Perserreich

Als Perserreich wird das antike Großreich der Perser bezeichnet, das zeitweise von der heutigen Türkei bis nach Nordwestindien und Ägypten reichte, dessen Zentrum aber immer im heutigen Iran lag. Es bestand in unterschiedlicher Ausprägung und Gestalt von etwa 550 bis 330 v. Chr. (Achämenidenreich) und von ca. 224 bis 651 n. Chr. (Neupersisches Reich der Sassaniden).

Im Folgenden soll ein knapper Abriss der Geschichte dieses antiken Weltreiches gegeben werden, wobei die Zeit der Seleukiden als eine Übergangszeit betrachtet wird, aber genauso auch auf das iranische Partherreich der Arsakiden eingegangen wird, welche die makedonisch-griechische Fremdherrschaft beendeten. In vielerlei Hinsicht lehnten sich auch die Sassaniden an die Parther an, so dass aus Verständnisgründen die Geschichte des vorislamischen frühen Persiens (Josef Wiesehöfer) einheitlich in diesem Artikel behandelt wird.

Es muss außerdem darauf aufmerksam gemacht werden, dass wir in weiten Teilen auf fremde Quellen angewiesen sind. Die persische Überlieferung ist oft sehr lückenhaft und weist, wie auch babylonische, armenische, syrische, griechisch-römische, arabische und andere Quellen, jeweils eigene Probleme auf, wobei auch die Inschriften nicht unproblematisch sind (beispielsweise Behistun).

Inhaltsverzeichnis

Das Reich der Achämeniden (550 - 330 v. Chr.)

Die Gründung des persischen Weltreiches

thumb|300px|Das Perserreich um 500 v. Chr. Der Gründer des persischen Großreiches der Achämeniden war Kyros II., als sein Gestalter gilt jedoch Dareios I.

Kyros wurde kurz nach 560 v. Chr. König von Ansan, einer Region in der Persis unter der Oberhoheit der Meder, die seit etwa hundert Jahren eine Hegemonie über diesen Raum ausübten. Kyros gelang es um 550 v. Chr., diese Oberherrschaft abzuschütteln. In den nachfolgenden Jahren eroberte Kyros das Mederreich und schuf damit die Grundlagen des persischen Großreiches, auch wenn die Meder weiterhin im neuen Reich eine wichtige Rolle spielten. In den griechischen Quellen werden die beiden iranischen Völker als Einheit betrachtet und deshalb die Perser auch als Meder bezeichnet.

Mit dem Sieg über die Lyder unter Krösus 547/46 v. Chr. kam Kleinasien weitestgehend unter persische Herrschaft, ebenso wie die dortigen griechischen Stadtstaaten. 540/39 v. Chr. fiel auch Babylonien an Kyros, der von den Babyloniern begrüßt wurde, zumal das Verhältnis des letzten babylonischen Königs Nabonid zu den einflussreichen einheimischen Priestern gestört gewesen war. Kyros hingegen brachte den babylonischen Gottheiten den größten Respekt entgegen, was die Integration Babyloniens erleichterte. Durch die Eroberung Babyloniens gelangte auch Israel unter persische Kontrolle. In der Bibel sind die Perser folglich als Befreier vom babylonischen Joch fast das einzige nichtjüdische Volk, das stark positiv dargestellt ist, wobei an Kyros ohnehin seine Toleranz gepriesen wurde. Das persische Reich war infolge dieser Eroberungen das erste wirkliche Weltreich der Geschichte.

Dareios I. und der Beginn der Perserkriege

thumb|190px|Dareios I. Nach dem Tod seines Nachfolgers und Sohnes Kambyses, der Ägypten dem Reich eingegliedert hatte, den die Quellen aber in den düstersten Farben beschreiben, kam es zu einer Nachfolgekrise. Der Inschrift von Behistun zufolge tauchte ein Mager mit Namen Gaumata auf und behauptete, Bardiya, der totgeglaubte Sohn des Kyros, zu sein. Dareios I. habe dann den Betrüger besiegt und den Thron bestiegen. Die moderne Forschung hält es für möglich, dass der Bericht des Dareios nicht mehr als ein Rechtfertigungsversuch für dessen Usurpation des Throns und Gaumata tatsächlich der echte Bardiya gewesen sein könnte - diese Theorie kursierte bereits in der Antike und wird schon von Herodot erwähnt, lässt sich aber letztlich nicht beweisen.

