Philosophie bei Tommaso Campanella

Die Philosophie bei Tommaso Campanella bezeichnet die Grundlinien der Philosophie des Tommaso Campanella im biographischem Umfeld seiner Zeit.

Inhaltsverzeichnis

Zur Lage in Kalabrien als Teil des Königreichs Neapel

Als Sohn eines Schusters wurde er in Stilo geboren, einem kleinen Ort im äußersten Süden Italiens in Südosten von Kalabrien. Kalabrien gehörte damals zum Königreich Neapel, das seit 1504 zur spanischen Monarchie gehörte und durch einen Vizekönig und seinen spanischen Beamtenapparat verwaltet wird. Süditalien befand sich im 16. und 17. Jahrhundert in einem Zustand brodelnder Unruhe. Denn während Adel und Geistlichkeit von Abgaben befreit sind, lag auf den armen Schichten, namentlich den Bauern, eine erdrückende Steuerlast. Man mußte, wie es Campanelle ausdrückte, "im Königreich auch dafür bezahlen....., den Kopf auf den Schultern zu behalten."

Zu den ersten Momenten der philosophischen Bildung des Campanella

In dieser Atmosphäre des Hasses und der politischen und sozialen Unterdrückung seiner Heimat durch den spanischen Usurpator wird der junge Camapanella geprägt und so wird der Dreißigjährige zu einem politischen Kämpfer. Das andere Element, das ihn formt, ist die katholischer Kirche, eigentlich aber die kritische Auseinandersetzung mit ihren Lehren. Durch einen Dominikanerkatecheten erhält der begabte Knabe den ersten Unterricht. Im Alter von fünfzehn Jahren (1583) trat er in den Konvent der Dominikaner von Placanica ein und führte von da an den Klosternamen Tommaso (Thomas). Campanella besuchte die Ordensschulen von San Giorgio und Nicastro. Er studierte mit großem Eifer die zugänglichen theologischen und philosophischen Werke, die damals nur über die Kirche erreichbar waren. Sei enormes Gedächtnis, seine rasche Auffassungsgabe, vor allem aber seine Brillanz in der Disputation ließen ihn zu einem erfahrenen Disputanten heranreifen.

Zur Position des Campanella gegen die aristotelische Lehrmeinung

Mit dem Wissen jedoch wächst die Kritik, die sich bald gegen einen Grundpfeiler des scholastischen Lehrsystems richtete, gegen Aristoteles. Er verwarf vor allem die aus dem Intellekt deduzierte und nicht aus der lebendigen Beobachtung der Wirklichkeit gewonnene Naturlehre des Aristoteles und beschuldigte ihn, "die Naturen aller Dinge nach Willkür zu bilden"(1). Campanella wollte dagegen die Dinge selbst kennen lernen:

"Alle Bücher, welche die Welt in sich faßt, können meinen tiefen Wissensdrang kaum
 befriedigen....Das Studium des Weltalls bietet mir kräftigere Nahrung, und dabei wird mein
 Hunger immer größer"(2) 
 

Zur Herausbildung der philosophischen Grundhaltung als 'instauratio scientiarum'

Die bloße Addition von Einzelerkenntnissen reicht ihm nicht aus. Auch die um die Erschließung der Antike bemühten humanistischen Studien lehnte er ab, als verderblich für die wahre Religion, wie er sie verstand(3). Er rang um eine instauratio scientiarum, eine Erneuerung der Wissenschaften aus erneuerten Prinzipien heraus. Campanellla legte seine Ideen in einer Fülle von Schriften nieder(4). Zu ihnen zählen theoretische Abhandlungen, philosophische, theologische und politische Dichtungen in Form von Sonetten, Madrigalen, Canzonen und schließlich in einer umfangreichen Sammlung von Briefen. Darunter befanden sich Schreiben an Männer, die fördernd in seinem Leben wirkten, so an Galileo Galilei, an den franzöischen Philosophen Pierre Gassendi, an den Papst Urban VIII. und an den französischen Minister und Kardinal Richelieu.

