Proporz

Proporz bezeichnet das Verhältnis der Angehörigen einer Gruppe und der Zahl ihrer Vertreter in einem Entscheidungsgremium.

Es ist eine Kurzbezeichnung für Proportionalität (Verhältnismäßigkeit) und meint damit die anteilsmäßige Beteiligung politischer Gruppierungen (Parteien) an Gremien, Regierungen und Ämtern.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird damit zumeist die Praxis von Regierungsparteien, besonders in großen Koalitionen (Schweiz, Österreich) bezeichnet, entsprechend ihrem jeweiligen politischen Stärkeverhältnis Posten im öffentlichen Dienst und in der verstaatlichten Wirtschaft an ParteigängerInnen zu vergeben.

Typischerweise werden Koalitionsregierungen (in etwa) proportional zur Fraktionsstärke (oder dem Stimmenanteil) der Regierungsparteien besetzt.

Inhaltsverzeichnis

Österreich

In Österreich hat der Proporz Tradition, seit der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde der Proporz im Rahmen der Großen Koalition zu einem prägenden Element der politischen Kultur und ist Bestandteil der Landesverfassungen der meisten Bundesländer. 1999 ersetzten Salzburg und Tirol den Proporz durch ein System freier Mehrheits- und Koalitionsbildungen, wodurch heute in vier von neun Bundesländern die Landesregierung aufgrund freier Koalitionsbildung zwischen den Parteien zustande kommt. Weitere Bundesländer dürften folgen.

Schweiz

Siehe Zauberformel.

Frauenproporz

Die Grünen in der Bundesrepublik Deutschland führten den so genannten Frauenproporz bei ihren Vorstandsgremien und ihren Kandidatenlisten für die Parlamente ein. Dieser sollte dafür sorgen, dass 50% der Vorstandsposten und der Mandate an Frauen gehen.

Diese, im Prinzip gute, Einrichtung führte aber auch dazu, dass die Männer verbissener um die für sie gebliebenen Männerplätze kämpften. Minderheiten, denen man vorher einen gewissen Proporz zugestand, kamen nun nicht mehr zum Zuge. Frauen, die Freundinnen oder Ehefrauen von einflussreichen Männern waren, wurden aus diesem Grund aufgestellt und gewählt und nicht auf Grund ihrer eigenen Fähigkeiten und Qualitäten. Auch sonst war und ist "Frau sein" beim Frauenproporz ein wichtiges Argument auf einen Posten oder in ein Amt zu kommen, hinter das andere Qualifikationen zurück treten können und oder gar müssen.

Andere Begriffe sind "Postenschacher" und "Privilegienwirtschaft".

Weblinks

See also: Proporz, Die Grünen, Fraktion, Frauen, Koalition, Minderheiten, Proportionalität, Zauberformel