Planetarische Zirkulation
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Auch Allgemeine, Planetare oder Globale Zirkulation (englisch: general circulation, global circulation), bedeutet Luftbewegungen, die den ganzen Erdball betreffen.
thumb|350px|left|Aus der Erwärmung der Luft über dem Äquator (a) resultieren durch Einwirkung der Corioliskraft (b) je drei schlauchförmige Luftzirkulationszellen pro Hemisphäre (c,d)
(1)...Hadley-Zellen und Passatwinde
| Inhaltsverzeichnis |
Grob vereinfachte Vorstellung
- Wesentliche Energiequelle für die zu beschreibenden Bewegungen ist die Sonne, die den äquatornahen Regionen der Erde viel Energie zuführt, den polaren Regionen wenig. Das Temperaturgefälle zwischen Tropen und Polarregionen bedeutet daher grundsätzlich ein Luftdruckgefälle:
- Am Äquator steigt erwärmte Luft auf.
- In Bodennähe strömt (kältere) Luft in Richtung Äquator nach (Bild a).
- Wegen der Erddrehung (und der daraus resultierenden Corioliskraft) werden Bewegungen auf der Nordhalbkugel nach rechts abgelenkt, auf der Südhalbkugel nach links, und eine äquatorwärts strömende Luftmasse wird dadurch auf der Nordhalbkugel zum Nordostwind, auf der Südhalbkugel zum Südostwind (Bild b).
- In der Höhe kommt es zu Ausgleichsströmungen: Luftmassen, die über dem Äquator aufgestiegen sind, strömen in der Höhe wieder polwärts. Am Pol in der Höhe einlangende Luftmassen sinken dort ab (Bilder a, b).
Tatsächlich existieren jedoch auf jeder Hemisphäre drei walzenartige Zirkulationssysteme
- Luftmassen, die in der Höhe vom Äquator polwärts wegströmen, sind auf rund 30° Breite so weit abgekühlt, dass sie absinken.
- Luftmassen, die vom Pol äquatorwärts wegströmen, erwärmen sich und steigen auf rund 60° Breite in die Höhe (Bild c).
- Zwischen diese beiden Systeme jeder Hemisphäre passt jeweils ein drittes, gegenläufiges, hinein.
Sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbkugel finden sich dementsprechend drei Windsysteme, nämlich in Bodennähe…
- Passate, in niedrigeren Breiten, als Nordostpassat auf der Nordhalbkugel, als Südostpassat auf der Südhalbkugel (Hadley-Zellen, Bild d).
- Polare Ostwinde in der Polarzelle (Bild e, fehlt derzeit).
- Westwinde der gemäßigten oder mittleren Breiten, da polwärts strömende Luftmassen wegen der Corioliskraft westliche Winde ergeben (auch Ferrel-Zelle oder Westwinddrift).
Die Innertropische Konvergenzzone, ITC
Die ITC, engl.: Inter-Tropical Convergency Zone, ist die den Erdball umfassende Tiefdruckrinne am Äquator, in der die Passatwinde zusammenströmen, konvergieren. Da die ITC von der Sonneneinstrahlung abhängt, verlagert sie sich im Jahreslauf: Im Nord-Sommer liegt sie nördlich des Äquators, im Süd-Sommer südlich des Äquators. Weiters haben auch langfristig periodisch wiederkehrende Phänomene wie El Niño Einfluss auf die Lage der ITC, und damit auch auf die Lage der anderen Zonen.
- Innerhalb der ITC geraten die Passatwinde gleichsam ins Stocken, da die bisher horizontale Luftbewegung in eine vertikale übergeht. Dies bedeutet einerseits Flautenhäufigkeit, das Gebiet ist eine Kalmenzone, auch Äquatorialer Kalmengürtel genannt. Das schnelle Aufsteigen feuchtwarmer Luftmassen führt jedoch zu hoher Gewitterhäufigkeit.
Die Hadley-Zellen: Passatzonen
Diese Zellen liegen beiderseits der ITC. Hadley-Zellen sind sehr stabil, die daraus resultierenden Passatwinde wehen daher ganzjährig sehr zuverlässig, weshalb sie beispielsweise auf englisch trade winds genannt werden. Die Zirkulation innerhalb der Zelle vervollständigt sich durch Rückströmung von Luftmassen in großer Höhe, den Antipassat (Gegenpassat). Da ein polwärts strömender Wind auf der Nordhalbkugel stets nach Osten abgelenkt wird, ist der nördliche Antipassat ein Südwestwind, der südliche ein Nordwestwind. Das Auseinanderströmen von Luftmassen nennt man auch divergieren.
