Präsentationsmethode
Eine Präsentationsmethode ist eine Form der Wissens- und Kompetenzvermittlung im Bildungsbereich, des Vorführens und/oder Herbeiführens eines Ergebnisses oder Zwischenergebnisses z.B. im Projektmanagement und allgemein in der Wirtschaft.
| Inhaltsverzeichnis |
Einleitung
Präsentationsmethoden sind ein mittlerweile vielfältig erforschter Bereich. Aus dem Erziehungssystem werden sie aus Unterrichtsmethoden „verneudeutscht“, um sich, zum Teil begründet, gegen alte Lehr-Lern-Formen anzugrenzen.
Das Wirtschaftssystem musste im Zuge einer Umstellung vom Verkäufer- zum Käufermarkt mit Werbestrategien und Kundenorientierung flexibel und erfolgsorientiert neue Strategien und Präsentationsmethoden entwickeln, um Kaufpotential zu binden und Kaufwünsche zu wecken.
Bedingungen des Wandels
Präsentationsmethoden werden stark von der Wahl der Medien, der Erreichbarkeit einer bestimmten Population, von Anforderungen und Bedürfnissen in einer Population und von Werten bestimmt.
Massenmedien
Die massive Zunahme von zunächst schriftlichen Publikationen hat sowohl den Zeitschriftenmarkt als auch den Büchermarkt stark verändert. Logistische Lösungen und internationale Abkommen ermöglichen prinzipiell, jede Zeitschrift und jedes Buch überall auf der Welt kaufen zu können. Dies ist einer der Aspekte des so genannten „Wandels der Arbeitsgesellschaft zur Wissensgesellschaft“.
Multimedia
Mit dem Aufkommen des Internet wurden auch Präsentationen zunehmend vielen Menschen gleichzeitig zugänglich (im Gegensatz z.B. zum Unterricht). Durch hohe Übertragungsraten werden immer komplexere Präsentationen und Präsentationsmethoden möglich. Neben der Wirtschaft wird dies zunehmend im Bildungsbereich genutzt, etwa in online dokumentierten Projekten von Schulen und in der Internet-Recherche für Schulreferate.
Mittlerweile finden sich neben Projekt-, Betriebs- und Konzernpräsentationen wissenschaftliche und halbwissenschaftliche E-Mail-Foren und online-Chats, net-papers, e-zines und online-Enzyklopädien als Präsentationsmethoden.
International und national werden derzeit viele online-Studiengänge angeboten und aufgebaut (e-learning).
Veränderte Arbeitsqualifikationen
Die reichhaltige und oft auch fragwürdige Datenfülle führt zu neuen Anforderungen an vielen Arbeitsplätzen. Gerade für ältere Arbeitnehmer behauptet man, ihnen wäre nach dem Computerschock nun der online-Schock versetzt worden (auch wenn es nur ein Mythos ist, dass ältere Menschen schlechter lernen als jüngere).
Es mussten Strategien entwickelt werden, mit denen mit Hilfe des Internet nachprüfbar möglichst sicheres Wissen vermittelt werden konnte. Deshalb wird zunehmend nach Qualifikationen (auch: Kompetenzen und skills) gefragt, die den Umgang mit der Datenfülle trotzdem zu brauchbarem und präsentierbaren Wissen führen.
Verknüpfungen von betriebswirtschaftliche Bedingungen und der Wissensgesellschaft führen zu veränderten Makro-Methoden, zu denen z.B. Controlling und Projektmanagement, Data-Mining und online-Marketing gehören.
Rasches Einarbeiten, Flexibilität, Problemlösekompetenzen, Strukturierung großer Datenmengen auf Hauptkomponenten, deren Zusammenfassung und kreative Präsentation sind einige der Kompetenzen, die heute sehr gefragt sind. Neuerdings gehört auch der Humor dazu (und sinnvollerweise, wie der Verfasser meint).
Multikulturalität
Nicht nur bewegen sich durch die Globalisierung von Politik und Wirtschaft, Armut und Reiselust immer mehr Menschen zeitweise oder dauerhaft in fremde Länder, auch der Datenverkehr findet international bereits so rasch statt, dass ein schneller Austausch von Informationen über mails mit Wissenschaftlern, Wirtschaftsleuten oder einfach mit Freunden ermöglicht wird.
Die zunehmende Vielfalt von Kulturen im Internet begünstigt aber auch die visuelle Präsentation von Informationen und das Zurücknehmen von sprachlichen und sprachkompetenten Anteilen.
Zudem kann man heute von einem Wandel der Gruppenbildungen durch den internationalen raschen Datenfluss sprechen, so dass neue kulturelle Unterströmungen entstehen, die nicht durch räumliche Nähe gekennzeichnet sind. Online-Spiele wie Ragnarök werben damit, an einem Mythos mitzuschaffen, Harry-Potter-Fans tauschen sich online die neuesten Informationen über das nächste Buch und den nächsten Film aus, Video-, Software-, Film- und Musikpiraterie schädigen die entsprechenden Konzerne massiv und verweisen auf neue Formen der organisierten Kriminalität und auch faschistische, national-sozialistische, terroristische und anti-demokratische Gruppierungen vertreiben ihr Werbe- und Infomaterial massiv über das Internet.