Dareios I., ein entfernter Verwandter Kyros' II. (auch wenn Stimmen in der Forschung meinen, dies sei nur eine Konstruktion des Dareios gewesen), komplettierte den Rohbau des Reiches, indem er dessen Verwaltung in Satrapien organisierte, die Wirtschaft stärkte und Teile Indiens und Thrakiens dem Reich anschloss. Außerdem baute er die beiden wichtigsten archämenidischen Residenzen auf, Susa und Persepolis.

Doch kam es bald schon zu einem Ereignis, welches schwerwiegende Folgen für die persische Geschichte haben sollte. Um 500 v. Chr. brach vermutlich auch aufgrund wirtschaftlicher Probleme und nicht nur aufgrund der von Herodot beschriebenen Ereignisse ein Aufstand der kleinasiatischen Griechen aus, der bis 494 v. Chr. andauerte und als Ionischer Aufstand bezeichnet wird. Die Perser reagierten mit einer Strafexpedition gegen das griechische Mutterland, wurden aber 490 v. Chr. bei Marathon von den Athenern vernichtend geschlagen. Dies war der Beginn der so genannten Perserkriege, über deren Verlauf uns Herodot Auskunft gibt, wenn auch manche seiner Beobachtungen mit Vorsicht zu genießen sind. Diese wurden zu einem bestimmendem Element der Beziehungen zwischen den griechischen Poleis und dem Perserreich.

Der weitaus größere Feldzug des Xerxes (die bei Herodot überlieferten Zahlenangaben sind jedoch völlig übertrieben) scheiterte ebenso, in der Schlacht von Salamis und der Schlacht von Plataea wurden die Perser erneut besiegt. Der 481 v.Chr. gegründete Hellenenbund ging gar zum Gegenangriff über und befreite die kleinasiatischen Griechen. Persien akzeptierte diesen Verlust vorläufig, zumal es genügend Probleme im Inneren gab, wie die Abfallbewegung peripherer Reichsteile wie Ägypten, welches aufgrund der Kornversorgung von großer Bedeutung war. Außerdem nahm die Macht der Satrapen zu, von denen einige in der Folgezeit immer wieder den Aufstand probten.

Vom Peloponnesischen Krieg zum Königsfrieden

Es kam wahrscheinlich 449 v. Chr. zum in der Forschung allerdings umstrittenen so genannten Kalliasfrieden, der den Status Quo zementierte: Die Perser akzeptierten die Selbstständigkeit der kleinasiatischen Griechen und betrachteten die Ägäis als ein griechisches Meer, wofür im Gegenzug die Griechen keine kriegerischen Aktionen gegen Persien unternahmen. Doch gab der persische Großkönig mitnichten auf. Im Peloponnesischen Krieg unterstützte Dareios II. Sparta, das im Gegenzug versprach, Kleinasien den Persern zu übergeben. Nach Spartas Sieg kam es darüber zum Konflikt und zu Kampfhandlungen zwischen dem gerade erst siegreichen Sparta und dem Perserreich. Es gelang Sparta nicht, die Perser entscheidend zu schlagen. Die immer noch starke Stellung des Perserreiches, trotz eines Thronkampfes zwischen Artaxerxes II. und seinem Bruder Kyros (siehe auch Xenophons berühmte Anabasis), kam dadurch zum Ausdruck, dass es als Garantiemacht für den so genannten Königsfrieden (auch Frieden des Antalkidas genannt) im Jahre 387/86 v. Chr. auftrat. Darin erreichte der persische Großkönig Artaxerxes II. die Abtretung Kleinasiens, Zyperns und von Klazomenai. Persien profitierte letztendlich am meisten vom Peloponnesischen Krieg, der das Machtgleichgewicht in Griechenland selbst zerstört hatte, wo es nun zu Kämpfen um die Hegemonie zwischen Athen, Sparta und Theben kam.

Innere Verhältnisse im Achämenidenreich

thumb|240px|Die Ruinen von Persepolis

Dass Persien während der Perserkriege nicht mit aller Macht gegen die Griechen vorging, lag auch daran, dass es im Inneren des Reiches stets zu Unruhen kam (Thronkämpfe, Aufstände der besiegten Völker, vor allem in Ägypten, dazu Aufstände einzelner Satrapen), zumal nicht wenige Großkönige eher unfähig waren. Außerdem musste das Perserreich bis hin in die Zeit der Sassaniden sich der Bedrohung der Steppenvölker an der Nordostgrenze erwehren. Dennoch verfügte das Perserreich der Achämendien über eine gewaltige Finanzkraft, was besonders im Peloponnesischem Krieg deutlich wurde, als persische Subsidien den Krieg zu Gunsten Spartas entschieden.

