Pornofilm
Pornofilme sind eine Variante der Pornografie, also der direkten Darstellung der menschlichen Sexualität. In Pornofilmen wird die Darstellung im bewegten Bild, und seit Erfindung des Tonfilmes auch mit Ton vorgenommen. Dabei werden im Gegensatz zum Sexfilm alle gesetzlich erlaubten Formen des Geschlechtsverkehrs gezeigt.
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Die Anfänge
Wie bei vielen "neuen" Technologien (Drucktechnik, Fotografie, Telefon, Video als Medien oder BTX und Internet als Transportweg) wurde auch der Film sehr schnell (erste Filme ab 1860 sind noch erhalten) von den Herstellern der Pornografie als neues Medium aufgenommen und für die Erstellung von bewegter Pornografie, also Pornofilmen, genutzt.
Siehe auch: Geschichte der erotischen Kunst und Pornografie.
Die Industrie
Heutzutage wird von der Porno(film)industrie gesprochen. Einige Zahlen mögen den Umfang verdeutlichen: 1987 wurden in der Bundesrepublik Deutschland etwa 500.000 Pornovideos ausgeliehen, bis 1999 stieg diese Zahl auf etwa 80 Millionen.
Als einer der bekanntesten und finanziell erfolgreichsten Pornofilme gilt Deep Throat, mit Produktionskosten von etwa 20.000 US-Dollar (im Jahr 1972) und Einnahmen aus Verleih, Verkauf und Vorführung von etwa 20 Millionen US-Dollar.
Die Darsteller
Während früher die an der Herstellung von Pornofilmen beteiligten Pornodarsteller eher unerkannt bleiben wollten (auch zum Teil aus Angst vor drohender Strafverfolgung), nutzen heute einige Mitglieder der Branche eine gewisse Popularität bewusst aus, um ihre Karriere gezielt voran zu treiben. Als Beispiele hierfür gelten:
- Cicciolina, mit bürgerlichem Namen Ilona Staller; war 1987 bis 1992 Abgeordnete im italienischen Parlament.
- Dolly Buster, mit bürgerlichem Namen Nora Baumberger (geboren als Katja-Nora Bochnickova); versuchte 2004 in Prag für die Wahl zum Europaparlament anzutreten, zog sich aber wegen eines Eklats mit der Partei Nezavisle Iniciativy (Unabhängige Initiative) wieder zurück.
- John Holmes († 1988 an AIDS ) konnte einen stattlichen Penis von angeblich 35 cm Länge vorweisen und galt damit als Supermann der Branche. Mit dem Film Boogie Nights setzte man Holmes 1997 ein Denkmal.
- Mary Carey, mit bürgerlichem Namen Mary Cook; nahm 2003 an der Wahl zum Gouverneur des Bundesstaates Kalifornien teil. Auch wenn sie nur 11.061 Stimmen erzielen konnte (Wahlgewinner Arnold Schwarzenegger erhielt 4.158.194), schaffte sie es damit unter die "Top 10" der Kandidaten.
- Long Dong Silver (Bekannt für die stattliche Größe seines Penis, der angeblich über 45 cm oder sogar über 50 cm lang sein soll.)
- Gina Wild (Michaela Schaffrath)
- Teresa Orlowski
- Traci Lords, spielte nach ihrer Porno-Zeit in vielen Spielfilmen mit.
- Ginger Lynn
Die Genres
Wie auch bei anderen Filmen gibt es bei Pornofilmen eine Reihe verschiedener Produktionsarten:
- Spielfilm: Meist eine einfache Geschichte, in der jede Gelegenheit zu sexuellen Darstellungen genutzt wird. Oft auch als "Features" bezeichnet.
- Reality-Film: (Angeblich) aus dem Leben gegriffene Verführungen junger Frauen, die auf der Straße angesprochen werden und dann mit auf Hotelzimmer gehen, um dort an sexuellen Darstellungen mitzuwirken.
- Nummern-Filme - Die Porno-Variante des Episodenfilms: Eine Szene nach der anderen, in der nur sexuelle Handlungen gezeigt werden. Bei diesen Filmen wird komplett auf Rahmenhandlung verzichtet. Oft sind die Szenen aus verschiedenen anderen Filmen zusammengeschnitten worden. Nummern-Filme sind häufig auch Zusammenstellungen bestimmter Sexueller Praktiken; oft auch als "Vignettes" bezeichnet.
- Adaptionen großer Publikumserfolge des kulturellen Mainstreams im Hardcore. Wenn etwa aus "Alice im Wunderland" eine "Alice im Spermaland" wird oder aus "Clockwork Orange" "Clockwork Orgy". In den meisten Werken dieser Reihe sind die Bemühungen, dem Original ebenbürtig zu werden jedoch zum Scheitern verurteilt.
