Portwein
thumb|Glas mit Portwein Portwein ist ein schwerer Südwein aus Portugal. Die Trauben dürfen nur von Reben in einem genau umgrenzten Gebiet im nordportugiesischen Douro-Tal geerntet werden. Dann werden sie mit dem Lastwagen (früher mit Schiffen, die heute in Porto zu Dekorationszwecken vor Anker liegen) in die großen Portweinkellereien nach Vila Nova de Gaia, am Ufer des Douro gegenüber von Porto gelegen, gebracht und dort zu Portwein verarbeitet.
| Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
[[Bild:DouroPorto.jpg|thumb|alte Transportboote im Duero in ]]
Seit dem 15. Jahrhundert wurde in Portugal Portwein hergestellt. Ende des 17. Jahrhunderts gelangte der Portwein nach England. In Folge des Kriegs mit Frankreich und des Vertrages von Methuen (1703) wurde Port in England sehr beliebt. Auf die sprunghaft gestiegenen Nachfrage folgte ein Qualitätseinbruch, aufgrund dessen der Premierminister Marquês de Pombal 1756 eine Gesellschaft zur Garantie von Qualitätskriterien initiierte, eine frühe Art der regionalen Qualitätssiegel. Die Satzung sah unter anderem vor, dass ein Kataster der Dour-Ufer angelegt wird. Die Klassifizierung der Weinberge erfolgte in 6 Klassen auf der Grundlage eines Punktesystems mit den Faktoren Klima, Boden, Hangneigung, Meereshöhe, Ertragsmenge sowie Alter der Rebstöcke. Die Rebsorten wurden ebenfalls in 3 Kategorien aufgeteilt.
Die Fässer mit den Portweinen mussten mangels Straßen per Schiff nach Vila Nova de Gaia transportiert werden. Dafür wurde der Rabelo, ein Segler verwendet. Heute haben diese Schiffe ausgedient und liegen nur noch als Werbeträger vor Anker (siehe Foto).
Großbritannien ist auch heute noch eines der Hauptabnehmerländer, und Engländer haben (neben Deutschen und Niederländern) als Besitzer von Portweinfirmen immer eine bedeutende Rolle gespielt. Große Portweinfirmen sind Calem, Ferreira, Messias, Graham´s, Barros, Quinta do Noval, Sandeman, Taylor's. Die meisten Portweinkellereien befinden sich heute im Besitz internationaler Konzerne. Es gibt nur noch wenige Familienbetriebe.
Der Wein
Der eigentliche Vorgang, der Wein zu Portwein macht, ist die Avinierung, das Aufspriten des gärenden Mostes mit hochprozentigem Weindestillat. Hierbei wird die Gärung der Portweine, sowohl rot als auch weiß, durch Zugabe von ca. 80%igem Weindestillat gestoppt. Der Zeitpunkt des Stoppens bestimmt dabei den verbleibenden Restzucker, also die Süße des Portweins. Je weiter der Wein bereits vergoren ist, desto weniger Weinbrand wird hinzugefügt. Portwein darf als Endprodukt einen Alkoholgehalt zwischen 19 und 22 Volumen% aufweisen. Dadurch ist er lange lagerfähig.
Verschiedene Arten des Portweins sind:
- Ruby Port: Verschnitt verschiedenester Jahrgänge roter Trauben. Er wird nach 3 Jahren Lagerung im Fass abgefüllt und verkauft. Deshalb preisgünstigerer Port.
- Tawny Port (tawny = gelbbraun): Dieser Portwein ist etwas trockener und hat, wie der Name andeutet, eine hellere Farbe. Der Verschnitt verschiedener Weine lagert etwa 2-3 Jahre im Fass, bevor er abgefüllt wird.
- Aged Tawny: Diese Weine lagern länger im Holzfass. Es gibt sie als 10, 20, 30 oder 40 Jahre alte Varianten. Die Altersangabe ergibt sich aus dem Durchschnittsalter der für den Verschnitt verwendeten Komponenten. Aged Tawnies sind von wesentlich höherer Qualität als Standard-Tawnies.
- White Port (white = weiss): Dieser "echte" Portwein wird aus weißen Trauben nach gesetzlichen Vorgaben hergestellt. Der Verschnitt lagert circa 2 Jahre, bevor er kühl getrunken wird. Es gibt aber auch Portweine mit jahrzehnte langer Lagerung/Reifung.
- Vintage Character Port: Dieser Port besteht aus den besten Weinen verschiedenster Jahrgänge nur aus dem Cima Gorgo Gebiet.
