Politische Partei

Die Politische Partei (von lat. pars "Teil") ist ein auf Dauer angelegter Zusammenschluss von Menschen mit dem Ziel durch die Besetzung von politischen Ämtern und durch öffentliche Meinungsäusserung Einfluss auf Entscheidungen im Staat oder in einem Gemeinwesen zu erlangen.

Eine zentrale Tätigkeit der Partei ist die Organisation des Wahlkampfes für ausgewählte Mitglieder (Kandidaten).

Die Organisationsform und der Organisationsgrad von Parteien kann variieren. In einigen Ländern bilden sich zu jeder Wahl neue Gruppen um bekannte Politiker. Diese Wahlvereine unterstützen den Wahlkampf. In anderen Ländern existieren traditionsreiche Parteien mit umfangreichen politischen Gremien, die Kandidaten aus dem Kreis ihrer Mitglieder auswählen.

In Deutschland müssen Parteien registriert werden, zur Gründung einer Partei bedarf es einer bestimmten Menge an Unterschriften deutscher Staatsbürger, die Partei muss innerhalb von 6 Jahren an mindestens einer Bundestags- oder Landtagswahl teilnehmen, um weiterhin als Partei anerkannt zu werden. Nur natürliche Personen können Mitglied einer Partei sein. Das Verbot einer Partei wird in Deutschland durch das Bundesverfassungsgericht beschlossen, wenn die Partei erwiesenermaßen verfassungsfeindlich agiert.

In der Schweiz müssen Parteien nicht registriert werden und die Partei bestimmt in ihren Statuten selbst, wer als Mitglied aufgenommen werden kann. In der Regel sind dies stimmberechtigte und nicht stimmberechtigte Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sowie im Lande wohnhafte Ausländer. Es gibt keine eigene Rechtsform für Schweizer Parteien, sie sind meist als Verein im Sinne von Art. 60 ff ZGB organisiert. Juristische Personen sind als Mitglieder schweizerischer Parteien nicht vorgesehen.

In Österreich müssen Parteien registriert werden, wenn sie sich einer Wahl stellen wollen, und nur natürliche Personen können Mitglieder von Parteien sein.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zur Entstehungszeit der Parlamente waren Parteien oft nur lockere Vereinigungen, die vor allem kurz vor Wahlen tätig wurden, um Kandidaten zu unterstützen. Die ersten Parteien in einem klar definierten Parteien System gab es im englischen Parlament um 1690-1695. "Whig" und "Tory" definierten mehr und mehr eine politische Vorliebe für die verschiedensten Politikfragen. Seit den 1830er Jahren wurden Parteien in England erstmals auch vollständig mit Regierung und Opposition in Verbindung gebracht. Die Bildung von Parteistrukturen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene sowie der Aufbau von Parteisekretariaten mit besoldeten Parteisekretären geht maßgeblich auf die Sozialdemokratie zurück.

siehe auch: Geschichte der Parteien in Deutschland

Arten von Parteien

Man unterscheidet heute immer noch grob nach "linken" und "rechten" Parteien. Diese Unterscheidung geht auf das französische Parlament zur Restaurationszeit zurück. Dort saßen die Gegner der Regierung vom Parlamentspräsidenten aus gesehen links. Andere und oft signifikantere Unterscheidungen sind:

••• demokratische Parteien <-> Parteien, die ein Einparteiensystem anstreben (oft auch mit Gewalt)

••• fortschrittliche Parteien <-> konservative Parteien

••• liberale Parteien <-> Parteien, die viel Staatskontrolle anstreben

••• Regierungsparteien <-> Oppositionsparteien

••• Wählerparteien (nur vor Wahlen aktiv) <-> Meinungsbildungsparteien (mit permanentem politischem Engagement)

••• Volksparteien (inhaltlich und zahlenmäßig breit abgestützte Parteien) <-> Themenparteien (widmen sich nur einzelnen politischen Themen, wirken oft elitär)

••• Führerparteien (eine Person gibt politische Ziele und Wege vor) <-> Basisparteien (politische Entscheide von den Mitgliedern entwickelt und sanktioniert)

Weitere Parteitypen:

Parteien in modernen Demokratien

Eine repräsentative Demokratie ohne Parteien kann nicht funktionieren: Parteien müssen in der demokratischen Struktur für die staatlichen Organe sowie für die Stimm- und Wahlberechtigten zeit- und kostenintensive Dienstleistungen erbringen, die von staatlichen Organen oder anderen privaten Institutionen nicht wahrgenommen werden können. Die Zeit wird von den Parteimitgliedern aufgebracht, und die Kosten werden aus den Mitgliederbeiträgen bzw. in Deutschland inzwischen durch eine überwiegend staatliche Parteienfinanzierung aufgebracht.

Eine besonders wichtige und wertvolle Aufgabe der Parteien ist die Evaluation (Qualitätssicherung!) und Nominationen von Kandidierenden für staatliche Aufgaben.
Die staatlichen Organe erwarten außerdem, dass die Parteien zu allen Sachgeschäften umgehend und professionell Stellung nehmen.
Die Stimm- und Wahlberechtigten erwarten, dass sie von den Parteien informiert werden.

Moderne Demokratien kann man auch in Mehrparteien- und Zweiparteiensysteme unterscheiden. Das Mehrheitswahlrecht trägt zur Bildung von Zweiparteiensystemen bei (z.B. Vereinigtes Königreich, USA), bei dem nur eine Regierungs- und eine Oppositionspartei im Parlament repräsentiert sind, bei allerdings vergleichsweise geringer Bindung des Abgeordneten an Vorgaben seiner Partei, während das Verhältniswahlrecht die Bildung eines Parlaments mit mehreren Parteien begünstigt, wobei jedoch im allgemeinen die Fraktionsdisziplin eine größere Rolle spielt (z.B. Niederlande, Deutschland). Zweiparteiensysteme führen zu klaren Mehrheiten, die Regierungsbildung ist sehr einfach. Mehrparteiensysteme führen zu Koalitionsregierungen, die schwieriger zu bilden sind und wo es leicht zu internen Konflikten kommt. Andererseits spiegelt ein Mehrparteiensystem die komplizierte gesellschaftliche Wirklichkeit besser.

Einparteiensysteme finden sich nur in nicht-demokratischen Staaten.

Siehe auch

Parteien in Europa

Weblinks


Kategorie:Politischer Begriff

See also: Politische Partei, 1933, Avantgarde, Bundesverfassungsgericht, Deutsche Demokratische Republik, Deutschland, Diktatur, England, Europäische politische Partei, Fraktion