974) das Aushängeschild der Familie; in ihrer Jugend begannen sie, auch professionell zusammen zu musizieren: Im Amar-Quartett, eine der führenden Gruppen in der "Neue Musik"-Szene der Zwanzigerjahre. Der jüngere Rudolf (Cello) stieg aber bald aus, weil er sich oft hinter Paul zurückgesetzt sah, wechselte ins Genre von Blasmusik und Jazz - und blieb im Gegensatz zu Paul als Dirigent in Deutschland.
Musikalischer Werdegang
Paul lernte hingegen seit dem 9. Lebensjahr Violine. Nach einer Empfehlung seines Violinlehrers besuchte er ab 1908 das Konservatorium. Neben der Perfektion in Violine erhielt er auch eine Komponisten-Ausbildung.
Von 1915 bis 1923 hatte der die Stelle des Konzertmeisters an der Frankfurter Opernbühne inne, und spiele nebenbei in diversen Orchestern die Bratsche. 1924 heiratete er die Musikerin und Tochter des Kapellmeisters des Frankfurter Opernorchesters Gertrud von Rottenburg.
Die Berliner Hochschule für Musik berief Hindemith 1927 zum Lehrer für Komposition. Zwischenzeitlich wurden mehrere seiner Werke bei den Donaueschinger Kammermusiktagen uraufgeführt. Als dort 1921 Hindemith’s 2. Streichquartett Opus 16 uraufgeführt wird, bringt ihm das mit kaum 30 Jahren den Ruf als einflussreichster und geachtetsten modernen Musiker Europas ein. Die Kammermusiktage leitete er in den Jahren 1923 bis 1930 zusammen mit Heinrich Burkard und Joseph Haas künstlerisch und machte sie zu einem der wichtigsten Foren neuer Musik. Seit dieser Zeit war Hindemith einer der bedeutendsten, aber auch umstrittensten Richtungsweiser zeitgenössischer Musik in Deutschland.
Ungewohnte Musik - und schließlich Emigration
[[Bild:Paul_Hindemith_1933.jpg|thumb|300px|Paul Hindemith (rechts) 1933 beim Musizieren (mit Viola) in Wien. v.l.n.r.: Bronislaw Huberman (Violine), Pablo Casals (Cello), Artur Schnabel (Klavier)]]
So klingen beispielsweise viele seiner Chorwerke und Lieder bis heute rau und ungewohnt und sind - etwa für Sängerknaben - eine interessante Herausforderung. Auch die von ihm gewählten Textvorlagen, unter denen sich neben Luther viele christliche Dichter befinden, erregen im aufsteigenden Nationalsozialismus Ablehnung.
Von der NSDAP wird seine Arbeit mehr und mehr behindert. Teile seiner Werke werden unter dem Verdikt des "Kulturbolschewismus" oder "Entartete Kunst" aus den Programmen entfernt. Bereits 1934 erhalten seine Werke ein Sendeverbot im deutschen Rundfunk. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels bezeichnete ihn im gleichen Jahr öffentlich als atonalen Geräuschemacher. Wilhelm Furtwängler macht 1934 auf publizistische Weise auf die Situation Hindemith aufmerksam, erntet aber von Goebbels nur Hohn. thumb|150px|left|Paul Hindemith 1945 während seines Lehraufenthaltes in den USA
Im Jahr darauf geht Hindemith unter Protest seiner Studenten in die Türkei, nachdem er sich von seiner Stelle hat beurlauben lassen. Ab 1936 wird die Aufführung seiner Werke verboten, was ihn dazu veranlasst, seine Stellung 1937 zu kündigen. Höhepunkt der Konfrontation mit dem NS-System war 1938 die Ausstellung Entartete Musik der Nationalsozialisten. Darin wurde ausdrücklich auf die jüdische Abstammung seiner Ehefrau Gertrud verwiesen.
