Peter Singer
Peter Albert David Singer (* 6. Juli 1946 in Melbourne, Australien) ist ein australischer Philosoph und Ethiker.
Singer hat in Oxford, an der New York University und der La Trobe University gelehrt und war von 1977-1999 Professor für Philosophie an der Monash University in Melbourne, Australien. 1999 wurde er als DeCamp Professor of Bioethics an das Center for Human Values der Princeton University berufen. 1996 kandidierte er erfolglos für die Grüne Partei um einen Sitz im australischen Senat.
Sein auf dem Utilitarismus gründender rationalistischer Ansatz in der Bioethik fordert, eine begründete, universal gültige Moral anwendbar zu machen.
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Die Befreiung der Tiere
Sein 1975 in englischer Sprache erschienenes Buch Animal Liberation gilt als Grundstein der zeitgenössischen Diskussion über den moralischen Status von Tieren in der Tierrechtsbewegung. In diesem Buch beschreibt er das Phänomen des Speziezismus, die Diskriminierung oder Ausbeutung von Tierarten aufgrund eines angenommenen Vorranges der Spezies Mensch. Singer stellt in diesem Buch die These auf, dass die Zugehörigkeit zu einer Spezies bei der Frage des moralischen Unrechts zu töten keine Relevanz besitzt. Er stellt fest, dass in einer modernen Gesellschaft der Veganismus die einzig moralisch vertretbare Lebensweise sein kann.
Praktische Ethik
In dem Buch Praktische Ethik bezieht er noch deutlicher Stellung und arbeitet eine utilitaristische Position (Präferenzutilitarismus) auf verschiedenen Ebenen der angewandten Ethik aus.
Tiere
In seinem einleitenden Diskurs über das Gleichheitsprinzip stellt er dar, dass Gleichberechtigung in diesem Sinne nicht gleiche Rechte oder gleiche Behandlung für alle Individuen bedeuten kann, wohl aber gleiche Berücksichtigung der Interessen verschiedener Wesen. Weiterhin benennt er die Fähigkeit, Leid und Glück zu verspüren als das entscheidende Merkmal eines Wesens, dessen Interessen berücksichtigt werden sollten.
- Damit ist die Grenze der Empfindungsfähigkeit die einzig vertretbare Grenzlinie für unsere Anteilnahme an den Interessen anderer.
Weshalb ist Töten Unrecht?
Bei der Klärung der Frage warum das Töten von Menschen Unrecht ist unterscheidet Singer zwischen zwei Kategorien des Tötens menschlichen Lebens: erstens die Tötung eines Angehörigen der Spezies homo sapiens, zu der jeder Mensch gehört - auch z.B. ein anenzephalischer Säugling (d. h. ohne Gehirn) (S.118) - und zweitens eine Person, nach John Locke definiert als
- ein denkendes intelligentes Wesen, das Vernunft und Reflexion besitzt und sich als sich selbst denken kann, als dasselbe denkende Etwas in verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten.
Dagegen lässt sich argumentieren, wenn man davon ausgeht, dass der Mensch ein "vernunftbegabtes Wesen" ist,im Unterschied zu Tieren, und egal ob dieses Vernunftvermögen ausgebildet ist oder nicht,es diese Veranlagung, dieses Potential ist, was den Menschen vom Tier unterscheidet.
Das Töten von Embryonen, Föten und Neugeborenen
Bei dem Heranwachsen einer befruchteten Eizelle über den Fötus zum Säugling gebe es keine klare Trennlinie. Singer stellt fest, dass die gängigen Trennlinien wie Geburt, Bewusstsein oder Lebensfähigkeit des Fötus in Bezug auf das Tötungsverbot keinen moralischen Unterschied machen.
- Denn bei jedem fairen Vergleich moralisch relevanter Eigenschaften wie Rationalität, Selbstbewußtsein, Bewußtsein, Autonomie, Lust- und Schmerzempfindung, und so weiter haben das Kalb, das Schwein und das viel verspottete Huhn einen guten Vorsprung vor dem Fötus in jedem Stadium der Schwangerschaft [...]. (S.196f)
Für Singer ist die wichtigste moralische Größe die Leidensfähigkeit des Fötus, die ab einem bestimmten Zeitpunkt einsetzt. Die ernsthaften Interessen einer Frau würden normalerweise jederzeit vor den rudimentären Interessen selbst eines bewussten Fötus Vorrang haben (S.197).
Das Töten von Menschen
Ein Kernpunkt ist die These, dass die Interessen eines Individuums in erster Line nach den spezifischen Eigenschaften, nicht aber nach der Zugehörigkeit zu einer Spezies, zu bewerten seien. Demnach ist das Recht der Unversehrtheit des Individuums auf seiner Fähigkeit zu leiden begründet, und das Recht auf Leben in der Fähigkeit, sich seiner Zukunft bewusst zu sein und sie zu planen. Da z. B. Säuglingen und Menschen mit einer schweren Behinderung dieses Bewusstsein, das Zeitempfinden und die Selbstreflexion fehle, rechtfertigt Peter Singer die schmerzlose Euthanasie, die Sterbehilfe genannter Individuen sowie Schwangerschaftsabbrüche unter bestimmten Umständen.
Arm und reich
Laut Singer ist es nicht moralisch zu rechtfertigen, dass einige wenige Menschen im Überfluss leben während viele andere Menschen in Armut verhungern. Er tritt dafür ein, dass Menschen, die es sich leisten können, 10% ihres Einkommens spenden sollten, um dieser Ungleichverteilung entgegen zu wirken. Zu dieser Forderung kommt er nach einem Diskurs über die Fragestellung: Was ist moralisch schlimmer? Töten oder sterben lassen? unter dem Gesichtspunkt, dass im Falle wirtschaftlichen Überflusses ein Nicht-Spenden dem Sterben-Lassen gleichkomme. Bei den Spenden wiege der entstehende Nutzen den vergleichsweise geringen Verlust des Gebers auf. Er selbst führt 20-30% seines Einkommens an Oxfam und UNICEF ab.