Die Beziehungen zwischen dem Perserreich und den Griechen waren jedoch nicht nur kriegerischer Natur. Vielmehr kam es auch zu einem vielschichtigen kulturellen Austausch. Griechische Söldner waren neben der Leibwache der einzig brauchbare Teil des riesigen, aber relativ wirkungslosen persischen Heeres, das im 4. Jahrhundert v.Chr. an Schlagkraft verlor. Griechische Gelehrte wirkten in Persien. Der persische Einfluss auf die griechische Kultur war geringer, aber dennoch vorhanden (zum Beispiel die Vorstellung eines göttlichen Dualismus), wie doch überhaupt die Griechen durchaus empfänglich für Impulse aus dem Orient waren (Einfluss auf die griechische Literatur seit Homer, wie überhaupt der Schriftlichkeit).

Unter den Achämeniden wurde die von Zarathustra gestiftete Religion (siehe Zarathustrismus) jedoch nicht (!) zur "Staatsreligion" erhoben. Vielmehr ist unklar, in welcher Weise die altpersischen Weisen in dieser Zeit verehrt wurden (vgl. dazu auch M. Boyce: Achaemenid Religion, in: Encyclopaedia Iranica 1 (1985), 426-29). Der "König der Könige" wurde keineswegs als Gottkönig verehrt, stand aber dennoch in einem besonderen Verhältnis zu Auramazda (Gottesgnadentum) und war den einfachen Untertanen völlig entrückt. Dies erklärt auch teilweise, warum die Proskynese von den Griechen in diesem Zusammenhang als Zeichen des "orientalischen Despotimus" gedeutet wurde, welcher den griechischen Freiheitsidealen konträr gegenüber stand.

Der Großkönig stellte seinen Reichtum offen zur Schau (siehe den prächtigen Palast von Persepolis) und regierte mit Hilfe einer straff organisierten Bürokratie (Dienstadel), über eine weitere Abstufung unterhalb der Satrapien ist nichts bekannt. Das Aramäische diente als lingua franca, daneben wurde Altpersisch und Altbabylonisch als Amtssprache benutzt. In religiöser Hinsicht waren die Achämeniden tolerant, was auch ein Mittel war, die Macht in den eroberten Gebieten zu sichern.

Alexander der Große und das Ende der Achämenidenreiches

Artaxerxes III. war der letzte bedeutende Großkönig der Achämeniden. Ihm gelang die Unterwerfung des abtrünnigen Ägyptens, welches sich Jahrzehnte zuvor vom Reich gelöst hatte, doch brach nach seinem Tod 336 v. Chr. der Untergang über das archämenidische Persien herein. Der Makedonenkönig und geniale Feldherr Alexander der Große eroberte (angeblich als Rachefeldzug für die Zerstörung Griechenlands während der Perserkriege, in Wirklichkeit ging es um machtpolitische Interessen) ab 334 v. Chr. das persische Großreich. Dieses war mitnichten ein Koloss auf tönernen Füßen, sondern stellte noch immer ein intaktes Reich dar, Alexanders Feldherrentalent gab jedoch den Ausschlag für die schnelle Eroberung.

left|thumb|250px|Der Alexanderzug Der letzte Achämenide, Dareios III., wurde mehrmals geschlagen und schließlich auf der Flucht von einem seiner Untergebenen umgebracht (330 v. Chr.). Die Idee der Weltmacht lebte jedoch weiter, erst bei Alexander, dann bei seinen Nachfolgern in Persien, den Seleukiden.

Zeit der Seleukiden (305 - 125 v. Chr.)

Hauptartikel: Seleukiden

Nach dem Tod Alexanders kam es zu den so genannten Diadochenkriegen. In diesen setzte sich im Osten ein Weggefährte Alexanders, Seleukos I. durch. Persien war während des Hellenismus jedoch nur teilweise und unvollständig unter der Kontrolle der Seleukiden. Dies war zum einen der Größe des Raumes, andererseits der geringen Anzahl von Griechen bzw. Makedonen geschuldet, die diese Region kontrollieren mussten. Die ersten Seleukiden bevorzugten zwar Makedonen und Griechen, versuchten aber, einen modus vivendi mit den Einheimischen zu schaffen. Diese Ausgleichspolitik war zu Anfang durchaus erfolgreich.