1938 gehen er und seine Frau ins Exil, zunächst in die Schweiz bis 1940. Das Ehepaar verlässt das Land 1940 wieder, um in den USA Exil zu nehmen. Sie siedeln sich in New Haven (Connecticut), an, wo Hindemith eine Lehrtätigkeit an der Universität Yale aufnimmt, wo er bis 1953 lehrt. 1946 erhält er die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Ende der 40er Jahre machte Hindemith Karriere als Dirigent, vorwiegend für klassische Musik. Weltweite Tourneen ließen ihn in musikalischen Zentren auftreten, wie bei den Wiener und Berliner Philharmonikern.
1953 siedelte Hindemith wieder zurück in die Schweiz und lebte in seiner "Villa La Chance" in Blonay im Bezirk Vevey am Genfersee. Abwechselnd mit Yale lehrt Hindemith ab 1951 auch in Zürich, wo ein Lehrstuhl für ihn eingerichtet wurde. 1957 beendete er seine Lehrtätigkeit und ging dann seine eigenen musikalischen Weg als Komponist und Dirigent. Er widmete sich mehr dem Dirigieren und ging auf Tourneen nach Asien und den USA. 1963 stirbt Paul Hindemith in einem Krankenhaus in Frankfurt am Main an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung.
Wichtige Werke
- 1917 Drei Gesänge für Sopran und Orchester, op. 9 (gilt als Höhepunkt seines Jugendwerks)
- 1921 bis 1926 Uraufführungen seiner Kompositionen
- Streichquartett, op. 22,
- Kammermusik Nr. 1, op. 24a,
- Junge Magd, op. 23 Nr. 2,
- Mörder, Hoffnung der Frauen, op. 12 (mit Texten von Oskar Kokoschka) und
- Das Nusch-Nuschi, op. 20 für birmanesische Marionetten während der Donaueschinger Kammermusik-Tage.
- ca. 1925 Ouvertuere zum "Fliegenden Hollaender", wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um 7 am Brunnen vom Blatt spielt.
- 1926 Uraufführung der Oper Cardillac
- 1931 Uraufführung des Oratoriums Das Unaufhörliche, zusammen mit Gottfried Benn
- 1934 Uraufführung der Symphonie Mathis der Maler über das Schicksal Matthias Grünewalds unter Wilhelm Furtwängler in Berlin
- 1930er zahlreiche Lieder, Chor- und A Cappella-Werke, von denen manche durch raue Tonalität und Textwahl Anstoß erregten (z.B. "Schundromane lesen")
- 1936 Entstehung der Sonate für Klavier, Nr. 2
- 1938 Uraufführung der Oper Mathis der Maler in Zürich
- 1942 Entstehung der Fugensammlung "Ludus Tonalis" für Klavier
- 1946 Uraufführung des Oratoriums Als Flieder mir jüngst im Garten blüht' - Ein Requiem denen, die wir lieben (engl. When Lilacs Last in the Dooryard Bloom'd - A Requiem for Those We Love) nach einem Text von Walt Whitman
- 1957 Beendigung der Oper Die Harmonie der Welt über das Leben und Schaffen des Johannes Kepler
für Blasorchester
- Apparebit repentina dies (1947)
- Sinfonie in B flat (1951)
- Moderately fast, with vigor
- Andantino grazioso
- Fugue, Rather Broad
- Konzertmusik für Blasorchester, op.41 (1926) Uraufführung 1926 in Donaueschingen
- 1. Konzertante Ouvertüre
- 2. Sechs Variationen über das Lied "Prinz Eugen der Edle Ritter"
- 3. Marsch
Siehe auch
Weblinks
- Hindemith-Stiftung, -Institut, -Musikzentrum
- Komponist und Dirigent Rudolf Hindemith (Bruder von P. Hindemith)
- Kurzbiografie von Paul Hindemith
Hindemith, Paul Hindemith, Paul !Bratschisten Hindemith, Paul Hindemith, Paul Hindemith, Paul Kategorie:Deutschsprachige Emigration
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hindemith, Paul |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Komponist und Musiker |
| GEBURTSDATUM | 16. November 1895 |
| GEBURTSORT | Hanau |
| STERBEDATUM | 28. Dezember 1963 |
| STERBEORT | Frankfurt am Main |
