Psychologischer Test
Ein psychologischer Test ist ein Verfahren zur Messung von Verhalten unter standardisierten Bedingungen, wodurch die Ausprägung einer Persönlichkeitseigenschaft oder eines aktuellen psychischen Zustands des Probanden festgestellt werden kann.
Psychologische Tests dienen vornehmlich der quantitativen Bestimmung des relativen Grades von individuellen Merkmalsausprägungen, können aber auch qualitative Aussagen über individuelle Ausprägungen von Merkmalen ermöglichen. Psychodiagnostische Tests können als Mittel zur Querschnittsdiagnose, zur Längsschnittdiagnose und als Forschungsverfahren eingesetzt werden.
Arten Psychologischer Tests
Inhaltlich können Leistungstests, Persönlichkeitstests (i. e. S.) und spezielle Testverfahren unterschieden werden. Leistungstests (z. B. IQ-Tests) dienen der Messung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Persönlichkeitstests (z. B. 16PF) messen die Persönlichkeitseigenschaften eines Menschen. Spezielle Testverfahren (z. B. klinische Fragebogen wie die SCL-90) sind auf spezielle Probandengruppen oder Untersuchungszwecke zugeschnittene Verfahren.
Bezüglich der Erhebungsmethode sind drei Arten zu unterscheiden: Der Proband antwortet entweder schriftlich auf Papier (so genannte paper pencil tests), gibt seine Antworten in einen Computer ein oder teilt sie dem Protokoll führenden Testleiter mündlich mit.
Bei den Persönlichkeitstests wird zwischen Fragebogen- und projektiven Verfahren unterschieden. Während im Fragebogen der Proband sein eigenes gewohnheitsmässiges Verhalten und Erleben beschreibt (so genannte Selbstbeschreibung), wird er im projektiven Verfahren um eine gestalterische Deutung der Testvorlage gebeten. Die moderne empirische Psychologie zieht, mit wenigen Ausnahmen (TAT) Fragebogenverfahren den projektiven Verfahren vor, da letztere die Testgütekriterien meist nicht erfüllen.
Testkonstruktion
Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Test herzustellen, zu "konstruieren". Einmal kann eine dezidierte Theorie über menschliches Verhalten vorliegen (z. B. psychoanalytische Theorie oder Intelligenztheorie). Davon ausgehend werden dann Fragen (Items) generiert, die mittels mehr oder weniger aufwändiger statistischer Verfahren auf ihre Güte geprüft werden (Messgenauigkeit, Objektivität und Validität). Man bildet hypothetische Klassen oder Gruppen, die man mit Namen belegt (z. B. "Offenheit"). Diese kann man dann nach Intensität oder Häufigkeit abstufen (sehr, etwas, wenig). Die resultierenden Messwerte stehen dann für die Ausprägung des Merkmals.
Ein weiteres Verfahren nennt sich externale Konstruktion. Dieses nur auf den zweiten Blick einleuchtende Verfahren funktioniert so: man betrachtet zwei unterscheidbare soziale Gruppen (z. B. Alkoholabhängige vs. nicht Abhängige). Diesen Gruppen werden inhaltlich breit gefächerte (heterogene) Items vorgelegt. Diese werden beantwortet. Schließlich werden diejenigen Items ausgewählt, die beide Gruppen statistisch abgesichert voneinander trennen. Davon ausgehend wird dann der Test zusammen gestellt. Nun kann (mit einer gewissen Fehlerwahrscheinlichkeit) eine korrekte Einordnung in die eine oder andere Gruppe (an anderen Personen) vorgenommen werden. Mitunter werden durch dieses Verfahren Items generiert, die mit dem, was ich wissen möchte, inhaltlich wenig gemein haben. Der Test wird "undurchschaubar". Ein Beispiel wäre das Minnesota Multiphasic Inventory (MMPI, Hathaway & McKinley, 1951), ein Persönlichkeitstest.
Die induktive Konstruktion ist an sich keiner Theorie verpflichtet. Hier stellt man "blind" Items zusammen, die inhaltlich zueinander passen (etwa Computer-Ängstlichkeit). Diese Items sollen möglichst zusammenhängen (korrelieren). Mit Hilfe von weiteren Zusammenhangsüberprüfungen kann dann entschieden werden, ob die so entwickelte Skala valide ist. Im Beispiel würde man erwarten, dass eher Computeränsgtliche den PC weniger häufig nutzen, bzw. gar keinen besitzen oder aber Angst davor haben "etwas falsch zumachen". Am besten validiert man psychometrische Skalen an Verhaltensdaten (was tun Menschen versus wie beschreiben sie sich.).
Siehe auch: Interview, Umfrage, Pretest, Persönlichkeits- und Differentielle Psychologie
Weblinks
- Test und Theater. Verfahren der Eignungsprüfung
- Eine Einführung in die Grundlagen psychologischer Testung und eine Beschreibung der wichtigsten Grundlagen findet sich im Hypertext Der psychologische Test. Auf dieser Site finden sich auch einige Online-Verfahren mit sofortiger Auswertung und Rückmeldung: Online-Tests
