Perspektive

Perspektive (lat. perspectare, durchsehen) fasst die Möglichkeiten zusammen, dreidimensionale Objekte auf einer zweidimensionalen Fläche so abzubilden, dass dennoch ein räumlicher Eindruck entsteht.

Inhaltsverzeichnis

Arten von Perspektiven

Geschichte

Um räumliche Situationen darzustellen oder abzubilden waren perspektivische Verfahren bereits den Römern bekannt. In Pompeji wurden Wandfresken gefunden, die den Raum in einen gemalten Garten fortsetzen sollten. In den darauf folgenden Jahrhunderten wurde dieses Wissen nicht weiterentwickelt; die frühchristliche und mittelalterliche Malerei bediente sich fast ausschließlich der "Bedeutungsperspektive", d.h. die Größe der dargestellten Personen und Gegenstände wurde durch deren Bedeutung im Bild bestimmt, nicht durch ihre räumliche Anordnung. Räumliche Wirkung erzielte man fast ausschließlich durch die Kulissenwirkung. In der Renaissance wurde die Zentralperspektive (im Zusammenhang mit der Camera Obscura) (wieder-) entdeckt, die in etwa dem Sehen mit einem Auge oder einer verzerrungsfreien fotografischen Abbildung entspricht. "Malerarchitekten" wie Filippo Brunelleschi, Leon Battista Alberti und Giotto schufen Werke, die Motive der christlichen Ikonographie in räumlich korrekt konstruierten Architekturkulissen zeigten.
In einem Buch aus dem Jahre 1436 erläuterte Leon Battista Alberti die mathematischen Methoden, mit denen auf Gemälden eine perspektivische Wirkung zu erzielen sei. Albrecht Dürer veröffentlichte 1525 sein Buch Underweysung der messung mit dem zirckel un richtscheyt, das die erste Zusammenfassung der mathematisch-geometrischen Verfahren der Zentralperspektive darstellte und damit auch die Grundlagen der Darstellenden Geometrie bildet.

Beispiele für Perspektiven

Isometrische Projektion

In technischen Darstellungen werden bevorzugt Parallelprojektionsverfahren (wie z.B. die Isometrie) verwandt. Bei einer isometrischen Projektion werden die Einheiten aller drei Koordinatenachsen im gleichen Maßstab dargestellt, d.h. Strecken, die parallel zu den Koordinatenachsen liegen, werden maßstabsgetreu abgebildet. Ein Beispiel ist die Militärperspektive, bei der der Grundriss unverzerrt ist.

thumb|none|Militärperspektive

Axonometrische Darstellung

Bei einer axonometrischen Darstellung sind die Maßstäbe längs der Achsen unterschiedlich. Als Beispiel sei die Kavalierperspektive genannt, bei ihr ist der Aufriss unverzerrt, Strecken, die hierzu senkrecht verlaufen, werden (im Bild mit dem Faktor 0,5) verkürzt dargestellt.

Diese Perspektive wird traditionell in der chinesischen Malerei verwendet.

thumb|none|Kavalierperspektive

Zentralperspektive

In der Architektur und zur Veranschaulichung wird die sog. Zentralperspektive benutzt. In der Zentralperspektive werden raumparallele Kanten nicht abbildungsparallel dargestellt, sondern vereinigen sich in einem scheinbaren Punkt, dem sog. Fluchtpunkt, der bei der Fluchtpunktperspektive ausgenutzt wird. Die einfachste Form der Perspektive bildet die Zentralperspektive mit einem Fluchtpunkt:
thumb|none|Zentralperspektive

Die dem Betrachter zugewandten Flächen des Objektes sind bildparallel, während die in die Tiefe des Raumes führenden Raumkanten sich scheinbar in einem Fluchtpunkt am Horizont vereinigen.

Weitere Varianten stellen die Perspektiven mit zwei – auch Über-Eck-Perspektive genannt – oder drei Fluchtpunkten dar:

thumb|220px|center|zwei Fluchtpunkte thumb|220px|center|drei Fluchtpunkte - Vogelperspektive thumb|220px|center|drei Fluchtpunkte - Froschperspektive

Da bei einer Perspektive mit drei Fluchtpunkten der Horizont notwendigerweise nach oben, bzw. unten wandert, nennt man die jeweiligen Abbildungen auch Froschperspektive oder Vogelperspektive.

Zylindrische Projektion

Verschiedene Künstler wie z.B. M. C. Escher haben mit weiteren Varianten der Perspektive experimentiert, wie z.B. der zylindrischen Projektion. Mit dieser Perspektive sind Panoramen von 180° und mehr perspektivisch real darstellbar, dabei verzerren sich gerade Linien jedoch zu gekrümmten Kurven. Ein Beispiel dafür ist Eschers Lithografie Treppenhaus I aus dem Jahr 1951 (mit "Krempeltierchen").

Bedeutungsperspektive

thumb|Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rubljow

In der Zeit vor der Wiederentdeckung der geometrischen Perspektive wurden in Tafelbildern die sogenannte "Bedeutungsperspektive" benutzt. Die Größe und Ausrichtung der im Bild dargestellten Personen wurde nach deren Bedeutung gewählt: wichtige Protagonisten erschienen groß, weniger wichtige wurden kleiner dargestellt, auch wenn diese sich räumlich vor der anderen Person befinden. In dem Bildbeispiel rechts bezieht sich die quasi-isometrische Perspektive der Fußbänke sich nur auf die jeweilige Figur - in grafisch-kompositorischer Hinsicht ermöglicht diese Anordnung die (flächige) Öffnung des Bildraumes zum Hintergrund. Die "Bedeutungsperspektive" wurde in der Ikonenmalerei genutzt und ist auch heute noch in der naiven Malerei zu finden. Dies ist aber nicht so sehr als bewußte künstlerische Entscheidung zu werten, sondern meist eine Folge der Art in der unser Gehirn Bilder interpretiert.

Luft- und Farbperspektive

thumb|Édouard Manet: La Bar aux Folies Bergères (1882)|right|300px thumb|Ein Beispiel für Luftperspektive in der Fotografie|right|300px

Bei der Luft- und Farbperspektive werden Helligkeits-, Kontrast- und Farbunterschiede verwendet, um eine räumliche Darstellung (Bildtiefe) zu erreichen. So erscheinen Farben in der Nähe kräftiger und wärmer, für entfernte Gegenstände werden weniger gesättigte, kontrastärmere Farben und kältere Farben verwendet. Außerdem können weiter entfernte Gegenstände unschärfer und mit weniger Details dargestellt werden.


Siehe auch

See also: Perspektive, 1436, 1951, Albrecht Dürer, Aufriss, Blickwinkel, Camera Obscura, Filippo Brunelleschi, Fluchtpunkt, Fluchtpunktperspektive