Pragmatismus

Der Pragmatismus (pragmatisch; griechisch: nützlich, handelnd, praktisch ) ist eine philosophische Lehre, welche das Denken vom Standpunkt der Brauchbarkeit beurteilt. Wichtige Vertreter dieser Lehre sind William James, John Dewey und Charles S. Peirce.

Der Pragmatismus gilt in angelsächsischen Ländern als eine verbreitete Erscheinungsform der Lebensphilosophie, die starke subjektiv idealistische und agnostische Züge zeigt. Im heutigen deutschen Sprachgebrauch wird unter Pragmatismus allgemein eine zielorientierte Strategie und Handlungsweise verstanden, die sich nicht vorrangig an Doktrinen und Ideologien orientiert. Pragmatisch gilt dabei auch als Gegensatz zu dogmatisch.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Herausbildung des Pragmatismus

Charles Peirce gilt als Begründer des Pragmatismus. William James hat dann mit seiner Veröffentlichung von 1907(1) diese Linie entwickelt. Ferdinand Canning Scott Schiller und John Dewey trugen zur Ausgestaltung des Pragmatismus entscheidend bei. Dabei hat allerdings Dewey den Pragmatismus in einer Form ausgestaltet, die auch als Instrumentalismus bezeichnet wird. Eine bestimmte Übereinstimmung ergibt sich mit den Anschauungen des Positivismus, der die Begründer und die Entwicklung des Pragmatismus stark beeinflusst hat.

Kern der Anschauungen im Pragmatismus

Nach den Ansichten der Pragmatisten sollen sich alle Urteile, Anschauungen, Vorstellungen, Begriffe u.a. der handelnden Menschen als Regeln für das Tätigsein und das Verhalten erweisen. Aus der Haltung des Skeptizismus heraus, dass es dem Menschen nie glaubhaft gelungen sei, die Realität wirklich hinreichend so abzubilden, dass es zur Übereinstimmung mit der Realität gekommen sei, wird auch die bisherige Erkenntnis und das erkannte Wahre nur als Metapher betrachtet. Somit ist die Erkenntnis über die objektive Realität nicht in Übereinstimmung mit den darüber getroffenen Aussagen als Wahrheit aufzufassen, sondern nur aus der praktischen Nutzanwendung zu folgern. Damit wird das Kriterium der Wahrheit zum Kriterium der Nützlichkeit, des Nutzens, des Erfolges. James drückt diese Aussage über die Wahrheit so aus:

„Wahr ist das, was sich durch seine praktischen Konsequenzen bewährt.“

Oder mit anderen Worten (James):

„Eine Vorstellung ist wahr, solange es für unser Leben nützlich ist, sie zu glauben.“

Die Frage der Wahrheit wird zu einer Frage der praktischen Bewährung, ob sie in der Logik, im Labor, in der Firma usw. einen Nutzen darstellt. In der täglichen Praxis ist nicht mehr nach der Wahrheit zu fragen, sondern zu überprüfen, welchen Barwert eine Vorstellung hat. Die Behauptung, der Pragmatismus hätte eine eigene Vorstellung von Wahrheit entwickelt, ist nicht haltbar. Für den Pragmatismus gilt, dass ein wahrer Satz ein Satz sein muss, den man einfach bekräftigen kann. Dieser wahre Satz sollte dann nur noch die Bedingung erfüllen, dass er zu den Sätzen kompatibel ist, an die die Teilnehmer einer Gemeinschaft glauben.

Jede Tätigkeit ist darauf hin zu überprüfen, welche Erfolge (results) sie den sich ändernden und spezifischen Interessen aufweisen.

Die Beziehung zur Moral des Handelns stellt sich den Pragmatisten nicht, denn der Pragmatismus lehnt jede Moral als überkommene Vorurteile ab. Für die Menschen gibt es keine moralischen Probleme, denn der Pragmatismus erkennt keine für den Menschen verbindliche und allgemeine Normen der Moral an.

Zur Kritik und zur Beurteilung der pragmatischen Anschauungen

Die Reduzierung der Wahrheit und die Ausklammerung der Moral auf den vom Interesse des einzelnen oder einer Gruppe von Menschen her bestimmten Nutzen und Erfolg ist das entscheidende Moment der Lebensphilosophie des Pragmatismus. Bei konsequenter Anwendung des Pragmatismus in der täglichen Praxis würde sich ein völliger Relativismus einstellen, der geeignet ist, alle Handlungen zu rechtfertigen, solange sich diese als nutzbringend, erfolgreich oder bewährt herausstellen.

Die Frage der sittlichen Bindung und Gestaltung für die staatlichen Prozesse wird ebenfalls nicht in Betracht gezogen. Würde zum Beispiel eine Rechtsprechung an die Prinzipien des Pragmatismus gebunden, so könnten sich erhebliche Brüche der angelsächsischen Rechtstradition bezüglich der Bestandsnormen des Eigentums ergeben. Insofern kann auch ein Element des Irrationalismus im Pragmatismus enthalten sein.

Die Wirkungen des Pragmatismus auf die angelsächsische Philosophie

Die Begründer des Pragmatismus haben zu sehr verschiedenen Entwicklungen auf den Gebieten der Wahrheit, der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke, zur Natur und zu den Funktionen in der Wissenschaft Beiträge geliefert.

Obwohl viele dieser Beiträge heute in der angelsächsischen Philosophie keine bedeutende Rolle mehr einnehmen, so haben sie doch auf einige Wirkungen gezeigt. So haben sie u.a. Willard Van Orman Quine, Ludwig Wittgenstein, Richard Rorty, George Herbert Mead, Nelson Goodman, Donald Davidson und Wilfrid Sellars beeinflusst.

Literatur

See also: Pragmatismus, 1907, Agnostizismus (Philosophie), Charles Peirce, Charles S. Peirce, Dogmatisch, Doktrin, Donald Davidson, George Herbert Mead, Ideologie