Anzumerken ist hierbei, dass das Konzept der Hadley-Zelle ein Modell zur Erklärung von Wirkungszusammenhängen in der planetarischen Zirkulation ist. Faktisch können nicht alle der in der ITC extrem schnell aufsteigenden Luftmassen über die Passatwinde aus den Subtropen ausgeglichen werden. Lokal fallen Luftpakete deshalb sogar innerhalb der ITC ab, was auf Satellitenbildern (von z.B. Meteosat) als System von Wolkenclustern zu erkennen ist.
Die Polarzelle: Polare Ostwinde
Polaren Ostwinde, die den Polarkreis erreichen, sind so weit erwärmt, dass sie aufsteigen. Auch die Polarzelle besteht in einem Kreislauf mit entsprechender Gegenströmung in der Höhe. Als polare Hochdruckkappe ist sie, außer am Rand, ebenfalls sehr stabil.
Die instabile Ferrel-Zelle: Westwinddrift
Zwischen den beiden gleichläufigen Systemen Hadley- und Polarzelle jeder Halbkugel, passt je ein drittes gegenläufiges; nicht unähnlich dem Ineinandergreifen von Zahnrädern. Dort wird in Bodennähe Luft polwärts verlagert, woraus unter Einwirkung der Corioliskraft westliche Winde entstehen. Die Zone heißt daher auch Westwindzone oder Westwinddrift der gemäßigten Breiten. Sie ist die instabilste, weil auf rund 60° bis 70° geografischer Breite die feuchtwarmen Westwinde auf kalte polare Ostwinde treffen: die Polarfront bildet sich (Bild f, fehlt derzeit). Die äquatorseitige Grenze liegt bei rund 35° Breite.
Die Polarfront
Das Geschehen an der Front führt zur Bildung von Tiefdruckgebieten, die dann in der Westwinddrift wandern und relativ gut voraussagbares „Schlechtwetter“ mit sich bringen. Vor allem das ständige mäandrieren der Front, die ständig 4-6 Wellen enthält (siehe Rossby-Wellen), macht die Ferrel-Zelle so instabil. Das Entstehen von Tiefdruckgebieten wird Zyklogenese genannt.
Die Rossbreiten
Wenn bei rund 30° Breite Luftmassen absinken, erwärmen sie sich und werden auf Grund der erhöhten Aufnahmefähigkeit an Wasserdampf trocken; das Gebiet ist keine wetteraktive Zone. Es wird seit den ersten Atlantiküberquerungen Rossbreiten genannt, da wegen der unsteten Windverhältnisse die Pferde (Rösser) eingingen oder geschlachtet werden mussten, wenn auf den Schiffen das Trinkwasser knapp wurde. Diese Rossbreiten mussten aber unbedingt durchquert werden, um für die Rückfahrt die Westwinddrift nutzen zu können.
Siehe auch:
- Empfehlenswerter Weblink: Perspektivische Darstellung der Zellensysteme
- Empfehlenswerter Weblink: (a) Theoretisch mögliche und (b) reale Lage der Zonen. Beachte die Polarfront!
- Da Landmassen die Luftströmungen stärker bremsen als Wasserflächen, sind die planetaren Winde auf der Südhalbkugel entsprechend ausgeprägter. Insbesondere die Brüllenden Vierziger, die Westwinde um den 40. Breitengrad Süd, sind als Beispiel zu nennen.
- Um die Lesbarkeit des Artikels zu verbessern, wurde oben auf wikilinks weitestmöglich verzichtet. Eine stark wikifizierte Fassung des selben Artikels findet sich vielleicht demnächst in der Artikeldiskussion. Vorerst werden hier wikilinks zusammengefasst, die für tieferes Verständnis sehr unterschiedlich relevant sind. Relevant ist hier ausdrücklich gemeint als
- für das Verständnis der grundlegenden Zusammenhänge und
- für Laien mit mittlerer Schulbildung und
- soweit nicht bereits im Fließtext integriert.
- Relevant: Walker-Zirkulation, Rossby-Wellen.
- Wind und Luftdruckgürtel (Skizze mit Kurzbeschreibungen und Dutzenden roten wikilinks).
- Mäßig relevant: Divergenz (Meteorologie), Advektion, Konvektion, Subtropenfront, Westwindzone, Jetstream, Monsun.
- Wenig relevant bis irrelevant: Erde (Planet), Geoid, global, Erdachse, Hemisphäre, Nordhalbkugel, Südhalbkugel, Energie, Sonnenenergie, Energiebilanz, Breitengrad, Zenit, Tropen, Pol (Geografie), Albedo, Ekliptik, Jahreszeiten, Wetter, Kontinentalklima, vertikal, Erdatmosphäre, Gradient Temperaturgradient, Dichte, Druckgradientkraft.
- Offen, oder Zuordnung ungeklärt: Gemäßigte Zone, Zirkulationssystem.
- Artikel oder redirect anlegen: Polarfront, Walker-Zirkulation
- Als redirect anlegen: Ferrel-Zelle, Polarzelle.
