Phrenologie
thumb|right|Phrenologie-Darstellung Die Phrenologie, (gr. phreno= Geist, Gemüt), ist eine zu Beginn des 19. Jahrhunderts von dem Arzt Franz Josef Gall begründete pseudowissenschaftliche Lehre, die eine Abbildung von geistigen Eigenschaften und Zuständen auf bestimmte, klar zuordenbare Hirnareale zu beschreiben versuchte. Dabei wurde ein Zusammenhang zwischen Schädel- und Gehirnform einerseits und Charakter und Geistesgaben andererseits unterstellt. Trotz ihrer auf unwissenschaftlichen Annahmen basierenden Herangehensweise stellt sie einen wichtigen Vorläufer und Bezugspunkt der modernen Neuro- und Kognitionswissenschaften dar.
Die Phreonologie ist dabei zu unterscheiden von der daraus hervorgegangenen Kraniometrie („Lehre von der Schädelvermessung“). Diese Lehre wurde vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts, besonders im Zusammenhang mit rassistischen Theorien, populär. Kraniometrische Vermessungen waren in der Anthropologie und Ethnologie noch weit verbreitet, heutzutage finden sie außer bei der Vermessung von tierischen Schädelknochen noch Anwendung in der Archäologie, um Erkenntnisse über die Evolution der menschlichen Spezies zu gewinnen.
| Inhaltsverzeichnis |
Gehirn
thumb|Darstellung der Charakteranlagen und Fähigkeiten Das Gehirn wird der Lehre nach in 44 verschiedene Felder (für das Auge sichtbare Ausdehnungen) eingeteilt. Die stärkere oder geringere Entwicklung dieser Felder geben dem Schädel seine charakteristische Form. Jedes dieser Felder hat eine besondere Bedeutung und lässt auf bestimmte Charakterzüge, Triebe und Fähigkeiten eines Menschen schließen.
Berufswahl
thumb|Unternehmer und Direktor Ein praktizierender Phrenologe konnte damals die Talente und Fähigkeiten eines Kindes bereits ab dem sechsten Lebensjahr bestimmen. Oft wurde die erstellte Diagnose für die Berufswahl verwendet.
Aufbewahrte Gehirne
thumb|Die Directrice Die Gehirne bekannter Größen der Geschichte wie z.B. das von Einstein oder Lenin werden, u.a. als Ergebnis dieser Lehre, in konservierter Form noch heute aufbewahrt.
siehe auch: Physiognomik Cesare Lombroso Franz Josef Gall Lage- und Richtungsbezeichnungen
Literatur
- Stephen Jay Gould: Der falsch vermessene Mensch. Frankfurt 1988. ISBN 3518281836