Zur pantheistischen Grundlage seiner philosophischen Betrachtungen

Sein literarisches Werk gab einen Einblick in die ganze Breite der Probleme, die ihn beschäftigten. Es enthielt ontologische, erkenntnistheoretische und ethische Fragen ebenso wie theologische Probleme, er beschäftigte sich mit Politik, Ökonomie und Geschichte, und dazu kamen matehmatisch-physikalische und vor allem astronomische und astrologischer Erörterungen. Die aufgeworfenen Fragestellungen bildeten für ihn nicht ein beziehungsloses Nebeneinander. Es gehörte zu den Eigentümlichkeiten seines Werkes, daß er sein Wissen zur Einheit eines umfassenden Ganzen zusammenfügen wollte, dessen Grundstruktur unverkennbar pantheistischer Art war. Gerade dieser Pantheismus weist Campanella, ganz ähnlich wie den von ihm verehrten Giordano Bruno, als einen typischen Repräsentaten der Renaissancephilosophie aus. Nicht daß er wesentliche Elemente der - neuplatonisch gefärbten - Theologie beibehielt, war für seine Leistung entscheidend, sondern daß er starren Fesseln der aristotelischen Scholastik zerbrechen wagte im Namen neuer Denkprinzipien. Welchen Maßstab er dabei anlegte, das zeigte sein Sonett über "Das Glück der Wissenden:

Ein großes Glück ist die Weisheit, und mehr davon zu erwerben, ist ein kostbarer 
 Schatz..(5)      
 

Und so bezeichnet er die Weisheit:

Weise ist, wer die Dinge erkennt, wie sie wirklich sind(6)
 

Zum Einfluß der Philosophie von Bernardino Telesio auf Campanella

Eine erste Anleitung auf diesem Wege zur "wirklichen Erkenntnis der Dinge" erhält der junge Priester noch während seiner Studienjahre in den verschiedensten kalabrischen Dominikanerklöstern durch die Schriften von Bernardino Telesio (1508 oder 1509-1588). Er fand seine eigene Kritik an Aristoteles bei Telesio bestätigt, wenn dieser verlangte:

"daß die Konstruktion der Welt nicht auf apriorische Vernunftschlüsse wie bei den Alten,
 sondern auf Sinneswahrnehmung gegründet und die Natur nach den Dingen selbst erkannt
 werden müsse"(6)
 

Mit Hilfe seiner sensualistischen Erkenntnistheorie wollte Telesio alles Leben auf den Kampf zwischen dem himmlischen Prinzip der Wärme und dem irdischen Prinzip der Kälte zurückführen. Daß er bei dieser im Grunde materialistischen Welterklärung für Gott nur einen bescheidenen Spielraum übrig ließ, brachte ihn in die Nähe der Ketzerei(7). Zurückgezogen durfte der Greis in seiner Heimatstadt Cosenza leben und vor einer von ihm ins Leben gerufenen wissenschaftlichen Gesellschaft Vorlesungen halten. Campanellla, den seine Studie zu dieser Zeit nach Cosenza führten, wurde von seinen Lehrern der Zutritt zum Hause des ketzers verboten. Erst dem toten in der Kirche aufgebahrten Telesio durfte er seine Verehrung bezeigen. Der Einfluß von Telesio war zum Unwillen seiner Oberen so groß, daß er in das Kloster Altomonte verwiesen wurde.

Campanella bejahte wie Telesio die sinnliche Erfahrung als die Quelle für die Erkenntnis der objektiven Außenwelt. Er ging aber, indem er eine umfassende Metaphysik (im Sinne der Lehre vom Seienden) konzipierte, weit über Telesio hinaus. Sie ordnete sich ein in die Auseinandersetzungen des Renaissancehumanismus zur Ünberwindung des mittelalterlichen feudalen Lehrsystems.

