Pilger
Pilger stammt vom lateinischen Wort peregrinus ab, was Fremdling bedeutet. Im Kirchenlatein als pelegrinus abgewandelt, bezeichnet es eine Person, die aus religiösen Gründen in die Fremde geht, zumeist eine Wallfahrt zu einem Pilgerort unternimmt, zu Fuß oder unter Verwendung eines Verkehrsmittels.
Der Anlaß kann eine auferlegte Buße sein und das Bemühen, einen Sündenablass zu erhalten, die Erfüllung eines Gelübdes, die Hoffnung auf Gebetserhörung in einem bestimmten Anliegen oder auf Heilung von einer Krankheit, religiöse Vertiefung oder Abstattung von Dank. Ziel ist ein als heilig betrachteter Ort, etwa eine Wallfahrtskirche, ein Tempel, ein Baumheiligtum usw.
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Geschichte
Wallfahrtsorte der Antike
In früher Zeit galten unter anderem bestimmte Höhlen als heilige Orte, einer der berühmtesten Wallfahrtsorte der griechischen Welt war der Tempel der Artemis in Ephesos.
Einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Welt ist seit dem Bau des ersten Israelitischen Tempels bis heute Jerusalem, das zum zentralen Heiligtum der Juden wurde. Heute ist die Stadt allen drei monotheistischen Weltreligionen heilig: den Juden ebenso wie den Christen wegen Tod und Auferstehung Jesu Christi, die Muslime besuchen - außer ihrer Hadsch genannten Wallfahrt nach Mekka und Medina - bevorzugt den Felsendom in Jerusalem.
Christliche Pilger in Spätanike und Mittelalter
Seit im 4. Jahrhundert sich die Kunde verbreitete, Kaiserin Helena habe in Jerusalem die Kreuzreliquien aufgefunden, mehrten sich die Wallfahrten nach Jerusalem. Die früheste schriftlich dokumentierte Reise eines christlichen Pilgers ins Heilige Land führte im Jahre 333 über den Landweg von Bordeaux nach Jerusalem; sie ist festgehalten im Itinerarium Burdigalense, einem auf Latein verfassten Reisehandbuch mit Angaben der Etappen auf dem Weg. Eine ähnlich große Bedeutung erlangte sehr bald Rom als Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus. Später trat Santiago de Compostela hinzu, das vor allem wegen der ausgezeichneten Infrastruktur mit einem von Klöstern betreuten weitgespannten Herbergennetz im Mittelalter führend wurde.
Pilger und Reformation
Zusammen mit anderen Reformatoren wie Zwingli und Calvin wandte sich auch Martin Luther gegen das überhandnehmende, mit Aberglauben und Ablasshandel verbundene Pilgerwesen seiner Zeit. Schon Thomas von Kempen hatte in seiner Nachfolge Christi kritisch vermerkt: Wer viel pilgert, wird selten heilig. Nachdem Norwegen den Protestantismus annahm, wurde dort das Pilgern 1537 sogar unter Todesstrafe gestellt.
Pilger der Neuzeit
Die katholische Kirche hielt gerade in Abgrenzung zu den Protestanten am Brauch der Wallfahrten fest und förderte sie. Ignatius von Loyola schildert beispielsweise in seinem Pilgerbericht seine Wallfahrt nach Jerusalem und Rom.
Die Pilgerväter waren eine Gruppe puritanischer Dissidenten aus England, die nach Amerika segelten, um eine Kolonie zu errichten, in der Glaubensfreiheit herrschen sollte.
In den letzten beiden Jahrhunderten kamen zu den alten Pilgerzielen Marienwallfahrtsorte wie Lourdes und Fatima hinzu. Neben diesen gibt es aber auch noch schier unzählige weitere Pilgerorte.
Bedeutende Wallfahrtsorte weltweit
In Indien gibt es zahlreiche Wallfahrtsorte für Hindus und Buddhisten, u.a. Benares. Vor der Besetzung Tibets durch die Volksrepublik China pilgerten viele tibetische Buddhisten nach Lhasa.
Übertragene Bedeutung
Im übertragenen Sinn werden die Worte Pilger und pilgern auch für den Besuch von Grabstellen bestimmter Stars und Prominenter verwendet, worin eine leicht ironische Anspielung auf die geradezu religiöse Hingabe liegt, die Fans und Verehrer diesen darbringen.
Kategorie:Wallfahrt