- Zeichentrickfilme: Vor allem in Japan hat sich eine eigene Industrie für pornographische Trickfilme entwickelt. Dieses als Hentai bezeichnete Zeichentrickfilmgenre reicht von Softsex-Darstellungen bis zu sehr brutaler, harter Pornographie.
- Gonzo: Meist Pornofilme ohne Handlung, nur aus Sexszenen. Die Besonderheit ist, dass der Kameramann bzw. Regisseur nicht als neutraler Beobachter agiert, sondern für den Zuschauer ersichtlich in das Geschehen - indem er Anweisungen gibt, Dialoge mit den Darstellern führt - eingreift, quasi selbst als Darsteller agiert. Der Regisseur/Kameramann ist also gleichzeitig auch Darsteller. Dieses Genre wurde von John Stagliano erfunden. Eine Unterart hiervon sind die sogenannten P.O.V.-Filme ("Point of View"), in denen die Kameraführung aus der Position eines (meist) männlichen Darstellers erfolgt und dem Zuschauer eine aktive Teilnahme suggeriert.
- Artcore: Filme, die man eigentlich auch durchaus den "Vignettes" bis hin zu den "Features" zurechnen könnte. Sie zeichnen sich jedoch durch besonderes Augenmerk auf Kameraführung, besondere Schnitttechniken, Verwendung von Zeitlupe und Farbverfremdungen aus. Die markantesten Vertreter dieses Genres sind Andrew Blake, Michael Ninn und Christophe Mourthe.
- Neuerdings setzt sich eine weitere Gattung von Hardcore-Pornos durch: Die sogenannten Bukkake-Movies. In diesen Filmen werden die Darstellerinnen von möglichst vielen Männern hintereinander ins Gesicht und auf den Oberkörper mit Sperma bespritzt. Ein Geschlechtsverkehr erfolgt in diesem Genre mit Life-Atmosphäre nur eher 'nebenbei' zur Stimulation der Zuseher und Akteure. Typische Vertreter dieser Gattung sind beispielsweise die GGG-Filme aus München.
Sub-Genres der Pornografie
Diese Liste ist weit davon entfernt umfassend zu sein, da viele verschiedene Arten von Pornografie existieren. Pornografie für unterschiedliche sexuelle Ausrichtungen und Geschmäcker ohne einen speziellen Pornografiebezug sind nicht aufgelistet.
- Amateur Der Produzent versucht hierbei den Eindruck zu erwecken, es handele sich um Amateuraufnahmen. Tatsächlich finden sich allerdings immer wieder private Aufnahmen darunter.
- Creampie bezeichnet Szenen, bei der das Ejakulat den Körper der Darstellerin nach der Ejakulation wieder verlässt.
- Golden Shower bezeichnet das Anpinkeln von Darstellern.
- Voyeur/Hidden camera: Pornografie, die mit versteckter Kamera aufgenommen wird. Oft wird jedoch nur vorgegeben, dass die Darsteller nichts von der Kamera wissen.
- Hentai ist Japanisch für "Pervers, Abartig". Außerhalb Japans werden damit Comics und Animationen im Manga bzw Anime Still bezeichnet, in denen sexuelle Handlungen dargestellt werden.
- Poser porn:Pornografische Bilder die unter Verwendung von Computer Generated Imagery erstellt wurden; auch bekannt als Fake-Porn
- Slash fiction bezeichnet pornografische Geschichten über bekannte erfundene Charaktere, normalerweise Serien- und Filmcharaktere. Diese werden meist nicht zu kommerziellen Zwecken produziert und verletzen oft Copyrights. Häufig werden homosexuelle Handlungen beschrieben. Slash fiction ist die einzige Form der Pornografie, die häufiger von Frauen als von Männern produziert wird.
- Interactive pornography: Meist auf DVD veröffentlichte Filme, in denen man per Fernbedienung in die Handlung eingreifen kann.
- Vintage erotica
- Softcore bezeichnet erotische Darstellungen bei denen die Penetration nicht Explizit dargestellt wird. In Deutschland ist diese Form der Pornografie meist ab 16 oder teilweise ab 18 Jahren freigegeben.
- Hardcore bezeichnet Pornografie in der Penetration explizit dargestell wird. In Deutschland ist diese Form der Pornografie erst ab 18 Jahren Freigegeben.
- Zwillings-Pornos: Die einzige nachweisbare Form der Inzest-Pornografie. Bei sogenannten "Twin"-Pornos kommt es allerdings nur selten wirklich zu sexuellem Kontakt zwischen Zwillingen.
- Deep Throat: war der Name des ersten semiprofessionell gedrehten Hardcore-Pornos in den 70er-Jahren. Deepthroating bezeichnet das Einführen eines Penis in den Mund bis die Lippen an der Peniswurzel anliegen, also "bis zum Anschlag". Deep Throat ist heute auch ein gebräuchlicher Ausdruck für Pornografie in der diese Technik gezeigt wird.