Kritik
Peter Singers Ansichten sind weltweit kritisiert worden, vor allem, weil aus diesem ethischen Konzept sehr drastische Konsequenzen gezogen werden könnten. In Deutschland sind seine Thesen angesichts der während der Zeit des Dritten Reiches durchgeführten Aktion T4 zur "Euthanasie lebensunwerten Lebens" auf besonders deutlichen Widerstand gestoßen. An deutschen Universitäten wurden Veranstaltungen, die Singers Thesen zum Gegenstand der philosophischen Diskussion machen wollten gestört, verhindert und die Veranstalter denunziert und bedroht (Anstötz:1995). Singer selbst versteht diese Angriffe als eine Folge der christlichen Lehre, die Menschen und Tiere weit auseinanderrücke, Menschen eine Seele zuspreche, Tiere aber als seelenlose Dinge betrachte.
Singers ethische Position wird von vielen utilitaristischen Ethikern geteilt, besonders bekannt ist er jedoch durch die explizite Darstellung der sich aus seinem Konzept ergebenden Schlussfolgerungen. Die von ihm aufgeworfenen Kontroversen führt er auf aus dem Zusammenhang gerissene Zitate und ein mangelndes Gesamtverständnis seiner Thesen zurück. Daher hat er versucht, in Writings on an Ethical Life seine Ansichten knapp, aber vollständig zusammenzufassen.
Als Gegenposition zu Singers Ethik entwickelte der Heilpädagoge Dederich den Begriff der "Leiblichkeit" (Dederich, Markus (2000); Behinderung-Medizin-Ethik; behindertenpädagogische Reflexionen zu Grenzsituationen am Anfang und Ende des Lebens), wo der Mensch in seiner Ganzheit aufgefasst und nicht reduziert auf seine kognitive Vermögen wird. Wenn man den Menschen in einer physisch-seelisch-geistigen Zusammenhang betrachtet, wäre es eine unbegreifliche Anmaßung sich das Recht zu nehmen anderes Leben als lebensunwürdig zu bezeichnen.
Links und Literatur
Peter Singers Schriften
- Animal Liberation, deutsch: Die Befreiung der Tiere, 1976, München, Hirthammer, ISBN 3-92-128893-2.
- In defense of animals, deutsch: Verteidigt die Tiere, Wien, Neff, 1986, ISBN 3-7014-0225-6.
- Singer P., Kuhse H.: Should the baby live?, deutsch: Muß dieses Kind am Leben bleiben? : Das Problem schwerstgeschädigter Neugeborener, Erlangen, Fischer, 1993, ISBN 3-89131-110-9.
- Practical Ethics, deutsch: Praktische Ethik, 2. Auflage 1993, Stuttgart, Reclam ISBN 3-15-008033-9.
- Writings on an Ethical Life, 2000, Ecco, ISBN 0-06-019838-9.
- The president of good and evil, deutsch: Der Präsident des Guten und des Bösen - Die Ethik George W. Bushs, Erlangen, Fischer, 2004, ISBN 3-89131-413-2.
- One world - The ethics of globalization, 2nd edition, Yale University Press, 2004, ISBN 0-30010-305-0.
- 'Review of Dearest Pet: On Bestiality by Midas Dekkers'.
Schriften über Peter Singer
- Anstötz, Christoph (Hrsg.): Peter Singer in Deutschland: zur Gefährdung der Diskussionsfreiheit in der Wissenschaft, Frankfurt am Main,Lang, 1995.
- Erika Feyerabend: Die Debatte um Peter Singer in Heidelberg. In: Margret Jäger / Frank Wichert (Hg.): Rassismus und Biopolitik. DISS-Forschungsbericht 1996: ISBN 3-927388-55-6
- Siegfried Jäger, Paul Jobst: Von Menschen und Schweinen. Duisburg, 1992.
Links
- www.utilitarian.net/ umfangreiche Linkliste zu internationalen Beiträgen Singers
- www.ewetel.net/ Linkliste zu verschiedenen Arbeiten und Besprechunge zu Peter Singers Thesen und Büchern
- www.princeton.edu/ Homepage von Peter Singer
- www.heilpaedagogik-online.com/ Interview mit Peter Singer in der Online Zeitrschrift Heilpädagogik 1-2004 (pdf 415kb)
- http://www.uni-bamberg.de/ Ullrich, T.: Aufwertung der Tiere = Abwertung behinderter Menschen – Stimmt diese Gleichung? Eine Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Singer-Debatte, Bamberg, 2000.
- www.heise.de/tp/ Telepolis Artikel: Tötung "lebensunwerten" Lebens? von: Detlef Linke (1996)
- Peter Singer Links auf Deutsch/tp/ [verschiedene Links zu Peter Singer
Links zu anti-Singer Seiten
- Bless Peter Singer - criticism by Rabbi Avi Shafran
- The Worth of Human Life is Unquestionable - rebuttal to Singer's views
- Wall Street Journal attacks animal rights advocate Peter Singer
- Statement of Marca Bistro, chairperson, National council on disability: regarding the hiring of Peter Singer
- Against the Philosophy of Peter Singer - from the Disability Rights Education and Defense Fund (DREDF)
Singer, Peter Singer, Peter
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Singer, Peter Albert David |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | australischer Philosoph und Ethiker |
| GEBURTSDATUM | 6. Juli 1946 |
| GEBURTSORT | Melbourne, Australien |
| STERBEDATUM | |
| STERBEORT | |
