Postmaterialismus
Postmaterialismus, (von lateinisch post: hinter, nach) ist ein Ausdruck aus der Sozio-/Politologie und der Kulturtheorie und bezeichnet eine Einstellung bestimmter Bevölkerungsgruppen, nicht dem Greifbaren, Materiellen nach zu streben, sondern das "dahinter" bzw das "Übergeordnete" erreichen zu wollen. Für Postmaterialisten ist das Streben nach weltlichen Gütern von geringerer Bedeutung, als bestimmte "abstrakte", "höhere" Werte. Gesundheit, Freiheit, Glück, aber auch Tier- oder Umweltschutz können Beispiele dafür sein.
Obwohl man das Streben nach Geld, Profit etc. ebenfalls als abstrakt ansehen kann, gilt dies nicht als Postmaterialismus. Einige Studien haben vielmehr gezeigt, dass Postmaterialismus tatsächlich erst nach der Etablierung des Materialismus vermehrt auftritt. Diese Studien haben beispielsweise die Wähler grüner Parteien und deren Motive untersucht. Hierbei zeigte sich, dass diese Personen, sowohl was den formalen Bildungsgrad, wie auch das Einkommen betrifft, klar über dem Durchschnitt liegen. Ob nun die Bildung oder aber das Einkommen entscheidend für die Präferenzbildung sind, läßt sich noch nicht abschließend feststellen.
Nach Meinung vieler Vertreter des Postmaterialismus ist die spirituelle orientierte Grundsicht vieler Naturvölker und der daraus resultierende vorsichtige Umgang mit der Natur ein Beispiel dafür, wie Menschen ohne unnütze Ressourcenverschwendung leben können.
Kritiker Verweisen darauf, das isolierte Populationen, wie Regenwaldindianer kein Gegenbeispiel seien, denn deren scheinbar "umweltfreundliches" Handeln ergäbe sich primär aus der Notwendigkeit, die komplexen lokalen Biotope optimal nutzen zu müssen, um das eigene Überleben sicher zu stellen. Der Antrieb sei somit nicht primär ein abstrakter, ideller Wert, sondern im Gegenteil ein sehr konkreter, praktischer.