Wandlung traditioneller Werte
Heimatverbundenheit, betriebliche Treue und Spezialisierung, gebildete und gepflegte Lektüre als Zeichen von hohem kulturellen Rang, ausgefeilte Sprache und kompetente Grammatik verlieren zunehmend ihren Stellenwert.
Demgegenüber sind prognostizierte neue Werte wie Ablehnung von Bildung, Unterordnung und Verpflichtung, hohe Ansprüche in der Selbstverwirklichung, Gleichstellung der Geschlechter, ökologisches Bewusstsein oder Skepsis gegenüber Industrialisierung, Gewinnmaximierung und technischen Wandel kritisch zu sehen.
Auch die Erosion christlicher Werte zumindest in den so genannten christlichen Ländern ist nur mit größter Vorsicht für den Wertewandel verantwortlich zu machen.
Auswirkung auf das Bildungssystem
Vermittlung von Schlüsselqualifikationen und Basiskompetenzen
Präsentationsmethoden zu nutzen und zu gestalten heißt heute zunehmend, Schlüsselqualifikationen zu trainieren. Recherche, Analyse, Synthese, Bewertung, Kreativität, Flexibilität, Konflikt- und Kritikfähigkeit, Problemlösen und anderes mehr sollen heute im Unterricht mitvermittelt werden.
Zudem wird immer wieder betont, dass solche kleinräumigen und mikropolitischen Kompetenzen durch großräumige, makropolitische Kompetenzen ergänzt werden müssen. Für die Demokratie werden, teilweise modisch, teilweise auch missbräuchlich, Solidarität, Verantwortungsbewusstsein, Zivilcourage u.ä. eingefordert. Damit einher gehen teilweise alte, teilweise neue Präsentationsmethoden im Unterricht wie Expertenbefragungen und originäre Begegnungen, Telefon- und Interviewtraining oder Streitgespräche.
Basiskompetenzen werden häufig eingeteilt in
- Fach- oder Sachkompetenz
- Personal- oder Ichkompetenz
- Sozial-, Wir- oder Dukompetenz und
- Methodenkompetenz
Dies alles führt – so die Forschung - zu Handlungskompetenz.
Lernen
Nicht nur die neurophysiologischen Erkenntnisse haben die Lehr-Lern-Situation verändert, auch die mediale Umwelt beeinflusst massiv die Präsentationsmethoden. Zunehmend wird erkannt, dass diese handlungsorientiert, möglichst alle Sinne einbindend sein müssen und aus individuellen, teils sehr spezifischen Motivationslagen gelernt wird. Die reine Reproduktion von Wissen und deren spezifische Präsentationsmethoden werden nicht mehr so hoch geschätzt. In den letzten Jahren wird aber wieder verstärkt das Üben von Lernstoffen als wichtig betont und damit einübende Präsentationsmethoden.
Übersicht über Präsentationsmethoden
Die Trennung und Klassifizierung von einzelnen Methoden in den einen oder anderen Bereich ist sehr problematisch. So laufen Erzählungen einerseits nach relativ strengen Regeln ab, sind also programmiert, gehören aber auf der anderen Seite zu den Medien.
nach Medien
(mit Medien sind hier alle mit Sinnen aufnehmbaren Präsentationsmethoden gemeint; sie sind hier unspezifisch aufgelistet)
klassische Medien: Gespräch und Dialog, Schrift, Brief, Buch, Zeitung, Bild, Erzählung, Aufführung (Sprech- und Musiktheater), vorbildliche Handlung, Illustration, Schaubild, (Schul-)Tafel und Tafelbild, Telegrafie, Formular, Zettelkasten, Akte, Dokument, Hausarbeit und Facharbeit, Karteischrank, Architektur, usw.
neuere Medien: Hörfunk, Film, Werbung, Plakat, Telefon, Schallplatte, Musik- und Videokassette, CD, DVD, Computer, Internet, Homepage und Internet-/online-Auftritt, Flip-Chart, Konferenzschaltungen, Chat-rooms, online-Enzyklopädien, -Fotoalben, -gästebücher, E-mail und Internet-Telegramm, Datenbanken und elektronischer Zettelkasten, Netzwerke, usw.
nach Programmen
(mit Programmen sind hier alle in einem bestimmten Schema ablaufenden Präsentationsmethoden gemeint; hier nur eine Auswahl)
- Aufführung (von Musik, Schauspiel)
- Unterricht
- Projektunterricht
- Projektwoche
- Projekt
- Lerntheke
- Werkstattunterricht
- Zukunftswerkstatt
- Experiment
- Stationenlernen
- Planspiel
- Wochenplanarbeit
- fächerübergreifender Unterricht
- interdisziplinäres Projekt
nach Zielen
Kompetenzen werden heute viele genannt. Prinzipiell lassen sich diese Zielen zuordnen. Häufig dienen Präsentationsmethoden nicht nur einem Ziel und einer Kompetenzerweiterung, sondern mehreren.
