Prakrit

Prakrit (Sanskrit, प्रस्कृत, n., prakṛta, wörtl. "das Gewöhnliche") bezeichnet die Familie der mittelindischen Sprachen, deren bekannteste das Pali ist, die Sprache des Tripitaka. Nach gängiger These handelt es sich um Verwandte des Sanskrit, zumal sich fast alle Prakrit-Wörter von einem Sanskrit-Ursprung herleiten lassen.

Die Prakrits sind hauptsächlich gesprochene Populärsprache, weniger Literatursprache.

Obwohl die Überlieferung des Buddha in Pali erfolgte, sprach er selbst wahrscheinlich Magadhi. Viele Gelehrte legen die Prakrits in die Zeit vor Christi Geburt, wobei sich Datierung schwierig gestaltet und meist mit den historischen Personen des Buddha oder des Königs Ashoka in Beziehung gesetzt wird.

Prakrit ist vielleicht am ehesten mit dem Italienischen zu vergleichen, setzt man das Latein dem Sanskrit gegenüber; auffällig sind die Lautvereinfachungen. So wird beispielsweise aus dem Wort "Tripitaka" (Dreikorb) in Pali "Tipitaka", aus "Sutra" (Faden) wird "Sutta".

Manche Gelehrte assoziieren die Entstehung der Prakrits mit einer generellen Barbarisierung, die in einigen Tantrismus-Schulen (linkshändiger Tantra) schließlich zu einem völligen Verlust jeglicher verständlicher und geschriebener Sprache führte.

Einige Gelehrte vertreten die Auffassung, dass die Prakrits sich vollkommen unabhängig vom Sanskrit aus dem Vedischen entwickelt haben, gar älter seien als das klassische Sanskrit. Mangels schriftlicher Zeugnisse bleibt dies Spekulation; fest steht, dass das gleichzeitig als Lehr- und Sakralsprache verwendete Sanskrit sowie dessen Vorformen befruchtend auf die Prakrits einwirkten. Mit abnehmendem Alter werden die Prakrit-Sprachen jedoch immer laut- und formenärmer und entfernen sich so zunehmend vom gemeinsamen Ursprung.

Viele moderne indische Sprachen leiten sich von den Prakrits her, über die Zwischenstufe des Apabhramsa.

See also: Prakrit, Apabhramsa, Ashoka, Buddha, Latein, Pali, Sanskrit, Sprache, Tantra, Tripitaka