Die ersten Zerfallserscheinungen traten mit dem Abfall Baktriens (ca. 256 oder 240 v. Chr.) auf. So beschränkten die Seleukiden ihre Herrschaft auf den westlichen Teil Irans, auf Mesopotamien, Syrien und Kleinasien. Im Osten traten in dieses Machtvakuum die Parther, die um 240 v. Chr. den Nordosten des Irans in Besitz nahmen. Antiochos III. versuchte noch durch seine berühmte Anabasis (dt.: "Hinaufmarsch"; gemeint ist ein Feldzug in die "Oberen Satrapien", der von 212-204 v. Chr. dauerte), diese Regionen wieder unter die Oberhoheit der Zentralregierung zu zwingen, musste sich jedoch letztendlich mit einer formalen Oberherrschaft zufrieden geben.

In den nächsten Jahrzehnten verloren die Seleukiden, bedingt durch interne Auflösungserscheinungen ihres Staates und stärkeres Engagement im Westen gegen das Römische Reich, fast sämtliche östlichen Territorien. Schließlich ging auch Mesopotamien verloren, womit die Seleukiden auf ihre westlichen Randbesitzungen beschränkt wurden.

Die Arsakiden (ca. 240 v. Chr. - 224 n. Chr.)

Hauptartikel: Parther

Die (nicht-persischen, aber iranischen) Partherherrscher der Arsakiden eroberten während des langsamen Zerfallsprozesses des Seleukidenreiches nach und nach eine Region, die ungefähr deckungsgleich mit dem modernen Irak und Iran ist. Unter Mithridates I. (171-139/38 v. Chr.) besetzten sie 141 v. Chr. Mesopotamien, wobei sie die Seleukiden auf den äußersten Westen ihres ehemaligen Riesenreiches beschränkten, und das gräko-baktrische Reich. Auch wenn das Partherreich weiterhin Angriffen der zentralasiatischen Steppenvölker ausgesetzt war (siehe unter anderem Kuschan) und im Westen Rom aktiv wurde, konnten die Parther sich behaupten.

Vor allem mit Rom brachen die Kämpfe seit den 50er Jahren des 1. Jahrhunderts vor Christus nicht mehr ab. Armenien war und blieb ein Streitpunkt und unter Pompeius wurden die Römer nach Errichtung der Provinz Syria 64/63 v. Chr. zu direkten Nachbarn der Parther. Diese Kämpfe verliefen sehr wechselhaft. So siegten etwa die Parther in der Schlacht bei Carrhae im Jahre 53 v.Chr. über ein römisches Heer (die erbeuteten Feldzeichen wurden 20 v.Chr. von König Phraates IV. dem ersten römischen Kaiser Augustus zurückgegeben). Doch auch wenn es den Römern mehrmals gelang, in das Reich einzudringen (so wurde die de facto Hauptstadt Seleukeia/Ktesiphon wiederholt belagert bzw. erobert), so konnten sie diesen Raum nie dauerhaft in Besitz nehmen: Ihre Invasionen blieben eine Episode, selbst die Eroberungen Trajans, die Hadrian wieder aufgeben musste, oder die insgesamt erfolgreichen Kämpfe des römischen Kaisers Marc Aurel.

Im Inneren waren die Parther der griechischen Kultur gegenüber sehr aufgeschlossen und scheinen generell relativ tolerant gewesen zu sein - wenn auch freilich in Grenzen. Zahlreiche Elemente hellenistischer Herrschaft bestimmten das Leben am parthischen Hof, auch wenn der iranische Einfluss nach der Zeitenwende wieder zunahm. Der Adel hatte gegenüber dem König relativ große Freiheiten; so bemerkte Plinius, seiner Meinung nach sei das Partherreich eine Gruppe von Königreichen. Tatsächlich gab es Unterkönige, doch gefährdeten diese nicht den Gesamtbestand des Staates, der insgesamt sehr locker aufgebaut war. Vor allem ein Element bewährte sich: das parthische Heer, das vor allem aus berittenen Bogenschützen bestand.

Dennoch kam das Ende der Arsakiden aus dem Inneren des Reiches. Der letzte Arsakide, Artabanos IV. (nach anderer Zählung Artabanos V.), wurde vom Unterkönig der Persis, Ardaschir I., im Jahr 224 n. Chr. in der Schlacht von Hurmuzgan getötet. Bald darauf brach die Arsakidenherrschaft zusammen und eine neue Dynastie übernahm die Führung des Reiches: die Sassaniden, die das Reich erneuerten und zu einem tödlicheren Gegner Roms wurden, als es die Parther je waren.

