Politische Religion

Der Begriff Politische Religion ist ein Analyseinstrument der politischen Sozialwissenschaft, eingeführt durch Eric Voegelin.

Der Begriff ist zu unterscheiden von den Begriffen "säkulare Religion" und "zivile Religion" (Zivilreligion), wenn es auch Gemeinsamkeiten gibt.

Politische Religion gilt als Form totalitärer Regime und Bewegungen (v.a. des Nationalsozialismus und Kommunismus). Dagegen meint zivile Religion eine Form der Sakralisierung der Politik in Demokratien (vgl. die sakralen Tendenzen in den Vereinigten Staaten)

Voraussetzung für die Rede von "Politischer Religion" ist ein weit gefasster Begriff der Religion und des Religiösen:

Die von den politischen Religionen verkündete Heilsversprechung und totale Erlösung hat als unmittelbare Konsequenz in der Herrschaftsausübung die absolute Gewalt und deren absolute Rechtfertigung durch eine politisch-religiöse Ideologie (vgl. zum Beispiel Alfred Rosenbergs "Mythus des 20. Jahrhunderts" als politische Religion)

Dabei gilt es allerdings "politische Religion" einerseits von "politischem Mythos", andererseits von politischer Theologiezu unterscheiden.

Das soziologische Phänomen selbst wurde aber nicht erst von Voegelin im Blick auf den Totalitarismus entdeckt. So schreibt bereits Max Weber 1895:

Weitere Autoren, die versucht haben mit dem Konzept der "Politischen Religion" die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts zu erklären, waren:

Die Vertreter einer Zivilreligion auch für den europäischen Raum (z.B. Hermann Lübbe) wenden sich gegen den Begriff der politische Religion, weil beide Begriffe oft undifferenziert ineinandergeworfen werden. So plädiert Hermann Lübbe für eine Umbenennung des Terminus "Politische Religionen" in "Antireligionen", da totalitäre Regime Religionen immer explizit abgelehnt hätten.

Literatur

See also: Politische Religion, Alfred Rosenberg, Carl Friedrich, Eric Voegelin, Heil, Hermann Lübbe, Ideologie, Kommunismus, Max Weber, Mythus