Plattform (Roman)
Plattform ist nach Ausweitung der Kampfzone und Elementarteilchen der dritte Roman des französischen Autors Michel Houellebecq. Kontrovers diskutiert wurde Plattform vor allem wegen der vom Protagonisten vertretenen Thesen zum den Themen Sextourismus und Islamismus. Die Kritik nahm den wenige Wochen vor dem Anschlag vom 11. September erschienen Roman sehr gespalten auf: Manche Rezensenten nannten ihn trivial, pornografisch und effektheischend, andere lobten ihn als visionär.
Inhalt
Der 40-jährige Beamte Michel arbeitet im Pariser Kulturministerium. Tatsächlich bringt er für Kultur nicht einen Funken Verständnis auf. Seine Freizeit verbingt er damit, Unterhaltungssendungen im Fernsehen und Peepshows anzuschauen bzw. zu Prostituierten zu gehen.
Als sein ungeliebter Vater von einem Moslem ermordet wird, verliert sich Michel im Hass auf den Islam, den er jedoch bald wieder vergisst: Er erbt eine nicht unbeträchtliche Summe sowie das Haus und das Autos seines Vaters und leistet sich erst einmal eine Urlaubsreise nach Thailand, wo er bei jeder sich bietender Gelegenheit mit Prostituierten schläft - und seinen Mitreisenden erstaunlich offen davon berichtet. Zwar beginnt er auch, sich für die 27-jährige Französin Valérie zu interessieren. Doch Michel hat den üblichen menschlichen Umgang schon so sehr verlernt, dass kaum ein normales Gespräch möglich ist.
Erst als sich Michel und Valérie nach ihrer Rückkehr in Paris wieder treffen, schlafen sie miteinander - und kennen für fast ein Jahr kaum noch eine andere Beschäftigung. Vor allem die - mitunter deutlich geschilderte - körperliche Leidenschaft verbindet die beiden zunächst. Schnell verlieben sie sich ineinander und ziehen zusammen. Valérie - so erfährt Michel erst in Paris - ist eine erfolgreiche Touristikmanagerin. Zusammen mit ihrem Chef Jean-Yves soll sie eine defizitäre Kette von Urlaubsressorts wieder zum Erfolg führen.
Zur Probe besuchen Michel, Valérie und Jean-Yves einen der Urlaubsclubs auf Kuba. Nachdem alle drei Sex mit einheimischen Prostituierten hatten, kommt Michel auf die zündende Idee: Man müsste einen aus dem Katalog buchbaren Sex-Club-Urlaub anbieten.
Jean-Yves ist sofort begeistert. Zusammen mit Valérie macht er sich an die Realisierung der Idee und kann den deutschen Touristikkonzern TUI von seinem neuen Konzept überzeugen. Sogar die hoch gesteckten Erwartungen, die Jean-Yves und Valérie haben, werden von der tatsächlichen Nachfrage nach ihrem Sex-Club-Urlaub noch überboten.
Die drei reisen zur Eröffnung eines neuen Ressorts ins thailändische Krabi. Michel und Valérie haben wieder sehr viel Sex miteinander und mit anderen Touristen sowie mit einheimischen Prostituierten. Sie entscheiden, für immer in Krabi bleiben zu wollen. Michel, der noch vor einem Jahr zu lebenslanger Frustration und Depression verdammt war, scheint endlich glücklich zu werden.
Doch durch einen islamistischen Anschlag auf die sündige Ferienanlage wird das Paar jäh aus seinen Träumen gerissen. Valérie stirbt, Michel überlebt mit leichteren körperlichen Verletzungen. Doch der Schaden, den seine Seele genommen hat, ist nicht mehr heilbar. Nach mehrmonatigen Aufenthalten in Krankenhäusern und psychiatrischen Anstalten wird er entlassen. Michel reist zurück nach Thailand und lässt sich in Pattaya, der Hauptstadt des Sextourismus in Asien, nieder. Ohne jeden Rest von Lebenswillen schreibt er seine Geschichte nieder - und wartet auf den Tod.
