Politisches Theater
Politisches Theater ist eine Form des Dramas oder der performativen Kunst, die politische Themen oder Anliegen aufgreift und zum Gegenstand der Handlung macht. Offen politische Formen des Theaters sind zum Beispiel das Straßentheater der San Francisco Mime Troupe oder das Theater von Bertolt Brecht
Politisches Theater kann jedoch auch umfassender definiert werden als ein Theater, das universelle Themen erforscht, die zentral für eine Gesellschaft sind, insbesondere wenn diese Gesellschaft sich selbst als eine politische bewußte definiert. In diesem Sinn waren bereits die ersten westlichen Dramen, die der Polis und den demokratischen Stadtstaaten entwuchsen, extrem politische Dramen. Sie wurden in den großen Amphitheatern aufgeführt. Daß sie in zentralen Arenen, die für theatralische Aufführungen, religiöse Zeremonien und politische Versammlungen genutzt wurden, aufgeführt wurden, verlieh ihnen eine rituelle und soziale Bedeutung, die die Relevanz der verhandelten politischen Themen steigerte. Kontroverse politische Themen wurden im Herzen der Athenischen Gesellschaft zur Diskussion gestellt. Dies erlaubte der ersten Demokratie sich selbstkritisch zu sehen und weiter zu entwickeln.
Shakespeare kann auch als Autor des politischen Theaters betrachtet werden. Seine historischen Stücke wie King Lear and Macbeth untersuchen nicht nur die von persönlichen Trieben und Begierden eingegeben Intrigen, sie untersuchen das Wesen politischer Führerschaft oder den Mangel an ihr und die unglaubliche Komplexität des Verhaltens menschlicher Wesen, die von der Gier nach Macht getrieben werden. Coriolan verhandelt offen die Klassenkämpfe in der römischen Republik.
In späteren Jahrhunderten wurde das politische Theater oft marginalisert und von den Regierungen in eine Außenseiterrolle gedrängt. Mit dem Kabarett oder dem Volkstheater stand es im Ruf ein Theater von und für das Volk zu sein und spezifische politische Ideen, wie Marxismus oder Kommunismus zu vebreiten. Dabei bediente man sich häufig der Agitprop - Methoden. Aber das marxistische Theater war nicht immer so simpel. Bertolt Brecht entwickelt eine neue Astheik, das epische Theater, um den Zuschauer in einer rationaleren, weniger auf Einfühlung setzenden Weise, einzubinden. Brechts Ästhetik beeinflußte politische Theatermacher in der ganzen Welt, besonders in Indien und Afrika.
In den sechziger Jahren des 20. Jahrhnderts entwickelten Autoren wie Peter Weiss und Heinar Kipphardt das dokumentarische Theater, Stücke die sich eng an historische Dokumente wie die Prozessakten des Ausschwitzprozesses in Franfurt ("Die Ermittlung") anlehnten.
Augusto Boal entwickelte das Theater der Unterdrückten
Weniger radikale Varianten des politischen Theaters wie Arthur Millers Stücke (The Crucible, All My Sons) sind Teil des Repertoires geworden. Sie stellen politische Fragen auf eine eher existentialistische Weise. In den Augen mancher nähern sie sich damit dem holistischen Drama der griechischen Antike.
Eine neue Form des politischen Theater entstand in den siebziger Jahren mit feministischen Autorinnen wie z.B. Elfriede Jelinek oder Caryl Churchill. Sie benutzen nichtrealistische Techniken.
Bibliographie
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- Canning, Charlotte, Working from experience : a history of feminist theater in the United States, 1969 to the present, Seattle, Univ. of Washington, Diss., 1991
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- Meier,Christian, Die politische Kunst der griechischen Tragödie, München: C.H. Beck 2001
- Melchinger, Siegfried: Geschichte des politischen Theaters 1 und 2, Frankfurt/Main, Suhrkamp Verlag, 1974
- Patterson, Michael, Strategies of Political Theatre: Post-War British Playwrights, Cambridge University Press 2003
- Piscator, Erwin. Zeittheater : Das politische Theater u. weitere Schriften von 1915 bis 1966, Ausgew. u. bearb. von Manfred Brauneck u. Peter Stertz. Mit e. Nachw. von Hansgünther Heyme, Rowohlts Enzyklopädie , 429. Reinbek bei Hamburg : Rowohlt-Taschenbuch-Verlag. 1986
- Weber, Richard: Proletarisches Theater und revolutionäre Arbeiterbewegung 1918 - 1925. 2. Aufl. Köln : Prometh-Verlag, 1978
Siehe auch
- Dario Fo
- Clifford Odets
- Erwin Piscator