- Crusted Port: Verschnitt aus Spitzenweinen verschiedenenster Jahrgänge, welcher im Fass 2 bis 3 Jahre lagert. In der Flasche bildet sich ein Bodensatz (crust). Bei Kennern, die nicht den teuren Vintage kaufen wollen, sehr beliebt.
Jahrgangsweine:
- Colheita / Reservas: Nach mindestens 7 Jahren Lagerung im Fass werden diese Weine, die aus verschiedenen Trauben eines Jahrgangs bestehen, abgefüllt. Man könnte Colheitas auch als'Jahrgangs-Tawnies' bezeichnen.
- Vintage Port: Sehr seltener und teurer Portwein der Spitzenklasse. Nur die besten Trauben aus einem Jahrgang werden für einen Vintage Port abgefüllt. Der Port wird zuerst 2 bis 3 Jahre im Eichenfass (wie übringens jeder Portwein) gelagert und anschließend in Flaschen abgefüllt. Der weitere Reifungsprozess des Weines findet in der Flasche statt und kann viele Jahre (wenn nicht Jahrzehnte) dauern. Das portugiesische Portweininstitut muss zu diesem Wein seinen "Segen" geben.
- Late Bottled Vintage Port: Verschnitt aus Trauben eines Jahrgangs wie der Vintage Port. Er lagert aber 5 bis 6 Jahre im Fass, bevor er in Flaschen abgefüllt wird. Hierbei gibt es den gefilterten und ungefilterten LBV.
Alle Grundtypen gibt es in unterschiedlichen Süßegraden:
- Muito Doce / Very Sweet
- Doce / Sweet
- Meio Seco / Semi dry
- Seco / Dry
- Extra seco / Extra Dry
Es gibt auch Portweine, die nur aus Trauben eines Jahres heranreifen. Vintage-Ports werden 2 bis 3 Jahre im Fass gelagert, danach reift der Wein in der Flasche weiter. Trinkbar sind diese Vintages meist erst nach Jahrzehnten. Vintages müssen beim Instituto do Vinho do Porto eingereicht, geprüft und genehmigt werden, in schlechten Jahren gibt es weniger bis keine Vintages. Late Bottled Vintages werden 4 bis 6 Jahre im Fass gelagert. Sie sind in der Regel sofort nach Abfüllung in die Flasche trinkreif. Das selbe gilt für Tawnies.
Rebsorten
Über 80 Rebsorten sind heute in der Region Douro zu finden. Rund die Hälfte davon ist für die Herstellung von Portwein zugelassen und ist in die Kategorien empfohlen, erlaubt und toleriert unterteilt.
Die wichtigsten Rebsorten zur Herstellung des roten Portweins sind Tinta Barroca, Touriga Franca, Touriga Nacional (sie ist die hochwertigste Portweinrebsorte), Tinta Roriz, Tinta Barroca, Tinta Amarela und Tinta Cao.
Beim weißen Portwein werden hauptsächliche die Rebsorten Malvasi Fina, Codega und Rabigato eingesetzt.
Die Reben kommen aus drei Gebieten:
- Das Baixo Corgo um die Stadt Régua im westlichen Teil des Douro-Tals umfasst ca. 28% des DOC Gebiets. In der Nähe des Atlantiks sind die Niederschlagsmengen höher als landeinwärts und die Temperaturen niedriger. Die Weinberge sind weniger steil und die Erdschicht auf dem Schiefer ist tiefer und fruchtbarer. Von hier stammt etwa die Hälfte aller Portweine, vorallem die leichteren Ruby- und Tawnyqualitäten.
- Im Cima-Corgo rund um die Stadt Pinhao wird etwa ein Drittel des Portwein hergestellt. Das Klima ist heißer und trockener, die Hänge sind steil, felsig und karg. Hier sind die berühmten Quintas der Spitzenerzeuger angesiedelt.
- Douro Superior reicht von S.Joao da Pesqueira bis an die spanische Grenze. Das Klima ist extrem trocken. Hier werden nur an einigen Stellen Grundweine für Port hergestellt.
Welcher Port wann und wie
Als Aperitif bieten sich besonders White Port oder Ruby, etwas unter Zimmertemperatur genossen, an. Zum Dessert ist (Fine) Tawny besser geeignet. Eine klassische Kombination ist ein gut gereifter Vintage Port mit einem Blauschimmelkäse wie Stilton. Nüsse und getrocknete Früchte harmonieren hervorragend mit Tawnies. Portweingläser sind relativ klein und verjüngen sich nicht nach oben hin wie übliche Dessertweingläser.
Literatur
- Axel und Bibiana Behrendt: Portwein. Heyne, München 1996 ISBN 3453115279
Weblinks
- Comissão de Viticultura da Região dos Vinhos Verdes (portugiesisch)
Kategorie:Wein
