Pentathlon

Der Pentathlon war der Fünfkampf der Olympischen Spiele der Antike. Er war eine Kombination der Disziplinen Stadionlauf, Weitsprung, Speer- und Diskuswurf, sowie Ringen.

Ermittlung des Siegers

Ein viel diskutiertes Problem ist dabei die Frage der Siegerermittlung, denn für eine Punktwertung, wie sie bei heutigen Mehrkampfwettbewerben üblich ist, gibt es keine Hinweise in den Quellen. Lediglich zwei Angaben antiker Texte liefern diesbezügliche Anhaltspunkte:

  1. Wenn ein Athlet drei Disziplinen gewonnen hatte, wurde er zum Sieger erklärt und der Pentathlon abgebrochen.
  2. Ein Teilnehmer, der vorher nur zweite Plätze erreicht hatte, konnte durch einen Sieg im Ringen noch Gesamtsieger werden.

Die am weitesten akzeptierte Hypothese ist die von Joachim Ebert, die er das Prinzip des dreifachen relativen Sieges nennt. Demnach scheidet jeder Teilnehmer aus, sobald er einem der Mittbewerber dreimal unterlegen ist. Gesamtsieger ist am Ende derjenige, der alle anderen mindestens dreimal besiegt hat. Beispielsweise könnte die Ergebnisliste nach drei Disziplinen so aussehen:

1. Disziplin: Demetrios - Philostrat - Pausanias - Iphitos - Agis
2. Disziplin: Agis - Iphitos - Pausanias - Demetrios - Philostrat
3. Disziplin: Pausanias - Iphitos - Demetrios - Philostrat - Agis

Hier hätte Demetrios immer besser abgeschnitten als Philostrat, folglich darf nur Demetrios an der nächsten Runde teilnehmen, für Philostrat dagegen endet der Wettkampf nach der dritten Runde.

An der letzten Runde, dem Ringen, darf nur teilnehmen, wer nicht dreimal einem anderen Gegner unterlegen ist. Führt man das obige Beispiel weiter, so hätte folgende Wertung der vierten Disziplin sowohl für Demetrios als auch für Agis und Iphitos das Ende der Wettkämpfe bedeutet, Pausanias wäre vorzeitiger Sieger gewesen:

4. Disziplin: Pausanias - Iphitos - Agis - Demetrios.

Bei einer größeren Anzahl von Teilnehmern wird dieses System allerdings immer schwerer zu durchschauen, es läuft ja letztlich darauf hinaus, dass alle Einzelduelle in einer Kreuztabelle erfasst werden müssen. Einen anderen, weniger komplizierten Vorschlag, der ebenfalls die beiden genannten Voraussetzungen erfüllen würde, hat Friedrich Brein gemacht. Nach seiner Theorie wird zum abschließenden Ringen nur zugelassen, wer vorher midestens einen ersten oder zweiten Platz erzielt hat, maximal also acht Bewerber. Sieger ist am Ende der mit den meisten ersten Plätzen, bei Gleichstand der mit den meisten zweiten Plätzen. Ergibt sich auch hier ein Unentschieden (was praktisch fast unmöglich ist), gewinnt der Bessere im Ringen.

Gegen die Hypothese des dreifachen relativen Sieges spricht der am besten dokumentierte Pentathlon: der einzige, bei dem wir alle Teilnehmer kennen und teilweise den Verlauf. Ebert umschifft dieses Problem, indem er dem griechischen Wort "deuteros", was eindeutig zweiter heißt, die Bedeutung "unterlegen" unterschiebt. Wer soll glauben, daß gerade, wenn es auf den ersten, zweiten, dritten usw. Platz ankam, der griechische Autor "unterlegen" mit der Metapher "zweiter" umschrieb.

Gegen die Hypothese spricht auch der von Ebert zitierte Pentathlon der Buchstaben; "(Das Alpha) erweist sich (den anderen Buchstaben)wie die Fünfkämpfer(ihren Konkurrenten) in drei Dingen überlegen und trägt den Sieg davon, zunächst über die meisten (Buchstaben) dadurch, daß es ein Vokal ist, über die Vokale wiederum dadurch, daß es zweizeitig ist, über diese aber dadurch, daß es voranzugehen, aber niemals an zweiter Stelle nachzugehen Pflegt." Alpha besiegt alle anderen Buchstaben nicht nur relativ, sondern absolut.

Gegen die Theorie von Brein spricht, daß die Annahme, in den Endkampf würden alle ersten und zweiten kommen, durch nichts begründet ist. Warum nicht auch dritte? Warum wird ein Athlet, der schon zwei Disziplinen gewonnen hat einem anderen gleichgestellt, der nicht mehr als einen zweiten Platz errungen hat? Und wenn der letzte dann den Ringkamf gewinnt, ist er Gesamtsieger, aber schlechter (ein Disziplinsieg und ein zweiter Platz) als der erste. Wer soll glauben, daß ein solches Ergebnis in der 1100-jährigen Geschichte des griechischen Sports so ganz ohne eines Wortes der Kritik durchginge? Ein weiteres Handicap der Breinschen Theorie ist, daß der zweifellos belegte "Dreisieg" d. h. Abbruch, sobald jemand drei Disziplinen gewonnen hat, in seine Theorie nicht hineinpaßt.

Die bisher vorgeschlagenen Theorien zur Siegerermittlung sind so unbefriedigend, daß durchschnittlich alle 10 Jahre eine neue auftaucht.

Reihenfolge der Disziplinen

thumb|Das Stadion von Olympia heute Auch die Reihenfolge der ersten vier Disziplinen ist unsicher, von den 24 theoretischen Möglichkeiten wurden in den letzten hundert Jahren schon 10 vorgeschlagen. Wiederum Brein plädiert mit einem plausiblen Argument dafür, dass der Wettlauf jedenfalls nicht die vierte Disziplin war. Es wird nämlich berichtet, dass der Weitsprung in einem Skamma genannten Bereich durchgeführt wurde, der in der Länge 50 Fuß (ca. 15 m) von einer Startschwelle aus maß und in dem das Erdreich aufgelockert war, um die Abdrücke besser zu erkennen. In diesem Skamma konnten auch Ringkämpfe ausgetragen werden. Brein ist nun der Meinung, bei der Startschwelle könne es sich nur um die im Stadion handeln, und das Skamma wären demnach die ersten 50 Fuß der Laufbahn (in der anderen Richtung sind in Olympia nur noch 10 m Platz), so dass also nach dem Herrichten des Skamma keine Laufwettbewerbe mehr hätten durchgeführt werden können. Allerdings wird auch diese Ansicht nicht von allen Sporthistorikern geteilt.

Literatur

Joachim Ebert: Zum Pentathlon der Antike. Untersuchungen über das System der Siegerermittlung und der Ausführung des Halterensprunges, Berlin 1963

Ulrich Sinn: Das antike Olympia - Götter, Spiel und Kunst, München 2004, ISBN 3-406-51558-4

Ingomar Weiler: Der Sport bei den Völkern der Alten Welt, Darmstadt 1981, ISBN 3-534-07056-9

See also: Pentathlon, Diskuswurf, Hypothese, Olympia (Griechenland), Olympische Spiele der Antike, Ringen, Speerwurf, Stadion, Stadionlauf, Theorie