Zu den zwei Gedanken in Campanellas Lehrsystem

Auch Campanellas Lehrsystem ging von einem Gehalt aus, daß sich durch zwei Gedanken auszeichnet:

Zum Anspruch auf die Gestaltung einer Welt der Gerechtigkeit und Gleichheit bei Campanella

Sie steht dem von Giordano Bruno vertretenen Pantheismus nahe. Er versteht daher seine Lebensaufgabe als den Kampf gegen die Gebrechen der bestehenden Ordnung, für eine neue Welt der Gleichheit und Gerechtigkeit:

Drei Übel zu besteh'n bin ich geboren:
 Tyrannentum, Spphistik, Heuchelei.
 Drum hab' ich auch, die Seele froh und frei,
 Macht, Weisheit, Liebe treulich zugeschworen....
 Krieg, Pest und Neid und Lüge, Teuerungen,
 Verschwendung, Trägheit, Ungerechtigkeit
 Sind den frei Übeln allesamt entsprungen. -
 Und diese drei gebieret alle Zeitä
 Selbstsucht, die Tochter der Unwissenheit, 
 Sei nun Unwissenheit von mir bezwungen(9)           
 

Zur ersten Konfrontation mit der Inquisition

Es lag auf der Hand, daß Campanella mit einem so verstandenen Lebensauftrag unweigerlich mit den etablierten Mächten geistlicher und weltlicher Art zusammenstoßen mußte. Der Versuch, seine pantheistische Grundkonzeption zu einem detaillierten philosophischen System auszuformulieren, machte ihn aus der Sichte der Kirche zum Ketzer. Zu dürftig war die theologische Verhüllung, unter der er seine vom scholastischem Lehrsystem abweichende Philosophie entwickelte. Zweimal wurde er daher während der unsteten Wanderjahre, die ihn zwischen seinem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahre in Italien umhertrieben und u.a. nach Florenz, Bologna, Padua, wo er 1593 den jungen Mathematikprofessor Galileo Galilei trifft, und Venedig führten, vor das Inquisitionsgericht nach Rom zitiert und dort ins Gefängnis gesteckt. 1591 wurde er erstmals wegen Ketzerei verhaftet. In Florenz wurde er 1592 von Großherzog Ferdinand I. De' Medici mit seinem Ersuchen um einen Lehrstuhl in Pisa abgewiesen und wiederum vor das Inquisitionsgericht in Rom gebracht. Freilich kam er mit einer milden Strafe davon; denn selbst unter den Kardinälen des Heiligen Offiziums fand er Fürsprecher, die sein Wissen und seinen Erkentnisdrang bewunderten und der Kirche als wertvolles Instrument erhalten wollten.

Der Versuch, seine Philosophie auf politisch-sozialem Gebiet in die Wirklichkeit umzusetzen, verwandelte ihn in einen Rebellen. Daß er an dem Märtyrertum, das er für dieses Wagnis erleiden mußte, nicht zerbrach, daß er sich im Gegenteil durch die menschlichen und geistigen Qualitäten, die er in diesen Jahrzehnten entwickelte, einen Weltruf erwarb, verdiente große Achtung. Als er nach den unruhigen Wanderjahren 1598 in den Dominikanerkonvent seiner Heimatstadt Stilo zurückkehrt, hatte sich an den Ausplünderungsmethoden der spanischen Machthaber in Neapel und damit auch am Elend der unteren Bevölkerungsschichten nichts geändert. So fand er ein begeistertes Echo, als er begann, in zündenen Predigten eine nahe Weltenwende zu prophezeien, den Ausbruch eines Reiches der Freiheit und Gleichheit, das Christen, Juden und Türken friedlich vereinen würde.