Die Sassaniden (224 - 651)

Hauptartikel: Sassaniden

Das Wiedererstarken Persiens unter den Sassaniden

Die Sassaniden (richtiger: Sasaniden) eroberten innerhalb weniger Jahre den parthischen Raum und drangen zum Teil auch noch weiter vor. Unter ihrer Herrschaft wurde das griechische Element stark zurückgedrängt (eine Tendenz, die bereits unter den Parthern nach der Zeitenwende eingesetzt hatte), und die traditionellen iranischen Werte wurden betont. Die neue Dynastie suchte nach religiöser Legitimation: Der Zoroastrismus wurde so einflussreich wie nie zuvor, auch wenn nicht von einer Staatsreligion im eigentlichen Sinne gesprochen werden kann, denn bis zuletzt wurden in der Regel auch andere Kulte erlaubt. Besonders der wiederholt formulierte Anspruch der sassanidischen Großkönige, König von Iran und Nicht-Iran zu sein, bekräftigte die ehrgeizigen Pläne. Die Sassaniden sahen sich in der Nachfolge der Achämeniden (von denen sie allerdings fast nichts mehr gewußt haben dürften) und knüpften an deren expansiven Politik an: Ziel war es vielleicht, die Grenzen des alten Perserreiches wieder herzustellen - wahrscheinlich ging es faktisch aber nur um die Vertreibung der Römer aus Armenien und Mesopotamien. Bereits unter Schapur I. brachte man den Römern einige empfindliche Niederlagen bei.

thumb|Der Triumph Schapurs I. über Valerian I.

Die römisch-persischen Verhältnisse - zwischen Konfrontation und Koexistenz

Der Konflikt zwischen diesen beiden antiken Supermächten verschärfte sich zunächst zunehmend, es kam jedoch mit der Zeit auch zu einer bemerkenswerten Wandlung: Die Römer akzeptierten die Sassaniden als gleichberechtigt. Für sie waren diese Perser keine Barbaren mehr wie die Germanen, sondern eine zivilisierte, fast gleichstarke, fast (!) ebenbürtige Macht. So waren die Parther nie von den Römern angesehen worden. Auch die Sassaniden sahen die Römer in einem ähnlichen Licht, was die Anreden in überlieferten Briefen deutlich macht (Bruder-Anrede etc.). Bis zum 6. Jahrhundert hatte sich ein ausgefeiltes diplomatisches Protokoll entwickelt, das bei oströmisch-persischen Kontakten zu beachten war. So wurde es üblich, Thronwechsel im eigenen Reich dem anderen offiziell mitzuteilen.

Dennoch brachen im 4. Jahrhundert die Kampfhandlungen nicht ab. Der bedeutende Großkönig Schapur II. führte einen längeren Krieg gegen die Römer, wofür uns ein detaillierter Bericht des Historikers Ammianus Marcellinus vorliegt. Als der römische Kaiser Julian Apostata 363 auf einem Feldzug gegen die Perser fiel, zwang Schapur II. dessen Nachfolger Jovian zu einem für die Römer ungünstigen Frieden: Die mesopotamischen Gebiete um Nisibis, die die Römer 298 erobert hatten, fielen wieder an die Perser. Im Inneren leitete Schapur II. auch eine länger andauernde, politisch motivierte Christenverfolgung ein.

Wahrscheinlich 387 (das Datum ist in der Forschung allerdings umstritten) schlossen Schapur III. und der römische Kaiser Theodosius I. einen Vertrag: der alte Zankapfel Armenien wurde geteilt, die Sassaniden erhielten vier Fünftel des Landes. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Kämpfe seltener: Abgesehen von zwei kurzen Kriegen unter Theodosius II. herrschte von 387 bis 502 Frieden zwischen den beiden Großmächten. Die Römer waren mit der Völkerwanderung beschäftigt, die Sassaniden kämpften an der Nordostgrenze gegen die Hephthaliten, einem Volk hunnischer Abstammung. König Peroz I. (465-484) war ihnen nicht gewachsen und erlitt mehrere Niederlagen; die letzte überlebte er nicht.

