Politische Theorie

Die Politische Theorie (auch: Politische Theorie und Philosophie oder Politische Theorie und Ideengeschichte) ist das Teilgebiet der modernen Politikwissenschaft, das sich mit den theoretischen Grundlagen der Politik und des eigenen Fachs befasst. Wichtige Arbeitsgebiete sind hier die politische Philosophie, die moderne politische Theorie, die politische Ideengeschichte und die Reflexion über die Reichweite der eigenen Theorien, also die Wissenschaftstheorie.

Inhaltsverzeichnis

Politische Philosophie

Die politische Philosophie beschäftigt sich mit den Grundsätzen von Staatlichkeit, indem zentrale Begriffe wie Freiheit, Gerechtigkeit und Fragen zur "guten" bzw. "schlechten" Politik behandelt werden. Wenn sich die politischen Philosophie mit dem Staat als politischer Organisationsform befasst, wird sie auch als Staatstheorie oder Staatsphilosophie bezeichnet.

Berühmte politische PhilosophInnen des 20. Jahrhunderts waren John Rawls, Michael Walzer und Hannah Arendt, wenngleich sich letztere selbst als Theoretikerin verstand. Überhaupt betrachtet die Politikwissenschaft die zeitgenössische politische Philosophie mitunter als Element der (modernen) politischen Theorie.

Moderne politische Theorie

Die moderne politische Theorie will zum einen Politik, etwa wichtige politische Entscheidungen oder Veränderungen der politischen Organisationsform erklären. Dazu betrachtet sie in der Regel nicht allein politische Einflußfaktoren, sondern auch soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklungen. Darüber hinaus versucht sie grundlegende politische Phänomene, wie etwa Macht, Herrschaft oder Freiheit zutreffend zu beschreiben. Häufig weist sie einen deutlichen normativen Bezug auf. Eine einheitliche moderne politische Theorie gibt es nicht. Es gibt unter anderem liberale und vom Marxismus beeinflusste, strukturalistische und poststrukturalistische Strömungen.

Die moderne politische Theorie und die zeitgenössische politische Philosophie liegen so eng beieinander, dass eine Differenzierung schwerfällt. Eine strenge Trennung ist sicher nicht sinnvoll. Folgende Unterscheidung kann aber getroffen werden: Im Unterschied zur politischen Philosophie, die generell einen starken Wertbezug aufweist, liegen in der modernen politischen Theorie stärker und schwächer normative Ansätze vor. Damit verbunden ist es der modernen politischen Theorie oft ein wichtigeres Anliegen, grundlegende Kategorien der Politik zu analysieren, als das bei der politischen Philosophie der Fall ist. Dennoch sind die beiden Teilgebiete sehr eng verbunden und es geschieht durchaus, dass man mit der Bezeichnung (moderne) politische Theorie die moderne politische Theorie und die zeitgenössische politische Philosophie gleichermaßen umfaßt. So nennt der bedeutende Philosoph John Rawls sein wichtigstes Werk "Eine Theorie der Gerechtigkeit". In diesem Zusammenhang wird mitunter zwischen normativen und empirischen Theorien unterschieden.

Bekannte VertreterInnen der modernen politischen Theorie sind unter anderem (erneut) Hannah Arendt und Nancy Fraser. Auch Soziologen und Philosophen, etwa Niklas Luhmann, Michel Foucault und der Frankfurter Sozialphilosoph Axel Honneth, haben zur Entwicklung der modernen politischen Theorie beigetragen oder eigene Theorien vorgelegt.

Politische Ideengeschichte

Die politische Ideengeschichte (auch: Geschichte der politischen Ideen, Ideengeschichte) stellt gewissermassen die Geschichtsschreibung der politischen Philosophie dar und befasst sich mit den verschiedenen politischen Ideengebäuden und Ordnungsentwürfen der Klassiker des Fachs: antike Autoren wie Aristoteles und Platon sind ebenso Forschungsgegenstand wie Neuzeitler von Thomas Hobbes, John Locke oder Jean-Jacques Rousseau bis John Rawls.

Theorieforschung; Wissenschaftstheorie

Die Theorieforschung arbeitet auf der Metaebene über Grundsätze politikwissenschaftlicher Theorien: Untersuchungen zur prinzipiellen Reichweite, Kritik älterer, Aufbereiten aktueller und Aufstellen neuer Theorien kennzeichnen dieses Gebiet. Somit ist sie eng verbunden mit der Wissenschaftstheorie.

Perspektiven

Die Bedeutung der politischen Theorie hat in den letzten Jahrzehnten entscheidend abgenommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie insbesondere in der deutschen Politikwissenschaft einflußreich (z.B. Freiburger Schule um Arnold Bergstraesser). Zwischenzeitlich ist die Politische Theorie jedoch nur noch Randgebiet des Fachs. Jedoch hat die Politische Theorie unlängst, vor allem durch die Arbeit von John Rawls auch neue Impulse erhalten, es bleibt abzuwarten, ob sie wieder ihre frühere Bedeutung einnehmen wird.

Literatur

Brodocz, André; Schaal, Gary S. (Hg., 2002) Politische Theorien der Gegenwart (2 Bände), Opladen. Göhler, Gerhard; Iser, Matthias; Kerner, Ina (Hg., 2004) Umkämpfte Begriffe, Wiesbaden.

See also: Politische Theorie, Aristoteles, Axel Honneth, Freiheit, Gerechtigkeit, Hannah Arendt, Herrschaft, Jean-Jacques Rousseau, John Locke, John Rawls