Zur Planung und Scheitern eines Aufstands gegen die spanische Herrschaft

Campanella hatte bereits einen Aufstand im Auge, wobei er allerdings in den Vorbereitungen eine merkwürdige Mischung aus Umsicht und Leichtsinn zeigte. Umsicht zeigte er, da er wertvolle Verbündete zu gewinnen wusste. Er fand sie nicht nur im niederen Klerus bei den Mönchen der Franziskaner, Augustiner, Zisterzienser und den Dominikanern. Auch einflussreiche kalabrische Grundbesitzer kann er gewinnen, die ihm Hilfstruppen zur Verfügung stellen wollten gegen die Aussicht auf Ministerämter in dem neu zu gründenen Staate. Um den spanischen Nachschub auf See abzuschneiden, setzte er sich über den Baron Mauritio di Rinaldi mit dem Befehlshaber der türkischen Flotte, dem gebürtigen Sizilianer Sinan Bassa Cicale in Verbindung. Dieser sagte seine Unterstützung durch eine Landung zu, wofür er die Stadt Cotrone als Gegenleistung erhalten sollte. Der Plan sah vor, dass Rinaldi mit drei- bis vierhundert Elitesoldaten zuerst die Stadt Cantanzaro besetzen sollte und sich mit den gelandeten Truppen Cicales verbünden sollte. Dann würden auch, so die Erwartung, die anderen Städte sich dem Aufstand anschließen.

Dass dieser Plan durch den Leichtsinn Campanellas scheitern sollte, ist ihm auch anzurechnen. Sieben Tage vor dem Beginn des Aufstands gab er in einer Predigt auf dem Monte Libertá, dem Berg der Freiheit, seine Absichten preis. Ein Mitbruder des Klosters verrät den Plan an den Stadtkommandanten Xavara, der das Koster umstellen ließ und die Mitverschwörer gefangen nimmt. Campanella konnte aber zunächst entkommen, wurde aber bei seiner versuchten Überfahrt nach Sizilien in Reggio di Calabria erkannt und den Spaniern für eine hohe Kopfgeldprämie übergeben. Am 10. September 1599 wurde er einem ersten Verhör unterzogen. Zuerst wurde er im Kastell von Squillac eingekerkert. Dann wurde er mit 165 anderen Verschwörern quer durch Kalabrien über Monteleone zur Küste auf die Galeeren der spanischen Strafexpedition gebracht.

Zur Kerkerhaft und Folterung

Sieben Tage mußte er, auf eine Pritsche am Mastbaum gefesselt, mit ansehen, wie mehrere seiner Mitwissenden aufgehängt werden. Im November 1599, nach der Ankunft in Neapel, wurde er mit seinem Gefolgsmann Frater Dionisio Ponzio aus dem Kloster Nicastro ins Gefängnis Castel Nuovo geworfen. Nun setzte eine Verhandlung über das Schicksal von Campanella ein: die Inquisition verlangte seine Auslieferung, während der Polizeipräfekt von Neapel, Carlo Spinelli als Beauftragter des Vizekönigs Graf von Lemos Fernando de Castro, die Auslieferung ablehnte. Er wird in einen Kerker geworfen und gefoltert, damit er seine Schuld gestehen sollte. Er berichtete:

"Ich bin in fünfzig verschiedenen Kerkern eingeschlossen gewesen und siebenmal der grausamsten Folterung unterzogen worden".