Die Mazdakitenbewegung und die Zeit Chosraus I. Anuschirvan - der Höhepunkt der sassanidischen Geschichte

Im Inneren kam es ebenfalls zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen: Der mächtige Adel versuchte seine Rechte offenbar auf Kosten des Königs auszubauen, doch trat ihm König Kavadh I. entschlossen entgegen. Dabei förderte er wohl die Mazdakiten, eine sozial-revolutionäre Bewegung der unteren Schichten. Diese erwiesen sich jedoch als ein nicht minder großes Problem. Erst der bedeutende Großkönig Chosrau I., der große Gegenspieler des oströmischen Kaisers Justinian I., zerschlug die Bewegung und begrenzte die Macht des Adels.

Unter Chosrau I. (genannt Anuschirvan, "mit der unsterblichen Seele"), dem weitreichende Reformen nachgesagt werden, erreichte das Sassanidenreich seinen Höhepunkt. Es konnte sich gegenüber dem Oströmischen Reich in einem mit Unterbrechungen geführten längerem Krieg behaupten (wobei es Chosrau zu Gute kam, dass Byzanz durch die Restaurationspolitik Justinians im Westen gebunden war), die Grenze gegenüber den Steppenvölkern sichern (das Hephthalitenreich wurde mit Hilfe der Türken um 560 zerschlagen), und auch kulturell war dies die bedeutendste Phase des sassanidischen Persien - in mancher Hinsicht des alten Persiens überhaupt.

thumb|250px|Das Sassanidenreich und die Mittelmeerwelt etwa zur Zeit Chosraus I.

Letzter Höhepunkt und Niedergang - von Chosrau II. bis zur islamischen Expansion

Doch konnten seine Nachfolger diesen Zustand nicht erhalten. Sein Enkel Chosrau II. wurde vertrieben und 591 mit oströmischer Unterstützung wieder eingesetzt. Er dankte es den Römern schlecht. Nach dem Tod des Kaisers Maurikios schwang sich Chosrau II. zu dessen Rächer auf und überzog das oströmische Reich mit Krieg. Bis 619 waren Syrien und Ägypten gefallen, und die Sassaniden begannen damit, die eroberten Gebiete administrativ in das Reich einzugliedern. Das alte Achämenidenreich schien wieder auferstanden zu sein. Chosraus christliche Ehefrau Schirin (+ 628) begünstigte die Christen und erhielt nach der Eroberung Jerusalems die Kreuzreliquie. Sie vermochte jedoch nicht, ihren Sohn Merdanschah als Nachfolger durchzusetzen. In Nizamis Epos "Chosrau und Schirin" leben beide weiter. Gegen Ende der Regierungszeit Chosraus erreichte Kaiser Herakleios das Unglaubliche: er führte, trotz der gespannten Lage, einen erfolgreichen Feldzug gegen die Sassaniden, die in der Schlacht bei Ninive im Dezember 627 geschlagen wurden. Chosrau II., der auf die Nachricht von der Niederlage mit Flucht und Panik reagiert hatte, wurde Anfang 628 abgesetzt und bald darauf getötet, während Ostrom die verlorenen Gebiete zurückerhielt (629). Doch war das Sassanidenreich von den langen Kriegen und dem anschließenden langen Bürgerkrieg mit ständig wechselnden Herrschern (und zuletzt auch Herrscherinnen) bald völlig ausgeblutet. Erst Yazdegerd III. saß wieder fest auf dem Thron, doch hatte er keine Gelegenheit mehr, das Reich wieder zu festigen:

Die Araber hatten in ihrem religiösen Eroberungskrieg leichtes Spiel gegen die beiden geschwächten Großmächte der Spätantike (siehe dazu Islamische Expansion). Sie eroberten in kurzer Zeit nicht nur die römischen Ostprovinzen, sondern nach der persischen Niederlage 636 im heutigen Südirak, auch Mesopotamien. 642 vernichteten sie das letzte sassanidische Heer bei Nihavand. Der letzte Großkönig Yazdegerd III. wurde 651 bei Merw im Nordosten des Iran getötet. Versuche seines Sohnes Peroz, mit chinesischer Hilfe den Thron zurückzuerobern, hatten keinen Erfolg. Das letzte altorientalische Reich war damit untergegangen - und mit ihm endete ein bedeutender Abschnitt der antiken Geschichte, auch wenn gerade die sassanidischen Traditionen teilweise Pate standen für das spätere Kalifat in Bagdad.

Siehe auch

Literatur

Es sei besonders auch auf die Literatur verwiesen, die in den jeweiligen Querverweisen aufgeführt ist.

Weblinks

See also: Perserreich, 141 v. Chr., 298, 330 v. Chr., 336 v. Chr., 363, 387, 502, 560, 591