Klavier

Das Klavier (frz.: clavier "Tastatur") gehört zur Gruppe der Tasteninstrumente. Beim Klavier wird der Klang durch eingebaute Hämmer erzeugt, die auf die Saiten schlagen, von ihnen zurückprallen und von einer speziellen Mechanik (Repetitionsmechanismus) zurückgezogen werden. Dabei lösen sich die Dämpfer von den Saiten und verbleiben solange von ihnen losgelöst, bis die Taste losgelassen wird. Die Tasten selbst befinden sich hierbei auf einer Klaviatur (Tastatur) an der Vorderseite des Instruments. Wissenswertes über das Klavier bietet auch die Seite [1] Der ebenfalls übliche Name Piano ist eine Verkürzung der ursprünglichen Bezeichnungen "Pianoforte" und "Fortepiano" (von italienisch piano: leise und forte: laut), die sich darauf bezogen, dass es mit diesem Instrument im Gegensatz zu früheren Tasteninstrumenten möglich ist, durch unterschiedlich festes Anschlagen der Tasten nach Belieben leise oder laut zu spielen. thumb|250px|Flügel

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Das Klavier besteht aus den folgenden Komponenten:

Klaviatur

thumb|250px|Schematische Darstellung der Klaviatur

Pro Oktave gibt es je sieben große weiße Tasten (früher mit Elfenbein, heute mit Kunststoff beschichtet), die bis an die vordere Kante der Klaviatur reichen, die die Stammtöne (C-D-E-F-G-A-H) hervorbringen. Dazwischen befinden sich fünf kürzere, aber höhere schwarze Tasten (früher aus Ebenholz), die die fehlenden Halbtöne erzeugen.

Klaviere und Flügel, sowie einige Digitalpianos verfügen im allgemeinen über 88 Tasten, mehr als 7 Oktaven.

Pedale

Der Klang kann durch zwei oder drei Pedale beeinflusst werden.

Klangerzeugung

Eine Besonderheit des Klaviers ist, dass die Töne ab der Mittellage aufwärts nicht nur von einer, sondern zwei bis drei identisch gestimmten Saiten erzeugt werden, einem so genannten Saitenchor. Ursprünglich war dies dazu gedacht, die Lautstärke des Klaviers zu erhöhen; es führt aber zu einem komplexen Verlauf des Klanges, der sich aus Sofort- und Nachklang zusammensetzt.

Sofortklang

Als Sofortklang wird der laute, aber schnell abklingende Teil des Klaviertones bezeichnet. Er entsteht hauptsächlich durch die vertikale Schwingung der Saiten, die so über den Steg ihre Schwingungsenergie schnell an den Resonanzboden und als Schall an die Luft abgeben kann. Die Saiten eines Saitenchors werden aufgrund von geringen Unregelmäßigkeiten des Hammers mit leicht unterschiedlicher Amplitude angeschlagen und geben, da sie in Phase schwingen, ihre Energie schnell an die Luft ab. Sobald allerdings eine Saite zur Ruhe gekommen ist, beginnen die Saiten des Saitenchors als gekoppelte Pendel zu schwingen und tauschen ihre Energie hauptsächlich gegeneinander aus, bis sie schließlich aufgrund der Dämpfung zur Ruhe kommen.

Nachklang

Als Nachklang wird der leisere, dafür aber länger klingende Teil des Klaviertones bezeichnet. Er entsteht vor allem durch die immer leicht angeregte horizontale Schwingung der Saiten, die ihre Energie nur sehr schwer über den Steg an die Umgebung abgeben können.

Bei der Verwendung des linken Pedals bleibt von Anfang an eine der Saiten in Ruhe. Der Saitenchor als System gekoppelter Pendel gibt seine Energie dann nur sehr langsam an den Resonanzboden ab. Sie bleibt dem System lange erhalten und führt zu einem leisen, aber sehr lang anhaltenden Ton. Dies ist vor allem bei Pianostellen erwünscht, da der Ton viel länger über der Umgebungslautstärke bleibt, als es nur mit dem Sofortklang möglich wäre.

Geschichte

Zu den Vorläufern des Klaviers gehört das Clavichord. Im 15. Jahrhundert wurde das erste Tasteninstrument mit Hammermechanik entworfen.

Bartolomeo di Francesco Cristofori entwickelte 1709 bzw. 1711 in Florenz das erste moderne Hammerklavier, bei dem ein Hammer mittels einer Stoßzunge gegen die Saite geschleudert wird und sie zum freien Schwingen sofort wieder freigibt. Zwei weitere Erfindungen waren notwendig, um das Instrument spielbar zu machen:

Zusätzlich stammt von Christofori die Doppelsaite, bei der jeder Ton durch zwei gleich gestimmte Saiten erzeugt wird. Durch Betätigen des (heute linken) Piano-Pedals werden die Hämmer leicht seitlich verschoben, so dass nur eine Saite angeschlagen und der Ton somit leiser wird.
Er erfand ebenso das (heute rechte) Forte-Pedal, durch das die Dämpfer auch nach Loslassen der Taste nicht auf die Saiten fallen, der Ton also länger nachklingt.

Im Jahre 1726 hatte Christofori sein Instrument vollendet. Es umfasste vier Oktaven (heutige Klaviere haben über sieben). Heute gibt es noch zwei Originale, eines in Leipzig und eines in New York.

In Deutschland wurde kurz darauf das erste "Pianoforte" von Johann Gottfried Silbermann gebaut und unter dem Namen Hammerklavier populär.

Weitere Entwicklungen folgten:

Bekannte Hersteller

Bekannte Klavierbauer sind (in alphabetischer Reihenfolge): August Förster, Bechstein, Blüthner, Bösendorfer, Feurich, Grotrian-Steinweg, Ibach, Kawai, Pfeiffer, Samick, Sauter, Schimmel, Seiler, Steinway (& Sons), Wilhelm Steinberg, Yamaha, Pallik & Stiasny

Klaviermusik

Das Klavier fand weitestreichende Verbreitung in fast allen Sparten der Musik. Ob als Soloinstrument mit oder ohne begleitendes Orchester, als begleitendes Instrument für Kunstlied, als Ensemble-Instrument in der Kammermusik, als markantes Instrument zur Begleitung von Stummfilmen – wohl für kaum ein anderes Instrument entstand eine derart reichhaltige Literatur, zu der von nahezu allen Komponisten beigetragen wurde und wird. Auch aus Jazz und Popmusik ist das Instrument nicht wegzudenken. Darüberhinaus dient das Klavier allgemein als Proben-Begleitinstrument (vgl. Klavierauszug, Korrepetitor), und zur Nachahmung von Instrumentalensembles und ganzer Orchester. Seit dem 20. Jahrhundert sogar zur Wiedergabe außereuropäischer Ensemblemusik durch Umstimmen von Tonalität und Mensur.

Eines der allgemein bekanntesten Musikstücke für das Klavier ist indes der Flohwalzer, den viele Klavierschüler bald auswendig können.

Professionelle Klavierspieler heißen Pianisten - offenbar nach der früheren Bezeichnung Piano(forte) für ein Klavier.

Weblinks

Siehe auch

See also: Klavier, 15. Jahrhundert, 1709, 1711, 1726, 1775, 1820, 1821, 1826, 1830