Zu den Schriften in den Jahren der Gefangenschaft

Doch mit eisernem Willen widersteht er die Kerkerhöhlen von Castel dell' Ovo und lehnt jede Mitschuld ab. Im Januar 1603 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt. Während dieser Jahre unter milderen Haftbedigungen von St. Elmo ruht sein Geist aber nicht, sondern es entstehen seine besten Sonette und auch die Niederschrift seiner Utopie vom Sonnenstaat (1602). Während der nachfolgenden Jahre steigert er seine Aktivitäten, so daß ihm sogar Famulanten zur Verfügung gestellt werden. So steigt sein Ruf und lockte viele Besucher an, denen er Manuskripte zu Veröffentlichung mitgab. So kommt es, daß seine Schrift "Civitas Solis" erstmals in Deutschland 1623 von Tobias Adami in lateinischer Sprache veröffentlicht wird als Teil der "Philosophia realis epilogisticae partes IV". Seine Schriften waren nicht frei von widerspruchsvollen Zügen, die auch wohl als taktische Manöver zu werten sind. So schrieb er zur Zeit der Vorbereitungen des Aufstands eine Werk über die "Spanische Monarchie" (von 1598 bis 1600). Er wußte doch, wie oft die "machtlosen Weisen gezwungen werden, zu reden, zu handeln und zu leben wie die Narren, obwohl sie in ihrem geheimen Innern andere Gedanken haben"(10). Daß dennoch sein Bekennermut ungebrochen war, zeigte er in seiner Schrift "Verteidigung für Galilei" (1616), allerdings erfolglos, weil er nichts vom Widerruf Galileis erfahren hatte.

Zu den Schriften in den Jahren der Gefangenschaft

Doch mit eisernem Willen widersteht er die Kerkerhöhlen von Castel dell' Ovo und lehnt jede Mitschuld ab. Im Januar 1603 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt. Während dieser Jahre unter milderen Haftbedigungen von St. Elmo ruht sein Geist aber nicht, sondern es entstehen seine besten Sonette und auch die Niederschrift seiner Utopie vom Sonnenstaat (1602). Während der nachfolgenden Jahre steigert er seine Aktivitäten, so daß ihm sogar Famulanten zur Verfügung gestellt werden. So steigt sein Ruf und lockte viele Besucher an, denen er Manuskripte zu Veröffentlichung mitgab. So kommt es, daß seine Schrift "Civitas Solis" erstmals in Deutschland 1623 von Tobias Adami in lateinischer Sprache veröffentlicht wird als Teil der "Philosophia realis epilogisticae partes IV". Seine Schriften waren nicht frei von widerspruchsvollen Zügen, die auch wohl als taktische Manöver zu werten sind. So schrieb er zur Zeit der Vorbereitungen des Aufstands eine Werk über die "Spanische Monarchie" (von 1598 bis 1600). Er wußte doch, wie oft die "machtlosen Weisen gezwungen werden, zu reden, zu handeln und zu leben wie die Narren, obwohl sie in ihrem geheimen Innern andere Gedanken haben"(10). Daß dennoch sein Bekennermut ungebrochen war, zeigte er in seiner Schrift "Verteidigung für Galilei" (1616), allerdings erfolglos, weil er nichts vom Widerruf Galileis erfahren hatte.

Zur Freilassung und Flucht nach Frankeich

Nach zwanzig Jahren schien sich eine Wende abzuzeichnen. 1616 wird der Herzog von Ossuna, Pedro Téllez-Giron, (1574-1624) neuer Vizekönig von Neapel. Er gestattete Campanelle, seine Schriften zu verfassen. Er bereitet einen Staatsstreich vor und läßt sich von Campanella beraten. Als 1620 der Putsch gelang, wurde er weniger Tage danach von spanischen Truppen niedergeschlagen. Neue Hoffnung kam mit dem Papst Urban VIII. 1623 auf, der als Anhänger Frankreichs ein Gegner Spaniens war. Auf dessen Initiative wird Campanelle am 15. Mai 1626 auf Veranlassung von König Philipp IV. von dem neuen Vizekönig, Herzog von Alba, vom Hochverrat freigesprochen und nach Rom gebracht. An der Jahreswende 1628/1629 erhiet der Sechzigjährige nach dreißig Jahren Gefangenschaft die volle Freiheit zurück und durfte sich als Magister der Theologie frei bewegen. Aber auch jetzt kam er nicht zur Ruhe. Wegen eines versuchten Giftattentats auf den Vizekönig von Neapel verdächtigte man ihn, zum Verschwörerkreis zu gehören. Mit Unterstütuug des Papstes und des französischen Gesandten Graf de Noailles gelingt ihm die Flucht nach Marseille. Anfangs war er in Aix Gast des Numismatikers Nicolas Peiresc, wo er als bekannter Philosoph von berühmten Franzosen geehrt wurde, darunter auch Pierre Gassendi.

