Präventivschlag
Mit Präventivschlag wird allgemein militärischer Angriff (mitunter auch der Polizei gegen geplante Verbrechen) bezeichnet, der einem objektiv drohenden oder nur vorgeschobenen Angriff des Gegners zuvorkommen soll.
Der Präventivschlag führt
- entweder zu einem so genannten Enthauptungsschlag, der die gegnerische Streitmacht entscheidend schwächt oder vernichtet,
- zu einem regulären Krieg, einem Präventivkrieg,
- oder zu einem Stillstand der militärischen Aktionen und zu Verhandlungen über das weitere Vorgehen.
Präventivkriege werden als vorweggenommene Verteidigung gerechtfertigt, da der bevorstehende Angriff des Gegners nur vorweggenommen werde, um den Vorteil des Angreifers der eigentlich bedrohten Seite zukommen zu lassen. Gegner dieser Argumentation führen an, dass sich auf diese Art fast jeder Angriffskrieg in eine Verteidigungshandlung umdefinieren ließe.
Ein bekanntes Beispiel für einen Präventivkrieg ist der Einmarsch Friedrichs des Großen in Sachsen 1756, der Auslöser für den Siebenjährigen Krieg war. Obwohl Friedrich in Dresden Belege für die gegen ihn geschmiedete Koalition fand, galt er durch den Überfall als Aggressor.
In der Militärgeschichte sind zahlreiche weitere Beispiele für Präventivschläge bekannt:
- 1801 und am 5. September 1807 greift Großbritannien das neutrale Dänemark an, um die Durchfahrt von der Nordsee zur Ostsee sicherzustellen, die durch ein mögliches Bündnis Dänemarks mit Napoléon blockiert worden wäre.
- Russisch-Japanischer Krieg (1904 - 1905) - Angriff einer Flotte von japanischen Torpedobooten gegen das Russische Pazifikgeschwader im Hafen von Port Arthur noch vor der offiziellen Kriegserklärung.
- 2. Weltkrieg (1939 - 1945) - vorgeschobener Präventivschlag durch das Deutsche Reich gegen Polen.
- Der bis heute einzige unter dem modernen völkerrechtlichen Gewaltverbot als gerechtfertigt angesehene Präventivschlag war der Sechstagekrieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn im Juni 1967. Es ist jedoch auch in diesem Fall umstritten, ob es damit einem arabischen Angriff wirklich zuvor kam. Eindeutig völkerrechtlich als verbotener Angriff gewertet wurde dagegen der israelische Luftschlag gegen den irakischen Atomreaktor Osirak 1981.
- Auch der Angriff der Koalitionskräfte unter Führung der USA auf den Irak im Dritten Golfkrieg 2003 wurde von George W. Bush als Präventivkrieg zur "Abwehr einer drohenden Gefahr" gerechtfertigt, da der Irak angeblich Massenvernichtungswaffen besäße. Diese wurden jedoch nicht gefunden. Später hat die US-Regierung auch zugegeben, dass die Massenvernichtungswaffen nicht der einzige Kriegsgrund waren.
Siehe auch: Angriffskrieg, Krieg, Prävention, Verteidigungskrieg, Liste militärischer Taktiken.
