Post-Abortion Syndrome

Unter dem Begriff Post-Abortion-Syndrom (PAS), auch mit den Synonymen Post-Abortion-Stress(PAS) oder Post-Abortion-Stress-Syndrom(PASS) bezeichnet, werden mögliche psychisch-emotionale Symptome eines Schwangerschaftsabbruchs verstanden.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung des Begriffs und behauptete Symptome

PAS ist weder mit einer einheitlichen Definition besetzt, noch handelt es sich um eine allgemein anerkannte Diagnose. Es gibt unterschiedliche Ansichten, aus welchen Symptomen das Syndrom zusammengesetzt sein soll.

Der Begriff geht Anfang der 1980er Jahre auf den Psychotherapeuten Vincent Rue zurück, der für die Pro-Life-Organisation Ramah-International arbeitete. Er sah Abtreibung als die willentliche Zerstörung eines ungeborenen Kindes und ordnete sie als traumatisch und außerhalb üblicher menschlicher Erfahrungen ein. Daher hielt er PAS für eine Variante der Posttraumatischen Belastungsstörung.

Unter der folgenden Symptom-Beschreibung versuchen Pro-Life-Aktivisten PAS zusammenzufassen: Als minderschwere Symptome werden neben Schuldgefühlen, Trauer und Zukunftsängsten auch Ärger und Wut beschrieben, auf bzw. gegen sich selbst und andere Personen, die gegebenenfalls die Abtreibung befürwortet haben.

Als weitere Symptome werden verstärkt Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Magenschmerzen beschrieben. Weiterhin wird von einer erhöhten Bereitschaft berichtet, Beziehungen aufzulösen. Schwere Komplikationen wie Depressionen oder - im Extremfall - Suizid werden hingegen als selten bezeichnet.

Medizinische und psychologische Bewertung

Weder das medizinische Diagnoseschema ICD-10 noch das psychologisch-psychiatrische Diagnoseschema DSM 4 kennen den Begriff. Auch in der Beschreibung der Auslöser für eine Posttraumatischen Belastungsstörung wird Abtreibung von der American psychiatric Association (APA) nicht aufgeführt.

Studien, die vordergründig psychische Folgen einer Abtreibung nachzuweisen schienen, die über normale Trauer oder Unsicherheiten hinausgehen, genügen aktuellen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht. Weitere Studien, welche einzelne der unter "PAS" beschriebenen Symptome untersuchten, konnten keinen kausalen Zusammenhang mit der Abtreibung herstellen.

Insbesondere von Abtreibungsgegnern wird PAS jedoch weithin als Faktum angenommen. Sie sehen sich durch PAS in ihrer Einschätzung der Abtreibung bestätigt und nutzen den behaupteten Gesundheitsschaden als zusätzliches abschreckendes Argument gegen Abtreibungen. Als wesentliche Belege für die Existenz von PAS werden dabei insbesondere Einzelberichte von betroffenen Frauen angeführt, die psychische Probleme auf eine Abtreibung zurückführen.

Literatur

Weblinks


Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

See also: Post-Abortion Syndrome, 1980er, DSM 4, Definition, Depression, Diagnose, ICD-10, Kopfschmerz, Lebensrechtsbewegung