Schließlich gelangte er im Dezember 1634 nach Paris, wo er auch wohlwollend empfangen wurde. Er wurde vom König empfangen und Richelieu gewährte ihm eine Jahresrente. Körperlich geschwächt, aber geistig frisch, widmete er sich bis zu seinem Tode wissenschaftlichen Arbeiten im Koster St. Jacob in der Rue St. Honoré in Paris, den ort, wo sich 1789 der "Jakobinerklub" treffen wird.

Zur Charakteristik der Grundzüge der Philosophie bei Camapanella

In Campellas Philosophie zeigten sich der telesianischen Tradition entsprechend sensualistische und materialistische Tendenzen sowie Elemente des Pantheismus, die einen Einfluss von Giordano Bruno nicht ausschließen. Er übernimmt aber nicht den radikalen naturalistischen Pantheismus Brunos, seine Phiosophie tendierte mehr zur deistischen Lösung des Verhältnisses von Natur und Gott, wie sie für den metapyhischen Materialismus und die neue Naturphilosophie des 18. Jahrhunderts charakteristisch ist. Sie spiegelt die beginnende Krise des Pantheismus der Renaissance wider. Die geniale Antizipation einer zukünftigen gerechten menschlichen Gesellschaft verleiht von allen seinen Werken allein dem "Sonnenstaat" eine Jahrhunderte überdauernde Ausstrahlungskraft und stellt diese in Dialogform geschriebene utopische Schilderung eines idealen Gesellschaftzustandes ebenbürtig neben die Schrift "Utopia" des Thomas More.

Zu den Quellen der Schrift des Sonnenstaates

Literaturgeschichtlich gesehen zeigt Campanellas "Sonnenstaat" vor allem den für fast alle Utopisten des 16. bis 18. Jahrhunderts typischen antiken und frühchristlichen Einfluß. Dieser widerspiegelt sich in der "Weibergemeinschaft", wo Camapnella im wesentlichen Platon wiederholte, mehr noch in der führenden Rolle der geistigen Aristokratie in Campanellas Idealstaat, wobei er allerdings das Prinzip der "Regentschaft der Weiber" mit dem Prinzip der Demokratie verband. In seiner Gesellschaft sind alle gleich, sowohl politisch als auch ökonomisch. Er neigte dazu, nicht nur die Kirchenväter Clemens, Augustinus, Tertullian, sondern auch spätere mittelalterliche Theologen (bis zu Thomas von Aquin) als Verteidiger des Gleichheitsprinzips anzusehen, vor allem deshalb, weil die Gütergemeinschaft nicht nur der Vernunft, sondern auch der Bibel entspreche.

Campanella umging stillschweigend, bewusst oder unbewusst, den Klassencharakter der idealen Gesellschaft bei Platon. Ebenso verwies er zwar auf die prinzipiellen Äußerungen der Kirchenväter gegen das Privateigentum, verschwieg aber, dass sie zugleich dessen praktische Unantastbarkeit anerkennen. Er passte Ideen, die auf anderer sozialer Grundlage entstanden waren, den Bedürfnissen seiner Zeit an. Trotz dieser Anleihen an seine philosophsichen und christlichen Vorläufer hat Campanella großen Einfluss auf die weiteren philosophischen Strömungen in Europa ausgeübt.

Werke

Literatur

See also: Philosophie bei Tommaso Campanella, 10. September, 15. Mai, 1504, 1583, 1591, 1592, 1593, 1598, 1599