Figurenstellen, d.h. das schauspielernde Darstellen einer Situation oder eines Sachverhalts durch die Mitglieder einer Gruppe, z.B. ist eine kreative Methode, die aber auch gruppenbildend ist. Im therapeutischen Kontext oder im Rahmen von Konfliktlösungen wird sie aber (über Konfliktanteile und individuelle Sichtweisen) informierend eingesetzt.
Die folgende Liste beschränkt sich deshalb auf vier Methoden-Ziele, zu denen Beispiele gegeben werden, die teilweise auch unter anderen Zielen aufgeführt werden könnten.
kreative Methoden wie Brain-Storming, Free-Writing, Figurenstellen, Assoziationsstern, Clustering, mind-map, Piazza/Marktplatz, Rollenspiel, ABC-Methode, Bilder-Kiosk, Fish-bowl, usw.
konstruktive Methoden wie Planung, Masterchart, Themenliste, Planarbeit, Ordnen, Hypothesen bilden, Befragung, usw.
gruppenbildende Methoden wie Blitzlicht, Barometer, Gruppenpuzzle, usw.
informierende Methoden wie Recherche, Unterricht, audio-visuelle Darstellung (vom Lehrfilm bis zum Lernprogramm), usw.
nach Zeit
In Bezug auf die Dauer von Unterrichtsmethoden und Präsentationsmethoden wurde versucht, den unklaren Begriff noch einmal durch Zeit einzuteilen.
Danach sind Klein- oder Mikromethoden kurz dauernde Methoden, etwa „einen Arbeitsauftrag erteilen“ oder „motivierende Lehrererzählung“.
Makromethoden sind langfristige Methoden, z.B. „Projekt“, „Lehrgang“, „Trainingsprogramm“.
Hilbert Meyer unterscheidet nach Handlungssituationen (sehr kurz, „Frage stellen“, „loben“), Handlungsmuster (kurz, „Lehrervortrag“, "Tafeltexterarbeitung", „Experiment“) und methodischen Großformen (ein bis mehrere Tage, „Kurs“, „Praktikum“, „Exkursion“).
Didaktik und Methodik, Management
Die Koordination von Methoden gerade im unterrichtenden Bildungswesen ist ein wichtiger Bestandteil der Pädagogik. Hierzu dienen Didaktik und Methodik als Teildisziplinen der Pädagogik.
Diese ermöglichen die Zuordnung der Methoden nach funktionalen Aspekten:
- Einstieg / Motivation / Übersicht
- Erarbeitung / Aneignung / Problem- oder Zielformulierung
- Vertiefung / Aneignung / Anwendung / Transfer
- Auswertung / Ergebnissicherung / Zusammenfassung / Veröffentlichung
Der Methodeneinsatz im Management wird ebenfalls unter funktionalen Aspekten betrachtet. Im Gegensatz zur Pädagogik, die fachliches, soziales und personales Wissen durch günstige Lehr-Lern-Abfolgen vermitteln will und die Funktionalität in Bezug auf das Erreichen und Überprüfen von Lernzielen angeordnet wird, wird im Management der Methodeneinsatz häufig durch Arbeitsteilung ausdifferenziert, so dass Ergebnissicherung durch Controlling-Abteilungen, Zielformulierungen durch Abteilungen für Qualitätssicherung, im Zusammenhang mit Rechnungsstellen und Marktforschung geleistet wird, usw. Hierbei handelt es sich meist um Methoden, die entweder in der Pädagogik Makromethoden sind (z.B. sehr häufig Projekte), oder sich massenhaft in einem Betrieb oder Konzern zusammenfassen lassen (sehr typisch sind Poststellen).
verwandte Begriffe
- Didaktik
- e-learning
- Informationsgesellschaft
- Infotainment und Edutainment
- Kompetenz
- Management
- Medien
- Methode
- Methodik
- Planung
- Präsentationstechnik
- Projekt
- Projektplanung
- Unterricht
- Unterrichten
- Wissensvermittlung
Literatur
- Hugenschmidt, Bettina/Technau, Anne: Methoden schnell zur Hand, Stuttgart 2002
- Kiesel, M./Ulsamer, R.: Interkulturelle Kompetenz für Wirtschaftsstudierende, Berlin 2000
- Kösel, Edmund: Modellierung von Lernwelten, Elztal-Dallau 1993
- Kriz, Willy Christian: Lernziel: Systemkompetenz. Planspiele als Trainingsmethode, Göttingen 2000
- Luhmann, Niklas: Die Gesellschaft der Gesellschaft I+II, Frankfurt am Main 1998
- Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien, Opladen 1996
- Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden I+II, Frankfurt am Main 1987
- Nürnberger Projektgruppe: Erfolgreicher Gruppenunterricht, Stuttgart 2001
- Vollmuth, Hilmar J.: Führungsinstrument Controlling, Planegg 2001 (6. Aufl.)
- von Schlippe, Arist/Schweitzer, Jochen: Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung, Göttingen 2000
