Primum non nocere

Primum non nocere, auch: Primum nil nocere (lat.: zuerst einmal nicht schaden) ist ein Grundsatz, den die hippokratische Tradition ins Zentrum ihres Begriffs des moralisch geforderten ärztlichen Handelns stellt. Diesem antiken Wahlspruch zufolge soll der Arzt nicht nur keinen Schaden anrichten, sondern zudem alles in seiner Macht Stehende tun, um dem ihm anvertrauten Individuum zu helfen.

Diese Weisheit hat um das Jahr 50 der Arzt Scribonius Largus am Hof von Kaiser Tiberius Claudius aufgestellt. Im strengen Sinne verbietet das Motto Primum non nocere die Anwendung jeglicher Arzneimittel, da keines - gleich ob natürlichen oder künstlichen Ursprungs - frei von Nebenwirkungen ist. Mediziner halten diese strenge Interpretation jedoch nicht für hilfreich und für überholt. Es stellt sich die Frage, was ethisch vetretbarer ist: Den Patienten ohne jegliche Behandlung seinem Leid zu überlasssen oder aber bei einer Behandlung mögliche schwerwiegende Nebenwirkungen zu riskieren. Dies befreit den Arzt allerdings nicht von seiner Pflicht, den Patienten über alle möglichen Behandlungsmethoden, bzw. -alternativen aufzuklären. Dies ist wichtig, damit der Patient seine Einwilligung in eine bestimmte Behandlung sorgfältig abwägen kann.

Die meisten Vertreter der Schulmedizin halten es zurzeit bei der Behandlung von Tumoren für richtig, das hippokratische Primum non nocere aufzuheben. Gewisse Nebenwirkungen der Therapie müssten in Kauf genommen werden, wenn man einen Tumor besiegen möchte.

See also: Primum non nocere, Ethik, Hippokrates, Nebenwirkung, Patient, Schulmedizin, Therapie, Tumor