"Frauenfreundliche" Pornofilme
Natürlich muss jede Frau für sich selbst entscheiden, ob ihr Pornofilme gefallen und ob es letztendlich überhaupt so etwas wie frauenfreundliche Pornos gibt. In der Hardcore-Szene sind in den letzten Jahren allerdings einige wenige Filme gedreht worden, die den Anspruch erheben, in diese Richtung sogar wegweisend zu sein. Sei es dadurch, dass Regisseurinnen dafür verantwortlich zeichneten, dass weit mehr Wert auf eine sich erst langsam aufbauende und dann ein zumindest gewisses Niveau haltende Handlung gelegt wurde, oder dass sich die Kameraleute dabei einmal keine "feuchten Nasen" holten. Als besonders bemerkenswert für dieses noch junge Sub-Genre gelten zum Beispiel die unter der Schirmherrschaft von Lars von Trier und seiner dänischen Firma Puzzy Power gedrehten Filme Pink Prison (etwas dümmlicher, weil ggf. eher auf eine männliche Käuferschicht zielender, deutscher Magma-Titel Hinter Gittern gevögelt), Constance (gleicher deutscher Tabu-Love-Titel; Hauptakteurin in beiden Filmen ist die Dänin Katja Kean) und All About Anna (ein deutscher Vertrieb ist derzeit nicht bekannt). Außerdem die auf 35-mm-Material gedrehte "Hochglanz"-Produktion Zazel (deutscher Puaka-Titel Der Duft der Liebe), mit nicht weniger als acht Penthouse- und Hustler-Fotomodells, von Regisseur Philip Mond, mit gewissen Einschränkungen auch die deutschen Produktionen des femme-fatale-Labels und einige weitere Einzeltitel (wie z. B. Conquest mit Jenna Jameson und Torero mit Rocco Siffredi).
Erhöhtes Risiko einer HIV-Infektion
In Pornos werden heterosexuelle Praktiken meist ohne Kondome durchgeführt. In Schwulenpornos hingegen ist der Gebrauch von Kondomen beim Analverkehr inzwischen die Regel; ungeschützten Verkehr bezeichnet man in diesem Zusammenhang als bareback (nackter Hintern). Insgesamt verwenden nach einer Studie der Adult Industry Medical Health Care Foundation nur etwa 17 Prozent der Pornodarsteller Kondome.
Zwar sind in der Pornobranche regelmäßige HIV-Tests üblich, allerdings kann es zwölf Wochen oder länger dauern, bis eine Infektion nachweisbar ist. Dadurch entsteht eine gefährliche Lücke, in der der Infizierte eine große Zahl seiner wechselnden Sexualpartner anstecken könnte. Außerdem sind die Tests freiwillig und werden nicht vor jeder neuen Produktion kontrolliert. Somit haben die Darsteller ein erhöhtes Risiko sich mit HIV und anderen Krankheiten wie Syphilis oder Chlamydien anzustecken.
Nachdem im Jahr 2004 die Infektion zweier Pornodarsteller in den USA bekannt wurde, erwog das kalifornische Gesundheitsministerium die Einführung einer Kondompflicht für Pornoproduktionen.
Vokabular
Genretypische Begriffe:
- cum: Sperma.
- meat-shot (auch pink-shot oder close-up): Nahaufnahme primärer Geschlechtsteile in Aktion.
- Double Penetration: Gleichzeitiger analer, wie vaginaler Geschlechtsverkehr. Ein Dreier.
- femdom: Abkürzung für female domination: Frau dominiert eine andere Frau oder einen Mann
- mature: Sexuelle Darstellung, bei dem ältere Frauen dargestellt werden. Teilweise werden Frauen mit 30 Jahren bereits diesem Genre zugeordnet. Auch: Granny, Grandmother, MOM, MILF (Mothers i would like to fuck)
- feet: Darstellung von Füssen. Die Spanne reicht von einfachen Fotos von Füssen bis zur Einbeziehung der Füsse in eine sexuelle Handlung
- fisting: Einführung der Faust in die Vagina oder in den Anus
Bezeichnungen
Pornofilme und einige ihrer Genres werden unter anderem mit folgenden Begriffen bezeichnet:
- Blue Movie/Blue Film
- Chick Flick
- Dick Flick
- Kinkie
- Nudie
- Privatfilm
- Sexploitation
- Sleaze-Film
- skin flicks
- stag films
Literatur
- Linda Williams, Hard Core. Macht, Lust und die Traditionen des pornographischen Films, Basel und Frankfurt am Main: Stroemfeld 1995, ISBN 3861091038
- Georg Seeßlen, Der pornographische Film, Ullstein, Berlin, ISBN 3550064381
Siehe auch
Kategorie:Pornografie
Kategorie:Filmgenre
